«La Chaise rouge»

Eine Freundschaft auf Augenhöhe

Seit fünf Jahren gibt es im Kanton Waadt das Projekt «La Chaise Rouge» Menschen mit Behinderung können regelmässig mit Freiwilligen des Roten Kreuzes etwas unternehmen. Das Porträt zweier Freundinnen, die sich regelmässig treffen.

Nach fünf Jahren «La Chaise rouge» ist der Bedarf immer noch gross. Im Jahr 2017 gab es für die Dauer von 2879 Stunden Ausflüge ins Schwimmbad, ins Kino, ins Theater. Ebenso gefragt ist die Begleitung bei Unterstützung bei sportlichen Betätigungen und Fitness. Freiwillige, die sich einsetzen möchten, erhalten eine Schulung zum Thema Begleitung, Beziehung und Unfallprävention. Insgesamt haben 315 Personen mit einer Behinderung und 325 Freiwillige am Projekt «La Chaise rouge» teilgenommen.

«Einfach zusammen sein» - das ist es, was für Lucie Müller «La Chaise rouge» ausmacht. Meistens spaziert sie mit der Rotkreuzfreiwilligen Alice Moroni am Genfersee entlang.  Seit vier Jahren treffen sich die beiden Freundinnen regelmässig, veranstalten Picknicks im Park, Stadtspaziergänge oder Ausflüge an den See. Häufig sitzen sie aber auch einfach gemütlich zusammen und plaudern.

Regelmässig trifft sich ein Kreis von Freundinnen auch zum gemeinsamen Kochen.  «Wir haben da eine gute Arbeitsteilung», so Lucie Müller: «Sie kochen und ich esse». Die feingliedrige junge Frau mit dem trockenen Humor ist cerebral gelähmt und geniesst die Ausflüge mit Alice Moroni in vollen Zügen. «In meiner Umgebung wohnen sonst nur ältere Leute und ich habe nicht so viele Freundinnen und Freunde.»

Alice Moroni musste allerdings auch erst lernen, Lucie Müller zu begleiten. «Am Anfang war mir nicht so ganz wohl, ich wusste nicht, wie ich den Bedürfnissen Lucies am besten gerecht werde.  An einem der ersten Ausflüge regnete es. Ich versuchte, gleichzeitig, den Regenschirm zu halten, und den Rollstuhl zu schieben.» Hör auf, dich abzumühen,» war Lucie Müllers Kommentar – «ich bin ja nicht aus Zucker.»

Lucie Müller will nicht verhätschelt werden. «Menschen, die mich wie ein Kind behandeln, kann ich nicht ausstehen. Ich will auf Augenhöhe angesehen werden.» Dieser Wunsch sowie die sprühende Kreativität ist deutlich zu spüren. Sie ist aktiv, schreibt regelmässig neue Beiträge in ihrem Blog «Hinter meiner Mauer» und sie hat bereits zwei Gedichtbände veröffentlicht.

Die Zeit mit Lucie Müller bringt Alice Moroni viel. «Ich begegne Menschen mit einer Behinderung heute mit viel mehr Respekt. Ausserdem ziehe ich aus meinem Engagement eine grosse Befriedigung und habe das Gefühl ein nützliches Mitglied unserer Gesellschaft zu sein.» Aber vor allen Dingen ist Alice Moroni eines wichtig: «Uns verbindet eine reine Freundschaft ohne Erwartungen - das ist einfach wunderschön.»