Zwei Jahre nach der Flüchtlingskrise von 2017

Schwieriges Leben für die Vertriebenen in Bangladesch

Zwei Jahre nach Beginn der grossen Flüchtlingskrise im Süden von Bangladesch sind die gestrandeten Menschen aus Myanmar noch immer ohne Perspektive. Um die Gesundheitsversorgung längerfristig sicherzustellen, baut das SRK weitere Gesundheitszentren auf, die sowohl den Geflüchteten als auch der Lokalbevölkerung dienen. Zudem initiiert es eine fachgerechte Abfallentsorgung und -verwertung.

Die Not war gross als Ende August 2017 eine Welle von Gewalt und Verfolgung hunderttausende Menschen aus Myanmar in die Flucht nach Bangladesch trieb. Innert kürzester Zeit entstand auf über 15 Quadratkilometern nahe der Stadt Cox‘s Bazar das grösste Flüchtlingslager der Welt mit rund einer Million Bewohnerinnen und Bewohnern. Um die entkräfteten und traumatisierten Flüchtlinge zu versorgen, leistete die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften umfangreiche Nothilfe. Auch das SRK entsandte Gesundheitsfachleute und Logistik-Expertinnen und –Experten vor Ort. Seither konnten wichtige Erfolge in der Gesundheitsversorgung erzielt werden. «Die Zukunftsperspektiven der Flüchtlinge sind allerdings völlig unklar», gibt Benedikt Kälin, Programmverantwortlicher Bangladesch für das SRK, zu Bedenken.

Basisgesundheit für alle, auch die lokale Bevölkerung

Nach Beginn der Krise wurde schnell klar, dass die geflüchteten Menschen kaum Perspektiven hatten, in absehbarer Zeit nach Myanmar zurückzukehren und es deshalb längerfristige Lösungen braucht. Unter dem Zustrom der vielen Menschen litt das ohnehin schwache öffentliche Gesundheitssystem im Distrikt von Cox’s Bazar. Deshalb baute das SRK in Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond von Bangladesch und dem Gesundheitsministerium drei Gesundheitszentren innerhalb des Mega-Lagers auf, zwei weitere sind in Planung. Diese vereinen medizinische Grundversorgung, Beratung zu Familienplanung, Augenmedizin sowie Ernährungsberatung unter einem Dach. Zudem erhalten Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt Unterstützung. «Durch die einzigartige Zusammenarbeit verschiedener Akteure ist es uns gelungen, dass rund 200‘000 Personen Zugang zu medizinischer Grundversorgung erhalten», sagt Benedikt Kälin. Wichtig ist, dass diese Gesundheitszentren auch der lokalen Bevölkerung offen stehen, die in dieser Region sehr arm ist. Für sie ist der Zustrom an Flüchtlingen eine grosse Belastung, da überlebenswichtige Ressourcen wie beispielsweise Brennholz und Grundwasser begrenzt sind.

Abfall als Gesundheitsrisiko

Abfall ist vor allem im Flüchtlingslager, aber auch den umliegenden Gemeinden ein immenses Problem. Neben der Umweltbelastung kann der herumliegende Abfall zu Gesundheitsgefahren führen. Im Rahmen eines Pilotprojektes unterstützt das SRK deshalb den Roten Halbmond von Bangladesch bei der Schulung von Flüchtlingen und der Lokalbevölkerung in fachgerechter Abfallentsorgung und Wiederverwertung von Wertstoffen. Ist die Pilotphase mit 1000 Haushalten erfolgreich, wird das Projekt ausgeweitet.

Katastrophenvorsorge im Camp

Wie die Monsunfluten im Juli 2019 zeigten, ist auch die Katastrophenvorsorge eine grosse Herausforderung im Flüchtlingslager. Die Infrastruktur und Behausungen sind Landrutschen ausgesetzt und können grösseren Wassermassen nicht standhalten. Um für Katastrophen gewappnet zu sein hat der Rote Halbmond Bangladesch zusammen mit Partnern viel in die Vorsorge investiert und neben Einsatzteams über 9000 Personen als Techniker ausgebildet, die den Bewohnerinnen und Bewohnern helfen ihre Behausungen zu sichern.    

Solange keine Perspektive auf eine Rückkehr in ihre Heimat besteht, heisst es für die traumatisierten Flüchtlinge sich auf ein längeres Leben im Camp einzustellen. Ihr Aufnahmeland und die internationalen Hilfsorganisationen sind gefordert ihnen auch weiterhin beizustehen.