aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Als Freiwilliger ein Projekt auf die Beine gestellt

Für unzählige Jugendliche beginnt jeden Sommer mit dem Start der Lehre auch ein neuer Lebensabschnitt. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz bereitet jedoch vielen Geflüchteten grosse Mühe. Beim Jugendrotkreuz Kanton Aargau erhalten sie dabei erstmals ganz gezielt Hilfe durch das Lehrstellen-Coaching, welches auf Initiative des Freiwilligen Rolf Schmid (28) aufgebaut wurde.

Von Robin Fries, JRK Kanton Thurgau

Das Projekt eigenständig gestartet

Vor zwei Jahren hat der gelernte Kaufmann und Ökonom angefangen, Geflüchtete bei der Suche nach einer passenden Arbeitsstelle zu unterstützen. Das Projekt hat er selbstständig lanciert und begleitete damit mehrere Geflüchtete, dies nebst seiner weiteren freiwilligen Tätigkeit für das Jugendrotkreuz Kanton Aargau (JRK Kanton Aargau). Nach dem ersten Jahr stieg das Bedürfnis nach Unterstützung bei der Lehrstellensuche; mehr Geflüchtete mussten betreut und Freiwillige koordiniert werden. Um dem Projekt mehr Struktur zu verleihen und es zu institutionalisieren, bot sich eine Zusammenarbeit mit dem JRK Kanton Aargau an. Bei den Verantwortlichen stiess sein Anliegen auf offene Ohren, und da bereits ähliche Angebote bestanden, erfolgte eine Übernahme ohne grössere Schwierigkeiten. Dadurch, dass das Lehrstellen-Coaching nun über das JRK geleitet wird, können Verantwortung und administrative Aufgaben besser verteilt werden. Zudem schöpft die Organisation aus einem Pool von Freiwilligen und kanalisiert die Anfragen von Hilfesuchenden. Da beim SRK bereits längerfristige und umfassende Mentoring-Programme existieren, fokussierte sich das von Rolf Schmid initiierte Lehrstellen-Coaching insbesondere auf die rasche Vermittlung von Lehr- und Arbeitsstellen sowie Praktika. Die Coachings waren grundsätzlich befristet und endeten jeweils, sobald eine geeignete Lehrstelle gefunden war. Nach kurzer Zeit zeigte sich jedoch, dass auch während der Ausbildung häufig noch Unterstützungsbedarf durch eine Mentorin/einen Mentor bestand. Aus diesem Grund besteht heute die Option, das Coaching auch nach dem Beginn der Ausbildung weiterzuführen. Das JRK bietet mittlerweile auch digitale Austauschsitzungen an und zieht dort gezielt Fachexpertinnen und Fachexperten bei, um die Coachs weiterzubilden.

Gemeinsam eine Arbeitsstelle finden

Das Programm intensiviert sich jeweils im Frühling, denn zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Jugendlichen aus den Regelstrukturen bereits eine Lehrstelle für den Sommer gefunden. Wer noch immer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, ist froh um die Unterstützung, die Rolf Schmid und die anderen JRK Freiwilligen anbieten. Dabei sind die Geflüchteten, welche durch das Coaching-Programm unterstützt werden, meistens bereits bekannte Gesichter aus anderen Projekten des JRK Kanton Aargau. Ziel des Programms ist es, möglichst schnell eine passende Lehr- oder Arbeitsstelle für die Menschen zu finden. Hierfür werden in Gesprächen die Interessen und das Potential der Betreuten abgeklärt. Das Lehrstellen-Coaching soll jedoch keine Berufsberatung ersetzen. Vielmehr soll es zur Vermittlung zwischen den Suchenden und den Unternehmen, welche noch eine Lehrstelle anbieten, dienen. Die Geflüchteten erhalten durch das Coaching Unterstützung beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen oder der Beschaffung geeigneter Arbeitskleidung, aber auch beim Organisieren von Schnupperterminen für eine potenzielle Arbeitsstelle können Coachs erste Kontakte vermitteln. Da die Geflüchteten oftmals keinen anerkannten Schulabschluss besitzen, ist es für sie von grossem Vorteil, die zukünftigen Arbeitgeber beim Schnuppern direkt von ihren Fähigkeiten zu überzeugen.

Wichtiger Beitrag zur Integration

Eine Ausbildung oder Lehre vermittelt den Jugendlichen fachliche Kenntnisse und ermöglicht langfristige Perspektiven. Zusätzlich ist es ihnen durch die berufliche Integration möglich die Sprache schneller zu erlernen. Das Lehrstellen-Coaching leistet eine wichtige Unterstützung, damit die jungen Menschen mit Fluchterfahrung in der Schweizer Gesellschaft und Arbeitswelt Fuss fassen können. Die Geschichte von Rolf und dem Lehrstellen-Coaching zeigt, dass die Meinungen und Anliegen der Freiwilligen beim Schweizerischen Roten Kreuz ernst genommen werden. Mit kreativen Ideen und Engagement können junge Menschen ein eigenes Projekt verwirklichen und so das Jugendrotkreuz mitgestalten. Das JRK unterstützt dabei die Freiwilligen bei ihren Vorhaben und der anschliessenden Umsetzung. Schlussendlich profitieren von dieser Erfahrung nicht nur die Freiwilligen, sondern auch die jeweiligen Projektteilnehmenden.