Asyl und Migration

Sichere und legale Zugangswege sind dringend nötig

Familiennachzug, Resettlement und humanitäre Visa sind legale Zugangswege für schutzsuchende Menschen. Wieso diese so wichtig sind und wie sich die Schweiz beteiligen kann.

Noch nie war die Zahl der Schutzsuchenden so gross wie heute. Sie fliehen vor Krieg, Konflikten oder Verfolgung. Die meisten geflüchteten Menschen werden in Nachbarländern aufgenommen. Ganze 73 Prozent der geflüchteten Menschen leben dort – diese Situation ist untragbar, die Nachbarländer sind schlicht überfordert und bitten um Hilfe und Solidarität. 

«Zivilisation bedeutet sich gegenseitig zu helfen, von Mensch zu Mensch, von Nation zu Nation.»

Henry Dunant, Begründer der Rotkreuz- / Rothalbmondbewegung und Nobelpreisträger

Die vergleichsweise wenigen Schutzsuchenden, die die Nachbarländer verlassen und die gefährliche Flucht über das Mittelmeer wagen, setzen sich grössten Gefahren aus.

Europa schliesst seine Grenzen weiter

Forderung
Legale Zugangswege müssen in der Schweiz und Europa vermehrt angewendet werden, allen voran humanitäre Visa und Resettlement-Programme. Zudem sollen neue Arten legaler Zugangswege diskutiert und eingeführt werden.

Der am 23.09.2020 vorgestellte neue Pakt zu Asyl und Migration in der EU (EU-Migrationspakt) weist unserer Meinung nach in die falsche Richtung: Abschottung, Entrechtung und Abschiebepolitik. Das Schweizerische Rote Kreuz blickt mit grosser Besorgnis nach Bundesbern, welches den Vorschlag begrüsste. Der Pakt konzentriert sich auf Schnellverfahren in Auffanglagern, die Gefangenenlagern gleichkommen, und auf Abschiebung. Legale Zugangswege bleiben eine Empfehlung und das Thema Integration wird, obwohl sie von wesentlicher Bedeutung ist, nur unzureichend behandelt. Ob so die Rechte von Flüchtlingen noch eingehalten werden können bleibt äusserst fragwürdig.

Noch im Mai 2020 hat der Bundesrat die Annahme der Motion «Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland sowie Reform des Dublins-Abkommens» beantragt. Nationalrat und Ständerat sind diesem Antrag gefolgt. Darin wird vom Bundesrat unter anderem gefordert, dass die Schweiz Solidaritätsleistungen ergreift und sich auf europäischer Ebene für eine gleichmässige Verteilung einsetzt, die unter Sicherstellung einer menschenwürdigen Behandlung der Flüchtlinge erfolgt.

Legale Zugangswege ausbauen

Wir plädieren angesichts der katastrophalen Situation, der immer stärkeren Verschärfung des Systems sowie des vorhandenen politischen und gesellschaftlichen Willens dafür, dass die legalen Zugangswege zum einen ausgebaut werden. Zum anderen sollen die bestehenden Zugangswege vermehrt angewendet werden. Dazu gehören Resettlement-Programme, humanitäre Visa und der Familiennachzug.

Resettlement-Programme
Besonders verletzliche Flüchtlinge (wie zum Beispiel Frauen, Kinder und Kranke) werden mittels UN-Resettlement-Programmen in ein Drittland geflogen und dort dauerhaft angesiedelt. Resettlement ermöglicht die Einreise mit Zustimmung des Zielstaats und schützt dadurch vor den Risiken der gefährlichen, irregulären Fluchtwege. Einzelne Rotkreuz-Kantonalverbände beteiligen sich an diesen Programmen, indem sie die Geflüchteten unterbringen und bei der Integration unterstützen. 
Humanitäre Visa
Ein humanitäres Visum kann erteilt werden, wenn eine Person im Heimat- oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet ist. Der Beratungsdienst Humanitäre Visa stellt Informationen für das Beantragen eines humanitären Visums zur Verfügung und berät beim Antragsprozess.
→ Studie «Humanitäre Visa in der Schweiz. Ein Instrument für nachhaltigen Zugang zu internationalem Schutz? (2018)»
Familiennachzug
Als Familie zusammenleben zu können, ist nachweislich ein wichtiger Faktor für die (psychische) Gesundheit, emotionale Stabilität und einen erfolgreichen Integrationsprozess in der Aufnahmegesellschaft. Gerade für Familien aus dem Asylbereich ist es leider keine Selbstverständlichkeit, das Recht auf Achtung des Familienlebens wahrzunehmen, auch wenn das ein Grundrecht ist. Familiennachzug sollte deshalb nur als zusätzlicher legaler Zugangsweg gesehen werden, wenn es sich um die erweiterte Familie handelt, die nicht sowieso bereits ein Anrecht auf die Einreise hat. Die Bedarfserhebung des Schweizerischen Roten Kreuzes zeigt auf, was bereits gemacht wird und wo Handlungsbedarf besteht.
→ Bedarfserhebung «Unterstützung für Personen aus dem Asylbereich beim Familiennachzug in die Schweiz»

Wissen und Erfahrung nutzen: Beratungsstelle Humanitäre Visa SRK

Seit 2014 beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Beratungsdiensts Humanitäre Visa SRK schutzsuchende Menschen. Sie informieren und beraten zu den Möglichkeiten und begleiten sie in den oft schwierigen Situationen. Gerne stellen wir unser Fachwissen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene zur Verfügung. Nur mit einem Ausbau der legalen Zugangswege können wir dem Elend ein Ende bereiten.

Angebote in Ihrer Region

Alle Angebote in Ihrer Region im Überblick.

Newsletter