Aus dem Jugendmagazin ready for red cross

Blut: Das rote Gold von Bern

Es kann schneller gehen, als man denkt: Vier von fünf Menschen sind mindestens ein Mal im Leben auf fremdes Blut angewiesen. Doch nur fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung spenden regelmässig. Als einer von 13 regionalen Blutspendediensten versorgt der Blutspendedienst Bern seine Region mit Blut.

Blutspenden von Spendern für andere Menschen sammeln ist genau so wertvoll wie anspruchsvoll. Damit zur richtigen Zeit weder zu viel noch zu wenig Blut in den richtigen Blutgruppen vorhanden ist, braucht der Blutspendedienst eine gute Organisationsstruktur. Der Bund beauftragt das Schweizerische Rote Kreuz mit dieser wichtigen Aufgabe, welches wiederum die regionalen Blutspendedienste (BSD) beauftragt, die Regionen ständig mit Blutkonserven zu versorgen. So ist der BSD für die Region Bern verantwortlich. Zwar sind damit klare Richtlinien und Arbeitsvorschriften verbunden. Dahinter steckt jedoch eine Organisation, die gleichzeitig den Rotkreuzgrundsatz der Unabhängigkeit lebt. Unabhängig von Geschlecht und Herkunft sollen Menschen Blut erhalten, wenn sie es benötigen.

«Wir arbeiten mit dem kostbarsten Gut, das die Menschen haben – ihr eigenes Blut»

Wer spendet?

Wer spenden will, kann sich registrieren lassen und erhält jeweils Aufrufe zum Spenden. Doch wie oft? Für Männer liegt die Obergrenze bei vier Mal pro Jahr, für Frauen bei drei Mal. Doch nicht alle dürfen spenden: Herkunft oder längere Aufenthalte in bestimmten Ländern sowie häufige Partnerwechsel schliessen einen für eine bestimmte Zeit vom Spenden aus. Das kann manchmal enttäuschend sein für willige Spenderinnen und Spender. Allerdings ist es nichts Diskriminierendes:  Um möglichst sicheres Blut zu erhalten, wird die Spendefähigkeit bei jeder Spende im Voraus genau abgeklärt.

Anita Tschaggelar, Leiterin Blutspendemanagement und Mitglied der Geschäftsleitung erzählt, dass heute die Zielgruppe für Spenden eher bei den 25- bis 30-Jährigen liegt, da die Jüngeren viel mehr weltweit unterwegs sind, unabhängiger leben und damit die Kriterien häufiger nicht erfüllen. Sie sollen allerdings durch Kampagnen auf Spenden aufmerksam gemacht werden – für später. Sie selbst kam als Pflegefachfrau und über den Samariterbund zum BSD. Hier arbeitet sie im direkten Kontakt mit Spenderinnen und Spendern und ist zudem für Marketing und Kommunikation verantwortlich.

Herausforderungen

Das Schwierigste für den Blutspendedienst ist, die Blutmenge an den Bedarf anzupassen. Im Moment erleben wir erstmals einen Rückgang des Blutbedarfs; das heisst jedoch nicht, dass es weniger Spenderinnen und Spender braucht. Konzentrate aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten) beispielsweise sind nur 49 Tage haltbar und Blutplättchen (Thrombozytenkonzentrate) nur gerade 7 Tage. Das klingt etwas unverständlich, ist aber eine Hauptaufgabe des BSD: Transparenz schaffen und den Leuten erklären, wie wichtig ihre Spende ist. Denn in den nächsten zwanzig Jahren wird der Blutbedarf in der Schweiz möglicherweise steigen. Je grösser die Anzahl älterer Menschen wird, desto mehr aktive Blutspender braucht es, denn bis heute kann Blut nicht künstlich hergestellt werden. Wer sich zudem für die Blutstammzellspende registrieren lässt, erhöht die Chance, dass es eine Übereinstimmung gibt mit jemandem, der die Blutstammzellen dringend benötigt.

Zukünftiges

Laut Anita Tschaggelar verfügen wir in der Schweiz über ein hervorragendes Blutversorgungssystem, das sehr gut funktioniert. Viel Potenzial sieht sie in vermehrter Zusammenarbeit mit anderen regionalen Blutspendediensten. Daher werden ab dem 1. Januar 2015 die Regionen Bern und Waadt fusionieren. Dieser Zusammenschluss ist die logische Weiterentwicklung von langjährigem Zusammenarbeiten und ein innovativer Schritt in die Zukunft. Ziel ist es, den Versorgungsauftrag der beiden Regionen langfristig zu garantieren. Beide Unternehmen freuen sich auf diese Herausforderung im neuen Jahr. Anita Tschaggelar sagt: «Wir arbeiten mit dem kostbarsten Gut, das die Menschen haben – ihr eigenes Blut.» Das braucht viel gegenseitiges Vertrauen. Der Blutspendedienst Bern hält deswegen seine Türen jederzeit offen für Interessierte und Neugierige.