Abschlussprüfung

Wie reagieren, wenn aus Spass Ernst wird?

Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind nervös. Heute stehen nämlich im Ausbildungs- und Ferienlager (AULA) des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes SMSV die Abschlussprüfungen an. Welcher Aufgabe müssen sie sich wohl stellen?

Die Berge rund um Schwarzsee-Freiburg sind von dunklen Regenwolken umhüllt und im See kringeln sich die Kreise der aufklatschenden Regentropfen. Es ist bei Weitem nicht das optimale Lagerwetter, doch das scheint die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ausbildungs- und Ferienlagers AULA nicht im Geringsten zu stören. Vor und in den Gebäuden der Truppenunterkunft in Schwarzsee herrscht ein fröhliches Durcheinander von Jugendlichen sowie Helfern in Zivil und Helfern in Uniform. Durchgeführt wird das AULA vom schweizerischen Militär- Sanitäts-Verband SMSV und richtet sich an Jugendliche von 14 bis 22 Jahren. Es ist in vier Ausbildungsstufen eingeteilt. Die Schwerpunkte liegen bei der Ersten Hilfe, der Krankenpflege und der Laienrettung. «Es stehen aber auch Sport, Spiel und Spass auf dem Programm», erklärt Marina Geissbühler, Co-Lagerleiterin.

Wenn aus Spass Ernst wird

Heute stehen die Abschlussprüfungen an. Dabei werden die Jugendlichen von einem Expertenteam beobachtet und bewertet. Es geht darum, das Gelernte anzuwenden. Im ersten Teil der Prüfung werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzeln geprüft. Es werden ihnen verschiedene Alltagsunfälle und Situationen wie zum Beispiel Schnittwunden oder Unterzuckerung präsentiert und sie müssen richtig reagieren. «Wichtig ist es uns, dass die Jugendlichen die Situation korrekt einschätzen und entsprechend handeln können», erklärt Marina Geissbühler. Kein Problem für die gut ausgebildeten Jugendlichen. Im zweiten Teil werden sie als Gruppe getestet. In einem Rollenspiel spielen Helferinnen und Helfer eine Unfallsituation nach. Die Gruppe wird unvorbereitet an den Unfall herangeschickt. Denn aus Spass kann schnell Ernst werden, und dann gilt es, für die Gruppe richtig handeln zu können.

Wie reagieren bei einem Leitersturz?

Die Gruppe hat sich der fiktiven Unfallstelle genähert. Ein Junge ist von der Leiter gefallen und hat sich dabei am Brustkorb verletzt. Er liegt am Boden und zittert. Neben ihm liegt ein Mädchen. Sie hat sich am Fuss verletzt, als die Leiter auf sie gefallen ist. Der Freund des verletzten Mädchens ist ebenfalls dabei. Obschon er unverletzt ist, ist er völlig aufgekratzt und überfordert mit der Situation. Sofort übernimmt Patrick, ein Junge aus der Gruppe, die Rolle des Chefs. Er muss nun die Kontrolle behalten und die anderen anleiten. Er ist auch dafür zuständig, der Ambulanz Auskunft zu geben. Welcher Patient muss zuerst behandelt werden? Während er sich ein Bild von der Situation macht, räumen die anderen drei die Leiter aus dem Weg, damit sie Platz für die Betreuung der Verletzten haben. Patrick gibt erste Anweisungen. Als Erstes muss sich jemand um den Jungen kümmern, denn seine Verletzung ist am schwersten. Dann muss das verletzte Mädchen betreut werden. Und jemand soll sich um ihren Freund kümmern, der mit seinem aufgebrachten Verhalten die Gruppe bei der Arbeit stört. «Am besten bringst du den Freund weg von der Unfallstelle », weist Patrick seine Kollegin Fabiana an, die versucht, den verzweifelten Freund in Schach zu halten. Mittlerweile haben die zwei anderen Decken geholt, um den gestürzten Jungen zu wärmen. Da er sich am Brustkorb verletzt hat, versuchen sie seine Halswirbel zu stabilisieren. Er hat einen Bluterguss am Brustkorb. Dann lagern sie den Fuss des Mädchens hoch und kühlen ihn mit einem feuchten Dreieckstuch.

Das Expertenteam gibt ein Urteil

Die Experten schauen aufmerksam zu. Irgendwann unterbrechen sie die Gruppe. Sie loben als Erstes, dass sich die Gruppe Zeit genommen habe, um die Situation zu beurteilen. «Es ist wichtig, dass jemand die Rolle des Chefs einnimmt», betont der Experte. Es sei auch korrekt gewesen, den Patienten zu wärmen und seinen Halswirbel zu stabilisieren. «Ihr dürft allerdings niemals eine Diagnose machen», unterstreicht der Experte. Ausserdem sei es gut gewesen, den Freund von der Unfallstelle wegzubringen, damit die anderen in Ruhe arbeiten konnten. Alles in allem waren die Experten jedoch sehr zufrieden. Alle haben die Prüfung bestanden. «Es war schwierig, denn ich wusste am Anfang nicht genau, was los war», erklärt Patrick nach der Übung. «Aber man muss einfach ruhig bleiben und nach seinem Wissen handeln». Die anderen pflichten ihm bei. Es sei schon ein wenig stressig gewesen. «Aber es hat auch Spass gemacht», fügt Fabiana hinzu. Und in einem Punkt sind sich sowieso alle einig, nämlich, dass sie nächstes Jahr wieder kommen.