Entlastung für Eltern

«Das Rote Kreuz, mein Rettungsanker»

Als Claudia Imfeld schwanger war, musste sie wochenlang liegen, um ihr Kind zu retten. Doch wer sollte in dieser Zeit ihre zweijährige Tochter betreuen? Mit der Rotkreuz-Kinderbetreuung fand sie rasch eine ideale Lösung.

Willkommen bei Familie Imfeld in Sarnen (OW). Zwei Kleinkinder wirbeln durchs Wohnzimmer und spielen abwechselnd mit Bauklötzen und Autos. Mitten drin sitzt ihre Mutter Claudia Imfeld, eine 36-Jährige, die nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Doch das friedliche Bild täuscht: Der kleine Julian mit seinem strahlenden Lächeln leidet an Reizüberflutungs- und Angstzuständen, die sich in heftigem Weinkrämpfen äussern. Seine Ängste sind auf die schwierigen Umstände vor seiner Geburt zurückzuführen. Bei Claudia Imfeld, die im Flüeli-Ranft in einem Kleinpensum als Lehrerin arbeitet, setzten in der 24. Schwangerschaftswoche plötzlich Wehen ein. Die Ärzte verordneten ihr strikte Bettruhe. Wollte sie Julian nicht verlieren, musste sie sich daran halten.

Doch für die willensstarke Frau kam es nicht in Frage, in Luzern im Spital zu bleiben. «Ich konnte doch Emilia nicht alleine lassen! », erklärt sie. Ihre Tochter war damals erst zwei Jahre alt. Sie kehrte somit nach einer Woche nach Hause zurück. Grosseltern, Nachbarn und der Vater lösten sich ab, um die junge Frau zu vertreten. Emilia musste morgens aufgenommen und den ganzen Tag über betreut werden. Und die Haushaltarbeiten, das Kochen und die Einkäufe erledigten sich auch nicht von alleine.

Der Kinderhütedienst war für das ganze Umfeld eine Entlastung.

Entlastung für das Umfeld

Schon während des Spitalaufenthaltes wurden sich Emilias Eltern bewusst, dass es nicht bis zum Ende der Schwangerschaft so weitergehen konnte. «Wir haben rasch erkannt, dass alle an ihre Grenzen kamen», erinnert sich Claudia Imfeld. Zudem fiel es den Imfelds schwer, einfach so Hilfe anzunehmen. Deshalb wandten sie sich zuerst an die Spitex und danach an den Kinderbetreuungsdienst des Roten Kreuzes Unterwalden, welcher ihnen von der Spitex empfohlen wurde. So wurde die kleine Emilia die erste Kundin des eben erst eröffneten kostenpflichtigen Dienstes. Während mehreren Wochen kümmerte sich nun Irene, eine qualifizierte Betreuerin des Roten Kreuzes, täglich um Emilia. Nicht den ganzen Tag, denn Claudia Imfeld und ihr Mann waren zwischendurch auch ganz gerne mal für sich, aber immerhin mehrere Stunden pro Tag. Für das Paar bedeutete diese Lösung eine enorme Entlastung: Nun musste es sein Umfeld nicht mehr übermässig beanspruchen. Und Claudia Imfeld war froh, in der Not auf eine seriöse, verlässliche Organisation zählen zu können. «Das Rote Kreuz war mein Rettungsanker», sagt sie.

Die Ärzte stellten fest, dass Julian übermässig auf Umgebungsreize reagiert.

Einen Monat zu früh

Dank ihrem Durchhaltevermögen konnte die Familienfrau ihr Kind bis zur 36. Woche und damit fast bis zum vorgesehenen Geburtstermin austragen. «Die Geduld hat sich gelohnt», sagt Claudia Imfeld heute mit einem liebevollen Blick auf ihren Sohn. Das findet auch die unterdessen vierjährige Emilia, die ihren kleinen Bruder über alles liebt. Mit der Geburt des Kleinen war Claudia Imfelds Zwangspause endlich überstanden.

Doch die Familie war noch nicht über den Berg. Denn der Stress, dem die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt war, wirkte sich auf Julian aus. Als er drei Monate alt war, stellten die Ärzte fest, dass er übermässig auf Umgebungsreize reagiert. Zu viel Lärm, zu viele Leute, zu viel Aufregung lösen beim Kleinkind einen derartigen Stress aus, dass es während zwei Stunden oder länger heftig weint. Dann braucht Julian die volle Aufmerksamkeit seiner Mutter.

Und zum Zweiten

Als die Diagnose nach zahlreichen Spitalaufenthalten endlich gestellt war, änderte die Familie ihre Gewohnheiten, um Julian zu schützen. Sie meidet nun zum Beispiel stark frequentierte Orte, und sei es nur der kleine Supermarkt um die Ecke. Claudia Imfeld wandte sich damals erneut an die Rotkreuz-Kinderbetreuung. Diesmal ging es darum, dass sie sich ihrer Tochter widmen konnte. «In all den Wochen, in denen ich nicht aufstehen durfte, hatte Emilia kaum Kontakt zu anderen Kindern. Das musste sich unbedingt ändern», erklärt sie. Während Mutter und Tochter gemeinsam den Familientreff besuchten, war Julian bei der Kinderbetreuung gut aufgehoben. Claudia Imfeld wusste, dass sie dem Roten Kreuz vertrauen kann.