SRK-Botschafterin Dominique Gisin

Bolivien: Unvergessliche Reise ins Farbenland

Wenige Wochen nachdem Skirennfahrerin und Olympiasiegerin Dominique Gisin ihre Spitzensportkarriere abgeschlossen hat, ist sie mit dem Schweizerischen Roten Kreuz nach Bolivien gereist. Es ist der Start für ihre neue Rolle als SRK-Botschafterin. Sie berichtet selber, warum sie sich dafür entschieden hat.

Die Anfrage als Botschafterin des Schweizerischen Roten Kreuzes tätig zu werden, war eine grosse Ehre für mich. Dennoch lag sie einige Zeit auf meinem Schreibtisch. Während meiner aktiven Karriere fand ich leider keine Zeit für eine ausgedehnte Reise in die ärmsten Regionen dieser Welt. Als der Entschluss zum Rücktritt in mir reifte, war der Anruf an das SRK eine meiner ersten Aktionen. Ein Engagement auf welches ich mich so lange gefreut hatte, schien mir der perfekte Übergang in mein neues Leben.

Ein Engagement, auf welches ich mich so lange gefreut hatte, schien mir der perfekte Übergang in mein neues Leben.

Bereits während meiner letzten Skirennsaison wurden die Pläne konkreter. Als erste Reisedestination wurde Bolivien ausgewählt. Ein grosser Glücksfall für mich, die Hitze der Tropen hätte mir doch um einiges mehr zu schaffen gemacht. Ich wurde in Bern von erfahrenen SRK-Mitarbeitenden gründlich auf meine Reise vorbereitet. Viele Vorstellungen schwirrten in meinem Kopf, ich freute mich auf diese neue Erfahrung. 

Sucre: Stadt der Gegensätze

Wie so oft war Zürich Kloten der Treffpunkt zu einem neuen Erlebnis. Im Flugzeug wurde ich meinem «Murmeltier-Image» einmal mehr gerecht und verschlief praktisch den ganzen 12-stündigen Transatlantikflug komplett. Entsprechend entspannt konnte ich die ersten Eindrücke dieses unglaublich farbigen Landes auf mich wirken lassen. In kürzester Zeit war mir klar, weshalb die bolivianische Flagge so intensive Farben hat. Man sieht sie in jedem Winkel dieser  atemberaubenden Landschaft.

In der weissgetünchten, zuckrig anmutenden Stadt Sucre prägten sich mir besonders die Gegensätze ein. Luxuriös renovierte Kolonialhäuser stehen Seite an Seite zu halb fertig gestellten Bauruinen, in welchen sich die Menschen bestmöglich ein Zuhause einzurichten versuchen. Studenten bevölkern die Stadt, jedoch auch viele Menschen, welche aus den kargen Berglandschaften hergezogen sind, um in der Stadt ihr Glück zu versuchen. 

Urifaya: warmherziger Empfang

Wir nahmen den entgegengesetzten Weg und fuhren aufs Land. Stufenweise verschlechterte sich der Zustand der Strasse, bis ich mir nicht mehr ganz sicher war, ob wir uns überhaupt noch auf einem Verkehrsweg befanden. Unser Fahrzeug kletterte sozusagen durch die imposanten Berge der Region Poco Poco. Hinter jeder Biegung erwartete uns eine neue, wundervolle Aussicht. Die klare Luft, das gleissende Licht intensivierten diese Impressionen und so verging die fünfstündige Autofahrt sehr rasch.

Im Dorf Urifaya angekommen, wurden wir herzlichst begrüsst. Ich befürchte, sämtliche Blütenblätter der Region wurden für dieses Fest abgepflückt und dienten den vielen Kindern als Konfetti. Blumenblätter im Haar, ein eindrucksvoller Kranz um den Hals und ab ging es zum endlos scheinenden Tanz gefolgt von Begrüssungsreden und Ansprachen. Auf dem Programm entdeckte ich zu meinem Schreck auch meinen Namen, und so kratzte ich mein bescheidenes Spanisch zusammen. Es war definitiv der kürzeste Programmpunkt des Abends.

In den folgenden Tagen durften wir einige Familien in ihrem Heim besuchen. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie die Menschen aus ihren wenigen Gütern eine Existenz aufbauen. Die Kinder sind extrem wissbegierig und setzen sich für ihre Zukunft ein. Beim vom SRK initiierten CAI Communal, der monatlichen Ausmessung der Kleinkinder, wurde angeregt über die Gründe der Mangelernährung bei Kindern diskutiert.

Die Frauen brachten sich stark ein, es herrscht eine intensive Diskussionskultur. Ich erfuhr, wie überlegt und praktisch die SRK-Projekte sind. Die Bevölkerung dieser abgelegenen Gegend hält zusammen und zieht am selben Strick. Dennoch braucht es viel Geduld, denn die Wege hier sind sehr lang. Das bekam ich dann auf der Heimreise zu spüren, gesundheitlich etwas angeschlagen waren die fünf Autostunden nicht mehr so idyllisch. 

Hier wird sinnvolle humanitäre Arbeit geleistet

Meine erste Reise mit dem SRK bestätigte mir, dass in dieser Organisation überlegte und sinnvolle humanitäre Arbeit geleistet wird. Man unterstützt die Menschen vor Ort mit ihren eigenen Projekten, hilft ihnen ihre Träume zu verwirklichen. Man unterstützt das ortsansässige Bolivianische Rote Kreuz und ich bin überzeugt, mit der immensen Motivation dieser Bevölkerung ist vieles möglich. Adelante Bolivia!