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Alles Roger am Strand?

Roger von der Crone und Roger Beuret machen Baden an der «Ufschötti» Luzern sicherer. Der junge und der etwas ältere Roger sind Rettungsschwimmer und überwachen als freiwillige Strandwächter den Strand. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt? «Ready» fragt nach.

«ready for red cross» ist das Jugendmagazin des Schweizerischen Roten Kreuzes von Jugendlichen für Jugendliche. Junge Freiwillige aus den Jugendorganisationen des SRK wählen die Themen aus, schreiben die Artikel und knipsen die Fotos. Erscheint 3x jährlich. Bist du «ready for red cross»? Hier  kannst du das Magazin kostenlos abonnieren.

Bei der gehissten Fahne der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG findet man Roger und Roger an der «Ufschötti » in Luzern. Die beiden Freiwilligen der SLRG Sektion Luzern sitzen auf einem erhöhten Holzpodest und überblicken den 200 Meter langen Strand. Im Auftrag der Stadt Luzern sind sie und weitere Freiwillige für die Strandwache an der «Ufschötti» zuständig.

«Ready»: Roger von der Crone, was sind eure Aufgaben als Strandwächter?

Roger von der Crone: Wir überwachen die Badegäste und reagieren im Notfall. Hauptsächlich übernehmen wir präventive Aufgaben. Dieses Jahr musste ich besonders oft mit dem Rettungsbrett rausgehen, um Hobbykapitäne auf Mietbooten abzupassen und darauf hinzuweisen, nicht in die mit Bojen abgesteckte Schwimmzone reinzufahren. Das könnte zu gefährlichen Situationen mit Badegästen kommen! Zum Glück kam es aber dieses Jahr zu keinem grösseren Zwischenfälle…

«Ready»: Musstet ihr bei euren Einsätzen auch schon Badegäste aus dem Wasser retten?

Beide Rogers gleichzeitig: Uff, zum Gluck noch nicht!

Roger Beuret: Bei meinen Einsatzen musste ich ab und zu Schnittwunden oder Insektenstiche behandeln. Fur solche Falle sind wir mit einer Taschenapotheke ausgerustet.

«Ready»: Ihr seid ja auf eurem Podest sehr sichtbar. Kommen die Leute auch mit Fragen zu euch?

Roger von der Crone: Ab und zu stellen uns Touristen Fragen zu Sehenswurdigkeiten oder zur Region. Wir sind also auch ein Infoposten (lacht)! Manchmal kommen auch ganz aufgeregte Mutter und Kinder zu uns und wollen, dass wir eine verletzte Ente bergen. Tierrettung gehort aber doch noch nicht zu unserer Ausbildung, weshalb wir diese Aufgaben jeweils der Polizei oder dem ortlichen Sicherheitsdienst weitergeben (lacht nochmals). Wir werden sehr geschatzt. Viele Leute kommen auf uns zu und sagen, wie toll sie unser Engagement finden.

«Ready»: Roger Beuret, du kümmerst dich um die Koordination der Strandwache. Auf was achtest du jeweils bei der Teameinteilung?

Roger Beuret: Bei uns in der SLRG gilt ≪eine Person ist keine Person≫. Es ist sehr gefahrlich, alleine einen Rettungsversuch zu wagen. Stell dir vor, du kamst in Gefahr, was dann? Deshalb sind wir bei der Strandwache immer zu zweit. Wenn ich den Einsatzplan mache, schaue ich darauf, jeweils einen Youngster gemeinsam mit einem erfahrenen Rettungsschwimmer einzusetzen. Das ist gut fur den Wissenstransfer und den Erfahrungsaustausch, aber auch fur die Integration in den Verein.

«Ready»: Dann kann also der Rettungsschwimmnachwuchs bei euch schon sehr früh an richtigen Einsätzen teilnehmen?

Roger Beuret: Ja, genau. Jugendliche konnen ab 16 Jahren bei der Strandwache mitmachen, vorausgesetzt naturlich, sie haben alle notigen Kurse bestanden. Ich empfehle den Jugendlichen aber, bereits vorher an Rettungsdiensten teilzunehmen. Bei Rettungsdiensten, das heisst, wenn wir das Wasser bei Anlassen wie beispielsweise Ruderregatten oder Seeuberquerungen sichern und uberwachen, durfen uns auch Absolventinnen und Absolventen des Jugendbrevets unterstutzen. Das Jugendbrevet kann man ja bereits mit 10 Jahren machen. Wir spannen also unseren Nachwuchs schon sehr fruh und bei allen Aktivitaten ein.

«Ready»: Also starten die meisten Strandwächter mit einem Einsatz im Rettungsdienst. Erinnert ihr euch an euren ersten Rettungsdienst?

Roger Beuret: Oh ja! Ich wurde direkt ins kalte Wasser geworfen. Man hat mich bei einem Kanurennen im Muotatal eingeteilt. Der Fluss hat eine extrem starke Stromung – also nichts fur schwache Muskeln! Heute wurden wir dort niemals einem Unerfahrenen einen Posten geben.

Roger von der Crone: Mein Einsatz war da etwas entspannter. An einer Ruderregatta am Rotsee wurde ich fur den Rettungsdienst auf einem Boot mit einem ≪alten SLRG-Hasen≫ eingeteilt. Dieser erfahrene Rettungsschwimmer hat das Flair, immer dann im Einsatz zu sein, wenn etwas Aussergewohnliches passiert. Es scheint, als wurde er Unfalle anziehen (lacht). Bei diesem Einsatz blieb es aber ruhig auf dem See, so hatten wir viel Zeit, zusammen zu diskutieren. Mein Teamkollege stellte mir zuerst viele Fragen zu meiner Person. Es ist namlich wichtig zu wissen, wie jemand im Team ≪tickt≫, um abzuschatzen, wie er bei einer Notfallsituation reagieren konnte. Danach testete er mein Fachwissen, wollte zum Beispiel wissen, wie ich reagieren wurde, wenn ein Ruderboot kentert. Er erzahlte mir von seinen Erfahrungen und gab mir viele Tipps. Ich habe wirklich unglaublich viel von diesen Rettungsdiensten mit ihm profitiert! Oft sitzen alle nach solchen Rettungsdiensten gemutlich zusammen – da sind wir Jungen naturlich auch dabei. Der gesellige Teil ist uns sehr wichtig. Roger Beuret: Stimmt, deswegen bin ich ja vor 34 Jahren auch bei der SLRG hangen geblieben (lacht). Wir wollen, dass sich alle – ob Jung oder Alt – bei uns wohlfuhlen. Wir SLRGler sind eine bunte Truppe – bei uns sind alle willkommen mit ihren Eigenheiten und Eigenarten.