Nachtübung

«Ernstfall» statt Party

Auf der Fahrt in den Ausgang treffen die Camp-Jugendlichen auf einen gestellten Autounfall. Jetzt heisst es rasch reagieren und das im Ausbildungslager AULA Gelernte anwenden.

Kalter Nebel schleicht an diesem Abend beim Schwarzsee/FR um die Bergspitzen. Vom Mond ist nur eine kleine Sichel zu sehen. Im Lagerhaus des Ausbildungsund Ferienlagers (AULA) des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes (SMSV) freuen sich die 20 Jugendlichen der Klasse 3 auf den Ausgang. Was sie nicht wissen – zuerst steht ihnen eine grosse Prüfung bevor. Punkt 20 Uhr fährt der Bus mit den Jugendlichen Richtung Plaffeien ab. Die Stimmung ist ausgelassen. Sie singen lustige Lieder. «Auf der Mauer, auf der Lauer liegt die kleine Wanze …» Nach einer Kurve bremst der Bus abrupt, das Singen verstummt sofort – vor ihnen stehen zwei ineinander verkeilte Autos, Rauch steigt auf. Reto verliert keine Zeit. «Ich übernehme die Einsatzleitung! Ich brauche vier Leute, welche den Verkehr regeln. Die Sammelstelle für die Verletzten ist da hinten. Schnell!» Die Jugendlichen ziehen ihre gelben Leuchtwesten an, packen ihr Sanitätsmaterial und kümmern sich um die «Verletzten». Nach einigen Minuten kommen die alarmierte Feuerwehr Plaffeien sowie die Stützpunktfeuerwehr Düdingen mit Blaulicht angefahren. Auch die Ambulanz ist rasch zur Stelle. Erst nachdem die Feuerwehr Scheinwerfer aufgestellt hat, ist das Ausmass des «Unfalls» sichtbar. Die zwei Autos sind stark demoliert. Überall liegen Scheibensplitter. Die «Verletzten» bluten und sind bleich.

Mit Riesenzangen das Auto aufschneiden

«Wie viele Verletzte haben wir?», fragt Reto die Hilfe leistenden Sanitäter. «Es sind sechs Betroffene, bei zwei haben wir Verdacht auf Rückenverletzungen. Sie müssen deshalb mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Auto geborgen werden. Die restlichen vier haben wir zur Sammelstelle gebracht. Sie werden nun weiter versorgt und von uns betreut.» Mit grossen Werkzeugen macht sich die Feuerwehr an die Arbeit, die zwei Personen mit den vermuteten Rückenverletzungen aus dem Auto zu befreien. Dank Rettungsschere und Spreizer werden aus den Autos Cabriolets. Endlich können die Personen geborgen werden. «Wir müssen das Rettungsbrett langsam unter den Rücken schieben. Danach können wir die Person mit der Spinne fixieren», weist ein Rettungssanitäter die Jugendlichen an.

Lob und verdiente Party

Nachdem alle Patienten versorgt sind, bricht Marco Dahinden, Ausbildungschef, die Übung ab. Bei der anschliessenden Einsatzbesprechung werden die Jugendlichen gelobt. «Jungs und Mädels, ich bin wirklich stolz auf euch! Ihr habt rasch und richtig reagiert. Bravo! Den Ausgang habt ihr euch nun verdient. Wegtreten!» Jauchzend und stolz auf ihre Leistung steigen die Jugendlichen wieder in den Bus. Langsam fährt dieser talabwärts. Bei einem Unfallauto fehlt das Markenschild. Reto hat es als Souvenir mitgenommen.