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Drohender Personalmangel in der Pflege

Das SRK engagiert sich auf vielfältige und wirkungsvolle Art gegen den drohenden Personalmangel in der Pflege. Es unterstützt Lösungen, die nicht das gleiche Problem in anderen Ländern verursachen.

Der Bund machte 2010 darauf aufmerksam, dass es fraglich sei, ob die Gesundheitsversorgung aufgrund der sich abzeichnenden Personalknappheit in den nächsten Jahren ausreichend gewahrt werden könne. Gründe dafür: die steigende Lebenserwartung, die wachsende Häufigkeit chronischer Krankheiten und der zunehmende Mangel an ausgebildeten Pflegefachkräften. Aktuell müssten jährlich etwa 5000 Personen mehr ausgebildet werden. Auch das SRK ist besorgt über den ungedeckten Personalbedarf und leistet wichtige Beiträge, um die Situation zu verbessern. Vier Beispiele aus dem Inland:

  • Das SRK bildet seit mehr als 50 Jahren selber Assistenzpflegepersonal aus. Pro Jahr erlangen gegen 4‘000 Pflegehelfer/-innen SRK einen Abschluss mit Zertifikat. Das sind gesamthaft bisher rund 100‘000 Pflegehelfende SRK. Diese entlasten die Pflegefachpersonen indem sie die Grundpflege und vielfältige Betreuungsaufgaben übernehmen.
  • Ein weiterer konkreter Lösungsansatz des SRK basiert auf der Freiwilligenarbeit. Das SRK kann auf die Unterstützung von mehr als 70‘000 Freiwilligen zählen. Es bildet Freiwillige aus, die Menschen darin unterstützen, selbstständig zu Hause zu leben und damit nicht pflegebedürftig zu werden. Freiwillige besuchen alleinstehende Menschen zu Hause, sie fahren betagte oder behinderte Menschen zu Arztterminen oder richten den Rotkreuz-Notruf ein, der ihnen ermöglicht, in einer Notlage Hilfe anzufordern. Diese Entlastungsdienste verhindern, dass Menschen ins Spital oder in ein Heim kommen.
  • Das SRK stellt mit der Registrierung und Anerkennung in- und ausländischer Ausbildungsabschlüsse sicher, dass alle nicht-universitären Fachleute ihrer Ausbildung entsprechend eingestellt und damit optimal eingesetzt werden.

Das Beispiel Bulgarien

Rund ein Drittel des Pflegepersonals wanderte aus dem Ausland, wo es ausgebildet wurde, in die Schweiz ein. Den Mangel an Gesundheitsfachpersonal mit Rekrutierung im Ausland zu beheben, ist aber keine nachhaltige Lösung. Zwar ist Migration eine legitime individuelle Strategie. Aber dieses Personal fehlt in den Herkunftsländern. Solche Abwerbungen verursachen dort einen Verlust an teuer ausgebildeten, kompetenten Fachleuten und verlagern somit den Pflegenotstand in diese Länder.

Ein Beispiel: 2011 wurden in Bulgarien rund 600 Ärzte ausgebildet. Parallel dazu verlassen pro Jahr mehr als 600 Ärzte und 1000 Pflegefachleute das Land. Bulgarien hat also trotz Ausbildungsaufwand Jahr für Jahr weniger qualifiziertes Personal. Das SRK unterstützt nun in Bulgarien den Aufbau eines Hauspflegesystems für kranke und betagte Menschen. Für die Betreuung zuhause bildet es Personal und Freiwillige aus. Damit stärkt das SRK das lokale Pflegesystem.

Wir müssen also auf allen Ebenen ansetzen. Die Beiträge des SRK sind: Gesundheitsversorgung in Herkunftsländern stärken, Abwanderung abschwächen, migrierendes Personal hier optimal einsetzen und Fachpersonal mit praxisnah eingeführten Pflegehelfer/-innen SRK und durch optimale Unterstützungsangebote zu Hause lebender, pflegebedürftiger Personen entlasten. Nur wenn alle Akteure am gleichen Strick ziehen, können wir auch künftig auf unsere qualitativ hochstehende Versorgung zählen, ohne dass dies auf Kosten der ärmeren Länder geht.