Pflegenden Angehörigen eine Stimme geben

Nationaler Dachverband der betreuenden und pflegenden Angehörigen gegründet

Die ehemalige «Nationale Interessengemeinschaft für betreuende und pflegende Angehörige» hat sich als Verein «Interessengemeinschaft Angehörigenbetreuung (IGAB)» neu konstituiert, um als Dachorganisation auf nationaler Ebene aktiv zu werden. Unter der neuen Struktur haben sich rund zwanzig Organisationen und Gesundheitsligen zusammengeschlossen, um sich für die Interessen von fast zwei Millionen betroffenen Menschen in der Schweiz einzusetzen. Angehörigenbetreuung ist ein hochaktuelles Thema, wird auch auf der politischen Ebene diskutiert und betrifft die Arbeit des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) ganz direkt. Das SRK wird als Gründungsmitglied durch Andreas Bircher, Leiter Entlastungsdienste im Departement Gesundheit und Integration, im neu gewählten Vorstand der IGAB vertreten sein.

Mit dem Ziel, den betreuenden und pflegenden Angehörigen eine Stimme zu geben, hat der neue Verein IGAB seine Statuten verabschiedet sowie Vorstand und Präsidium gewählt. Der Vorstand steht dieses Jahr unter der Leitung von Adrian Wüthrich, Nationalrat und Präsident von Travail.Suisse, und hat bereits die Schwerpunktthemen für das erste Vereinsjahr festgelegt. Diese basieren auf der Botschaft des Bundesrates zuhanden des Parlaments in Bezug auf das Gesetzesprojekt, das erwerbstätige betreuende und pflegende Angehörige entlasten soll. Dabei handelt es sich konkret um:

  • Gesetzesentwurf des Bundesrates zur Entlastung der pflegenden und betreuenden Angehörigen: Begleitung des parlamentarischen Prozesses; auf bestehende Gesetzeslücken hinweisen
  • Kommunikationsstrategie und Sensibilisierungsarbeit 
  • Austausch innerhalb des Netzwerkes: Tagungen, Weiterbildungen usw.

Für die IGAB stellen die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen tatsächlich Verbesserungen dar, sie gehen aber zu wenig weit. Angesichts der enormen Herausforderungen, mit denen sich betreuende und pflegende Angehörige in der Schweiz tagtäglich konfrontiert sehen, reichen sie nicht aus.

1,9 Millionen Menschen in der Schweiz unterstützen, betreuen oder begleiten ein Familienmitglied

Ohne betreuende und pflegende Angehörige wäre unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig. 1,9 Millionen Menschen in der Schweiz unterstützen, betreuen und begleiten täglich ein Kind oder einen Erwachsenen, das sind 35% der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren. Sie ersparen der Gesellschaft Milliarden von Franken an Gesundheitskosten, setzen dabei aber oftmals ihre eigene Gesundheit oder ihren Arbeitsplatz aufs Spiel. In Anbetracht der demografischen Entwicklung in unserem Land dürfte diese Zahl aufgrund der Alterung der Bevölkerung in Zukunft weiter ansteigen.

In seiner Botschaft vom 22. Mai 2019 hat der Bundesrat Massnahmen zur Entlastung von erwerbstätigen betreuenden und pflegenden Angehörigen vorgeschlagen. Andreas Bircher, Leiter Entlastungsdienste im Departement Gesundheit und Integration des Schweizerischen Roten Kreuzes, begrüsst dieses klare Signal. Er fügt jedoch an, dass «chronische Krankheiten sowie die Betreuung durch nicht berufstätige Angehörige, wie z.B. der Rentner, der seine Frau pflegt, im Gesetzesentwurf auch zu berücksichtigen sind. Was heute nicht der Fall ist. ».

Das SRK unterstützt die betroffenen Personen und ihre Angehörigen

Das SRK ist im Rahmen seiner Arbeit häufig mit langwierigen und chronischen Krankheiten oder Behinderungen konfrontiert, die eine ständige Pflege erfordern, oft über einen längeren Zeitraum. Ein Grossteil der pflegenden Angehörigen sind nicht berufstätig oder bereits im Rentenalter. Oft sind sie selbst gesundheitlich eingeschränkt, was sich noch verschärfen kann, wenn sie sich um Familienmitglieder kümmern müssen. Mit seinen Dienstleistungen, wie z.B. dem Fahrdienst, Entlastungsdienst, Besuchs- und Begleitdienst oder auch dem Beratungsdienst, bietet das SRK den Patienten wertvolle Unterstützung an, um gleichzeitig die Angehörigen zu entlasten.

Diese Dienstleistungen können nur dank dem Engagement von Freiwilligen erbracht werden.