Rettungsschwimmsport

Junge Rettungs-Profis am Start

Schwimmst du noch, oder rettest du schon? Diese Aufschrift ziert das Teamshirt einer Gruppe, die an der diesjährigen SLRG-Jugend- Schweizermeisterschaft in Emmen um den Titel der besten Rettungsschwimmer kämpfte. Ready-Autorin Lara war mit dabei und verfolgte die Wettkämpfe vom Poolrand aus mit.

Normalerweise wäre im Schwimmbad Mooshüsli in Emmen an einem regnerischen Wochenende wie diesem nicht viel los. Normalerweise! Nicht aber, wenn sich 850 wasserbegeisterte Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer aus 53 Sektionen treffen, um sich gegenseitig in verschiedenen Disziplinen zu messen. Zwei Tage lang dauerten die Wettkämpfe, die mit dem Ziel entstanden sind, Wettkampfsport und Lebensrettung zu vereinen.

Lebensrettung als Wettkampfsport

Die Idee des Wettkampfsportes ist nicht neu und wurde vermutlich in Australien entwickelt, wo sie nach Rugby eine der beliebtesten Sportarten ist. In der Schweiz gibt es alle zwei Jahre eine SLRG Jugend-Schweizermeisterschaft und alljährlich eine SLRG-Schweizermeisterschaft für Erwachsene. Gestartet wird in einem Team von 4–6 Personen, wobei immer 4 Schwimmerinnen und Schwimmer pro Disziplin und Mannschaft am Start sind. Es gibt im Rettungssport zwei Arten von Wettkämpfen: die Schwimmbad- und Freiwasserdisziplinen. Bwaren die Schweizermeisterschaften an den Pooldisziplinen orientiert, man möchte aber in Zukunft die Wettkämpfe auch auf Freiwasserdisziplinen erweitern.

Seehunde in Not

Zusätzlich zu den Wettkampfdisziplinen (siehe Kasten) gibt es auch einen Plauschwettkampf, der von der Gastgebersektion erfunden wird, wobei die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Aufgabe erst kurz vor dem Wettkampf erfahren. Dieses Jahr mussten die Wettkämpfer und Wettkämpferinnen Seehunde retten, indem sie am Schwimmbeckenboden nach diesen Tierchen tauchten und sie danach zu ihrem Gruppenleiter bringen mussten. Dieser brachte die Seehunde schlussendlich auf einem Tablar an die andere Seite des Pools, ohne dass eines dieser Plastiktierchen verloren gehen durfte. Laute Partymusik aus dem Boxen vom Beckenrand und Jubel vom Publikum sorgten dabei für eine ausgelassene Wettkampfstimmung.

Mehr als nur Wettkampf

«Die Stimmung hier ist genial, wir hatten jede Menge Spass», schwärmen Eliane und Joana von der Sektion Olten. Sie sind schon lange zusammen im Team und haben bereits einige Wettkämpfe gemeinsam bestritten. Übernachtet haben sie im Zelt, obwohl nicht lange an Schlaf zu denken war, da am Samstagabend von der Sektion Emmen ein Fest organisiert wurde. «Wir kennen uns auch innerhalb der Sektionen langsam sehr gut. Letztes Jahr waren wir in einem Trainingslager in Tenero. Nun ist es schön, diese Leute hier wieder zu treffen », erzählt mir Eliane. Der Teamgeist innerhalb der Mannschaften zeigt sich auch an den bemalten Körpern, die zusätzlich zur Startnummer mit Teamnamen und weiteren kreativewerken geschmückt waren. Beim Verlassen des Schwimmbades entdecke ich noch eine weitere Shirtaufschrift von einem Team: «Ich will ja nicht angeben, aber ich schwimme schon ohne Schwimmfl ügel.» Beruhigt kehre ich nach Hause zurück. Falls ich im Wasser mal in Schwierigkeiten geraten sollte, so weiss ich, dass die Rettungsschwimmer der SLRG in Topform sind und genau wissen, wie man im Notfall handeln muss.


Disziplinen der Staffel Schweizermeisterschaft Pool Jugend

In folgenden Disziplinen messen sich die jungen Rettungsschwimmer und Rettungsschwimmerinnen:
 

Puppenstaffeln: 4 x 25 m

Ziel ist, eine Puppe mit Mund und Nase über der Wasserlinie zu transportieren und jeweils an den Wechselzonen einem Teammitglied zu übergeben. Sobald der letzte Schwimmer mit einem Körperteil die Beckenwand berührt, ist die Disziplin beendet.

Rettungsleinenstaffel 4 x 25 m

Das erste Gruppenmitglied schwimmt mit Gurt und Rettungsleine 25 m im Freistil. Nach dem Anschlagen ziehen die Wettkämpfer der Mannschaft den Retter ohne Hilfsmittel wieder zum Beckenrand zurück, wobei nach dem Anschlagen der nächste Teilnehmer losgehen kann. Alle vier Teilnehmer müssen einmal geschwommen sein, bevor die Zeit gestoppt wird.

Hindernisschwimmen 4 x 50 m

Die Rettungsschwimmer legen nacheinander eine Hindernisstrecke im Wasser im Freistil zurück. Vor jedem Hindernis muss mindestens einmal aufgetaucht werden.

Gurtretterstaffel 4 x 50 m

In einer Staffelabfolge hat jedes Mitglied eine andere Aufgabe. Rettungsschwimmer Nr. 1 schwimmt 50 m Freistil, Nr. 2 schwimmt 50 m Freistil mit Flossen, Nr. 3 schwimmt 50 m mit dem Gurtretter und übergibt den Gurtretter an Nr. 4. Dieser muss Nr. 3 über 50 m mit dem Gurtretter ins Ziel ziehen.

Rettungsball werfen

Von einem Podium aus werden je nach Kategorie Rettungswürfel in ein 12 m oder 10 m entferntes Ziel geworfen. Die Zielscheibe ist in Kreise von 2, 4, 6 m Durchmesser unterteilt, wobei dem Team dabei 2 x 2 Minuten zur Verfügung stehen.