Seerettungsdienst

Einsatz auf dem Göttersee

Im Juli fanden auf dem Rotsee in Luzern die Ruderschweizermeisterschaften und der Weltcupfinal statt. Mitten drin die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, die für die Sicherheit der Athletinnen und Athleten verantwortlich war. Ich durfte Patricia und Markus einen Nachmittag lang auf dem Boot begleiten und bekam so einen Einblick in die Arbeit der Freiwilligen.

«Da vorne ist etwas passiert!», schreit Patricia und rennt sofort zum Boot. Alles geht sehr schnell. Als ich realisiert habe, dass ein stillgestandenes Ruderboot Hilfe benötigt, waren Patricia und Markus bereits auf dem Boot in Richtung Unfallstelle. Über Funk wurde dem Einsatzleiter mitgeteilt, dass es nur ein Materialschaden war. Zwei Boote sind sich zu nahe gekommen, wobei ein Ruder gebrochen ist. Eine grosse Enttäuschung für die Sportlerinnen, aber eine Erleichterung für die SLRG: Niemand wurde verletzt. Es gibt verschiedene Fälle, bei denen die SLRG einschreiten muss. Am häufigsten sind Materialschäden oder Hyperventilationen und Kollapse von Sportlern. Einer der spektakulärsten Einsätze war laut Markus jener von der WM 2001, als ein Ruderprofi aus Deutschland in der Zieleinfahrt kollabiert ist und die SLRG dabei bei ihrem Einsatz von einem Fernsehteam gefilmt wurde. Nach diesem ersten Einsatz durfte ich auch mit aufs Boot und mir wurde gezeigt, wie ich bei einem Notfall handeln sollte. Der See ist sehr ruhig und wir tuckern langsam zu unserem Einsatzplatz. Wichtig ist, dass wir keine grossen Wellen machen, da dies die Ruderer beeinträchtigen würde. Nicht ohne Grund wird der Rotsee von den Ruderern auch Göttersee genannt. Für viele sei der Rotsee der beste Rudersee der Welt, önnen. Zudem ist die Aufgabenteilung klar definiert: Patricia ist die Rettungsschwimmerin und Markus der Bootsführer, der per Funk mit den anderen Booten und dem Einsatzleiter verbunden ist. Der Austausch zwischen den Generationen ist bei diesen Einsätzen sehr wichtig. So könneda er meist sehr ruhig ist und in einem Naturreservat mit Blick auf den Pilatus liegt.

Koordinierter Einsatz im Notfall

Grundsätzlich sind die Hauptaufgaben der Freiwilligen die Bergung der Ruderer und das Ergreifen von lebenswichtigen Sofortmassnahmen. Im Extremfall würde ein Arzt zum Unfallort gefahren. An einem Tag sind ungefähr 15 Freiwillige im Einsatz: fünf Boote mit je zwei Personen sowie Einsatzleiter und Ersatzpersonal. Die Stimmung unter den Freiwilligen ist sehr gut. Das ist auch wichtig, denn im Boot muss man der anderen Person 100% vertrauen.

Vielseitiges Engagement

Für Patricia sind die Einsätze bereits Routine geworden. Bei ihrem ersten Notfall sei sie ziemlich nervös gewesen, aber mit der Erfahrung legte sich auch die Nervosität. Neben den Einsätzen an den Ruderwettkämpfen engagiert sich die junge Freiwillige auch an anderen Anlässen. So zum Beispiel war sie am Luzerner Fest im Dienste der SLRG tätig oder half am 75-Jahr-Jubiläum der Sektion Luzern mit, das Dampfschiff zu ziehen und somit den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde zu sichern. In guter Erinnerung bleibt ihr zudem der Einsatz am Gummientenrennen in Sarnen, bei dem die schnellste Gummiente erkoren wurde. Was motiviert die Freiwilligen zu einem Einsatz an den Ruderregatten? «Die Liebe zum Wasser, die Koordination und der Gemeinschaftswille verbinden uns stark mit den Ruderern», erklärte mir Markus, der schon seit 20 Jahren in der SRLG tätig ist. Zudem sei das Klima in der SLRG sehr angenehm und gemeinsame Essen und Treffen gehören zur SLRG dazu. In den nächsten Jahren soll das Ruderzentrum am Rotsee ausgebaut werden, damit die Infrastruktur den WM-Standards entspricht und somit die Ruderweltmeisterschaft am «Göttersee» in Luzern wieder ausgetragen werden kann. Auf Patricia und Markus warten also noch weitere lebenswichtige Rettungseinsätze.