Syrien-Konflikt

Ein nicht enden wollender Krieg

In Syrien herrscht seit neun Jahren Krieg. Im Norden des Landes, vor allem in Idlib, ist die Situation dramatisch. Die Zivilbevölkerung, die besonders unter dem Konflikt leidet, kann in diesem gefährlichen Umfeld nur unzureichend unterstützt werden. Das SRK setzt alles daran, besonders schutzbedürftigen Menschen beizustehen – in Syrien und in der Schweiz.

In den vergangenen neun Jahren hat der Syrien-Konflikt die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zerstört. In einigen Regionen konnte die Bevölkerung unterdessen in ihre Dörfer zurückkehren. Doch vor allem im Nordwesten des Landes ist die Lage dramatisch: Dort bahnt sich eine schwere humanitäre Krise an. In den vergangenen Wochen fand in der Provinz Idlib, dem letzten Rückzugsort der Opposition, die grösste Fluchtbewegung seit Beginn des Konflikts statt. Über 900 000 Menschen wurden vertrieben. Männer, Frauen und Kinder sitzen nun in der Region fest und haben kaum zu essen und zu trinken.

In dieser gefährlichen und komplexen Situation leistet der Syrisch-Arabische Rote Halbmond (SARC) unter schwierigsten Bedingungen Hilfe. Seine Freiwilligen trotzen der Gefahr und setzen alles daran, Menschenleben zu retten und die Zivilbevölkerung medizinisch und logistisch zu unterstützen. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) engagiert sich seit 2016 an der Seite des SARC. Seit 2018 ist es mit einer eigenen Delegation vor Ort, um die Not der Menschen zu lindern.

Wasser, Nahrungsmittel und Zugang zur Gesundheitsversorgung

2019 hat der SARC 23 000 Familien in verschiedenen Bezirken der Provinz Idlib mit Nahrungsmitteln, Wasser, Material und Zugang zu medizinischen Leistungen unterstützt. 3 000 Familien haben insgesamt 5 000 Nahrungsmittelpakete erhalten und dank einer Gemeinschaftsküche konnten 750 000 Mahlzeiten abgegeben werden. In den beiden Gesundheitszentren und Erste-Hilfe-Stationen sowie in der Neugeborenen-Station des SARC wurden 19 000 Menschen medizinisch versorgt. Das SRK beteiligt sich an der Finanzierung dieser Hilfe. Zudem hat einen Beitrag an die Verlegung des Büros des SARC geleistet. Denn die Situation war derart gefährlich, dass das Personal der Regionalstelle in Idlib in Sicherheit gebracht werden musste.

Nach den Angriffen der türkischen Armee und der verbündeten Milizen im Oktober 2019 hat sich die Situation im Nordwesten verschärft. In den Städten Qamishli, Ras Al Ain, Dirbasiyeh und Awamad nördlich von Hassakeh hat der SARC mit Hilfe des SRK bisher fast 55 000 Familien mit Nahrungsmitteln, Wasser, Hygienesets, Decken und Matratzen unterstützt. So haben diese Menschen, denen der Krieg alles genommen hat, zumindest das Nötigste zum Überleben. Zudem hat das SRK die Bevölkerung 2019 beim Aufbau einer neuen Existenz unterstützt: 200 Familien im ländlichen Gebiet in der Nähe von Aleppo haben als Starthilfe trächtige Schafe erhalten. 2020 wird in der Region von Deir-Ezzor ein breit angelegtes Programm zur Instandsetzung von Wasserpumpen lanciert.

Engagement in der Schweiz

Auch in der Schweiz engagiert sich das Rote Kreuz für syrische und weitere Schutzsuchende. Mit nationalen und kantonalen Angeboten reagiert das Schweizerische Rote Kreuz mit unterschiedlichen Massnahmen auf die Verletzlichkeit der Geflüchteten.

Flucht und Krieg gehen nicht spurlos an Menschen vorbei. Im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK werden traumatisierte Geflüchtete therapeutisch begleitet und behandelt. Im vergangenen Jahr waren 48 der insgesamt 231 behandelten Personen aus Syrien geflüchtet, das entspricht über 20 Prozent aller Patientinnen und Patienten. Damit ist Syrien das am häufigsten vertretene Herkunftsland im Ambulatorium SRK. In der Therapie lernen Traumatisierte, mit ihren Ängsten umzugehen und zurück in den Alltag zu finden.

Der Beratungsdienst Humanitäre Visa informiert Schutzsuchende über ihre Möglichkeiten einer sicheren und legalen Einreise in die Schweiz. Er stellt Informationen für das Beantragen eines humanitären Visums zur Verfügung und unterstützt die Antragsstellenden beim langwierigen Prozess. Der Beratungsdienst hat im Jahr 2019 über 2 200 Personen erreicht, davon haben 1 162 Personen die syrische Staatsangehörigkeit. Die meisten von ihnen befinden sich noch immer in Syrien, dem Libanon oder der Türkei.

Flucht ist einer der Hauptgründe für den Kontaktverlust zwischen Angehörigen. 85 Prozent der Suchanfragen kommen aus Ländern mit Kriegs- und/oder Konfliktsituationen. Syrische Staatsangehörige suchen ihre Angehörigen oft aufgrund von Verhaftungen oder Schiffsunglücken. Der Suchdienst SRK bietet Suchenden aller Herkunftsländer persönliche Beratung an und informiert regelmässig über den Stand von Nachforschungen. 2019 hat der Suchdienst über 1 100 Personen aus neuen und fortlaufenden Anfragen diverser Herkunftsländer begleitet.