Indonesien

«Menschen brauchen etwas, das ihnen Halt gibt»

Ende September wurde die indonesische Insel Sulawesi von starken Erdbeben erschüttert. Kurz darauf erfasste ein verheerender Tsunami die Küstengebiete und sogenannte Bodenverflüssigung verschlang ganze Dörfer. Über 2000 Menschen kamen ums Leben. Viele weitere gelten als vermisst. Fast eine Viertel Million Menschen wurden obdachlos. Thomas Büeler, der SRK-Katastrophenhelfer vor Ort fasst seinen Einsatz zusammen.

«Ich leiste seit 12 Jahren Katastrophenhilfe. Naturkatastrophen unterscheiden sich in der Ursache und der Möglichkeit sich darauf vorbereiten zu können. Die Menschen an der Küste wurden komplett überrascht. Sie hatten kaum eine Chance zu fliehen. Mich berührt hier auf Sulawesi die Grenze zwischen todbringender Zerstörung und Unversehrtheit auf der anderen Seite. Dazwischen liegen nur wenige Meter. Es gab in den ersten Tagen einige Plünderungen, da die Überlebenden verzweifelt Nahrung und Wasser brauchten. Soweit sollte es nicht kommen müssen und es verstärkt meinen Ansporn, die Vorsorge zu verstärken. Die vom SRK unterstützte Nothilfe der internationalen Rotkreuz-Bewegung konzentrierte sich auf die medizinische Unterstützung und die Verteilung von Hilfsgütern, sauberem Wasser und Lebensmitteln. Ich selbst war auf Sulawesi im Einsatz um die Verteilung der internationalen Hilfsgüter und den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu koordinieren. Eine Grosskatastrophe ist für die Menschen immer eine emotionale Ausnahmesituation. Das Wichtigste ist für sie wieder Halt zu finden. Und dies kann beispielsweise bereits das Wissen um eine fixe Ausgabestelle für Nahrungsmittel bedeuten.

Ob die Menschen einst wieder dahin zurück können, wo sie lebten, ist ungewiss. Dörfer die vom Erdbeben betroffen waren können voraussichtlich wieder aufgebaut werden. Doch dort wo der Tsunami und das Phänomen der Bodenverflüssigung ganze Gebiete verschlungen haben, wird es den Menschen wohl nie möglich sein, sich wieder niederzulassen. Die betroffenen Familien in Sulawesi sind noch lange auf internationale Hilfe angewiesen. Das Rote Kreuz wird ihnen auch in den kommenden Monaten beistehen.»