Humanitäre Visa 2019

Starker Rückgang bei der Erteilung humanitärer Visa

Im Jahr 2019 wurden 50 humanitäre Visa weniger ausgestellt als noch im 2018. Dieser Rückgang von über 22 Prozent steht im klaren Gegensatz zu der stetig steigenden Anzahl Schutzsuchender weltweit.

Ein humanitäres Visum wird ausgestellt, wenn jemand unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet ist. Das kann sowohl bei akuten kriegerischen Ereignissen, als auch aufgrund einer konkreten individuellen Gefährdung der Fall sein.

2019: mehr Schutzsuchende als im Vorjahr

Im Jahr 2019 erhielt der Beratungsdienst Humanitäre Visa 2'221 Anfragen. Das entspricht einem Anstieg von 210 Anfragen verglichen mit dem Vorjahr. Immer mehr Menschen suchen internationalen Schutz. Die steigenden Flüchtlingszahlen zeigen sich in überfüllten Flüchtlingslagern weltweit, wobei das Lager Moria in Griechenland nur eines von zahlreichen Beispielen ist.

Alternativen sind rar

Auffallend ist auch, dass vermehrt Anfragen aus dem Ausland beim Beratungsdienst eingehen. Menschen aus und in diversen Ländern sind an Leib und Leben gefährdet. Zudem gibt es wenig Alternativen, um auf sicherem und legalem Weg internationalen Schutz zu erhalten. Noch vor einem Jahr kamen die meisten Anfragen von Angehörigen aus der Schweiz. Geflüchtete, die bereits in der Schweiz leben, kontaktierten stellvertretend für ihre Angehörigen im Ausland unseren Beratungsdienst. Doch 2019 haben sich 1’400 Personen direkt aus dem Ausland gemeldet, das entspricht fast zwei Drittel aller Anfragen (ca. 63%). Seit ein paar Jahren erreichen uns aus immer mehr Ländern Anfragen: 

Grafik: Von 2015 bis 2019 stieg die Anzahl unterschiedlicher Herkunftsländer, bei den Anfragen für humanitäre Visa. Im Jahr 2015 erreichten den Beratungsdienst Anfragen aus 17 verschiedenen Ländern, 2019 waren es bereits 67 verschiedene Länder. Für die Jahre 2013 und 2014 wurden die Daten nicht erhoben.

Die Herkunftsländer der Personen, die beim Beratungsdienst SRK eine Anfrage einreichten, wurden in den Jahren 2013 und 2014 noch nicht erfasst. Trotzdem lässt sich erkennen, dass die Anzahl Herkunftsländer kontinuierlich steigt. Daraus ziehen wir zwei Schlüsse: 

  1. Der Beratungsdienst Humanitäre Visa ist bekannter geworden, auch im Ausland. 
  2. Das humanitäre Visum ist oft die letzte Möglichkeit, auf legalem und sicherem Weg internationalen Schutz zu erhalten. 

Selbstständig humanitäre Visa beantragen

Der Zugang zu humanitären Visa soll für alle gesichert sein. Es ist deshalb eine gute Entwicklung, dass der Beratungsdienst bei weniger als einem Drittel der erteilten humanitären Visa direkte Unterstützung geleistet hat. Mittels Abgabe von Informationen und durch Beratungen konnten in über 1'000 Fällen Personen dazu ermächtigt werden, selbstständig ein Gesuch auf einer Schweizer Vertretung einzureichen.