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Mit ganzem Herzen dabei

Im Ausbildungs- und Ferienlager (AULA) des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes SMSV kommt keine Langweile auf. An diesem Abend steht etwas ganz Spezielles auf dem Programm. Die Teilnehmenden lernen das Herz kennen. Schweineherzen sezieren ist angesagt!

«ready for red cross» ist das Jugendmagazin des Schweizerischen Roten Kreuzes von Jugendlichen für Jugendliche. Junge Freiwillige aus den Jugendorganisationen des SRK wählen die Themen aus, schreiben die Artikel und knipsen die Fotos. Erscheint 3x jährlich. Bist du «ready for red cross»? Hier  kannst du das Magazin kostenlos abonnieren.

Stockdunkel ist es, als ich an diesem Abend nach einer langen Fahrt irgendwo in den Freiburger Voralpen aus dem Postauto steige. Ich statte dem AULA, dem Ausbildungs- und Ferienlager des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes (SMSV), einen Besuch ab. Über 130 Jugendliche und junge Erwachsene aus der ganzen Schweiz haben sich für eine Woche in der Militärunterkunft in Schwarzsee versammelt. Ein Blick aufs Programm zeigt: Langweilig kann es hier nicht werden. Ausbildungen in der Nothilfe und Ersten Hilfe, in der Herz-Lungen- Wiederbelebung oder der Laienrettung mit abschliessender Prüfung gehören ebenso dazu wie Nacht- und Geländeübungen, Sport, Biwakieren und sogar eine Demo mit einem Armeehelikopter.

Ausbildung in Etappen

Allerdings absolviert man nicht alles in einem einzigen AULA, wie mir die 16-jährige Janine erklärt: «Es gibt vier Klassen. Kommst du zum ersten Mal ins AULA, bist du in der ersten Klasse. Die schliesst du mit dem Nothelfer ab. Danach lernst du jedes Jahr mehr dazu, bis du im vierten Jahr die Grundausbildung ‹Einsatzleitung› absolvierst.» Janine ist bereits zum zweiten Mal dabei. Das Lager sei eine sehr gute Vorbereitung auf ihre Lehre als Fachfrau Gesundheit, sagt sie, aber zum Glück gar nicht wie Schule. «Das AULA ist einfach cool, alle Leute sind topmotiviert. Und man darf die Leiter duzen», fügt Janine grinsend an. Pascal findet besonders gut, dass im AULA mit richtigem Material geübt wird. Von dieser Tatsache kann ich mich im nächsten Augenblick gleich selber überzeugen.

Gar nicht so eklig

Im Theorieraum liegt Aufregung in der Luft. Etwa 50 Jugendliche in knallgrünen AULA T- Shirts und gelben Westen warten ungeduldig, bis der Theorieblock über Herzkranzgefässe und Herzinfarkte fertig ist. Auf der anderen Seite des Raumes liegen – säuberlich auf Tabletts verteilt und auf einem Tisch aufgereiht – knapp zwei Dutzend Schweineherzen. Wenig später beugen sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen über die Herzen. Anders als ich erwartet habe, ist kein Gekicher und Scherzen zu hören. Konzentriert betrachten die Jugendlichen das Schweineherz von allen Seiten, wiegen es in der Hand und betasten die verschiedenen Teile. «Es riecht zwar schon ein bisschen komisch», findet Simon, «aber es ist gar nicht so eklig, wie man denkt.» Er schnappt sich ein Skalpell und setzt vorsichtig zu einem tiefen Schnitt an. Das Material fasziniert Simon. «Es ist so elastisch. Man kann es gar nicht zerreissen.»

Herzklappen und Blutgerinnsel

Zu Céline und ihren Kolleginnen hat sich der Lagerarzt Thomas Egger gesellt. «Hier strömt das Blut ins Herz rein», erklärt er und steckt einen behandschuhten Finger in eine Vene, «und hier fliesst es zur Lunge.» Dann erläutert Thomas die Funktion der Herzklappen und dass man künstliche Herzklappen einsetzen kann, wenn eine nicht mehr dicht ist. «Das Teil kann man ersetzen?! Krass!», staunt Céline und zerrt ungläubig an einem winzigen Zipfel, der eine so genannte Segelklappe ist. Einen Tisch weiter erklärt mir Yanik mit fachmännischer Miene: «Wir haben schon zwei Blutgerinnsel gefunden! Das war eine arme Sau.» Am Schluss landen die verschnippelten Herzen wieder in einer grossen Kiste. Ich werfe beim Hinausgehen einen letzten Blick darauf und muss schmunzeln: Ja, beim AULA ist man mit Herzblut bei der Sache!