2. Dezember 2020

Erfolgreiches Freiwilligenmanagement in Kirgistan

«Nachhaltige Freiwilligenarbeit kostet»

Mit Unterstützung des SRK ist es dem Kirgisischen Roten Halbmond gelungen, in drei Jahren ein vorbildliches Freiwilligenmanagement auf die Beine zu stellen. Die 27-jährige Juristin Aisuluu Kangeldieva ist nationale Koordinatorin für Freiwillige und Jugend. Sie erzählt, was es braucht, damit sich Freiwillige auf lange Zeit engagieren.

«Seit drei Jahren bin ich nationale Koordinatorin für Freiwillige und Jugend. Ich leite beim Kirgisischen Roten Halbmond (KRH) ein Team von acht Personen. Wie viele andere Mitarbeitende habe auch ich als Freiwillige angefangen und bin beim KRH gross geworden. Erstmals in Kirgistan haben wir die Freiwilligenarbeit national organisiert. In jeder unserer sieben Regionen setzten wir verantwortliche Personen ein. So können wir uns besser koordinieren und näher bei unseren Freiwilligen sein. 

Ausschlaggebend für den Erfolg sind klare Prozesse, um Freiwillige zu rekrutieren, auszubilden und zu binden.


Sie sollen sich mit dem Roten Halbmond identifizieren und ihre wichtigen Aufgaben möglichst lange wahrnehmen. Wirklich stolz bin ich auf unsere Internetplattform. Dank dieser können wir unser ganzes Wissen zur Freiwilligenarbeit zentral erfassen und anderen zugänglich machen. Sie findet in Kirgistan grosse Beachtung. Auch die Regierung ist sehr an unserer Arbeit interessiert. Mit über 3000 Freiwilligen ist der KRH die führende Freiwilligenorganisation im Land. Allein 2019 sind über 1500 neue Freiwillige zu uns gekommen.

Vermehrt setzen wir auf Online-Instrumente, was sich in der Coronakrise bewährt hat. So konnten wir zum Beispiel unzählige Freiwillige, die sich in der Krise spontan bei uns gemeldet hatten, einsetzen, um Lebensmittel mit dem Auto an Hilfsbedürftige auszuliefern. Es ist wichtig, dass wir unseren Freiwilligen die Möglichkeit geben, zu wachsen. Dies, indem wir Schulungen, Trainings und Konferenzen anbieten, durch die sie ihre Kompetenzen erweitern können. Diese Investition lohnt sich. Denn wenn wir starke Freiwillige haben, können wir auch eine starke Organisation sein.


Dank Freiwilligen ist es möglich, Menschen zu erreichen, die sonst durch die Maschen fallen. Denn das staatliche Auffangnetz ist schwach. Aber wir müssen Sorge zu unseren Freiwilligen tragen. Dazu gehört nicht nur, dass wir sie fördern und ihre finanziellen Auslagen übernehmen, sondern auch, dass wir ihre physische und psychische Gesundheit schützen. Zum Beispiel rüsten wir sie mit Schutzmaterial aus, damit sie andere und sich selber nicht anstecken. So können wir betagte, gebrechliche und kranke Menschen weiterhin betreuen. Gerade der sehr persönliche Kontakt mit älteren Menschen in Notlagen, die von ihren Familien im Stich gelassen wurden, kann psychisch belastend sein. Deshalb begleiten wir diese Freiwilligen eng maschig und sie tauschen sich regelmässig in der Gruppe aus. Damit es funktioniert, braucht es Ressourcen. Nachhaltige Freiwilligenarbeit ist keineswegs kostenlos.

Der Kontakt mit älteren Menschen in Notlagen, die von ihren Familien im Stich gelassen wurden, kann psychisch belastend sein.


Ohne die Unterstützung des SRK wären wir nicht so weit, wie wir sind. Heute gelten wir im Bereich Freiwilligenarbeit als Vorbild für unsere Nachbarländer, die uns für Beratung anfragen. Das SRK unterstützt uns finanziell und besonders mit fachlicher Begleitung. Letztes Jahr war ich für einen Erfahrungsaustausch in der Schweiz. Die Schweizer Kollegin fragte mich, wie wir es machen, dass wir so viele junge Freiwillige haben und ich sie, wie es möglich ist, dass sich in der Schweiz so viele Pensionierte engagieren. Wir mussten beide lachen. Das SRK hat uns geraten, die Anzahl geleisteter Freiwilligenstunden zu zählen. Das machen wir jetzt. Es ist ein wunderbares Mittel, um die Leistung unserer Freiwilligen sichtbar zu machen und ihnen dadurch auch Danke zu sagen.»