Menstruationshygiene

Würde für Frauen

Menstruation betrifft mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung im Verlauf des Lebens. Darüber gesprochen wird aber kaum. Noch immer halten sich in einigen Ländern hartnäckig Traditionen, die Frauen wegen der Menstruation beschränken. Mit Sensibilisierung und praktischen Hilfsmitteln erhalten Frauen und Mädchen nun mehr Bewegungsfreiheit und Bildungschancen.

Die Tradition Chaupadi ist in Nepal seit einigen Jahren gesetzlich verboten – ganz aus den Köpfen verschwunden ist sie aber noch nicht. Der Chaupadi-Aberglaube unterstellt Frauen Unreinheit während der Menstruation. Diese überholte Vorstellung führt zur Verbannung von Frauen aus dem Heim und zu Schulabsenzen während der Periode. Auch in anderen Ländern halten sich Mythen rund um die Menstruation. Menstruierende Frauen gelten als unrein, sie dürfen keine Lebensmittel berühren oder nicht in die Sonne blicken. 

Mit weitreichenden Folgen: Manchmal sind sie tödlich, wie in Nepal, wo es Todesfälle von verbannten Mädchen und Frauen zu beklagen gibt, die während der Menstruation schutzlos im Freien oder einfachen Unterkünften ausharren müssen. In vielen Ländern verbreitet ist das Problem, dass Mädchen während der Periode der Schule fernbleiben und so bei der Bildung benachteiligt werden. An diesem Punkt setzt das SRK in Afrika und Asien an. 

Praktische Hilfe

Aber wie behilft sich ein Mädchen während der Menstruation, wenn Hygieneartikel zu teuer oder gar nicht erhältlich sind? Eine einfache Anleitung zum Nähen einer wiederverwendbaren Binde aus Stoff ist eine erschwingliche Lösung, die das SRK verbreitet. In einigen nepalesischen Schulen werden Nähworkshops mit Sensibilisierung verbunden. Knaben und männliche Lehrpersonen nähen mit und werden so mit dem Thema konfrontiert. Das SRK setzt sich gemeinsam mit dem Nepalesischen Roten Kreuz für Aufklärung in Schulen und Müttergruppen ein. Zudem hat es Schulen und Gesundheitszentren im Land mit frauenfreundlichen Toiletten ausgestattet. Diese haben einen eigenen Eingang, Wasseranschluss sowie die Möglichkeit, Binden zu wechseln und hygienisch zu entsorgen.

Bei einem Tabuthema halten sich Mythen und Fehlinformationen besonders hartnäckig.

Weil wenig über Menstruation gesprochen wird, halten sich Mythen und Fehlinformationen rund um die biologischen Vorgänge besonders hartnäckig. Einstellungsänderungen brauchen Zeit und Geduld. «Dies gilt für alle Hygienethemen», weiss Alexandra Machado, die bei der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) Menstruationshygiene propagiert: «Die Stärke des Roten Kreuzes sind seine Freiwilligen, die den kulturellen Kontext kennen. Sie sind am besten geeignet, um Frauen und Mädchen zu unterstützen und zu stärken. Die lokalen Freiwilligen geniessen das Vertrauen der Bevölkerung und können Aberglauben und Mythen offen ansprechen.» 

Frauen auf der Flucht

Praktische Probleme haben Frauen auf der Flucht, denen es am Nötigsten fehlt und die kaum Zugang zu sanitären Anlagen haben. So in Bangladesch, wo rund eine halbe Million weibliche Flüchtlinge aus Rakhine in Myanmar leben. Die IFRC hat festgestellt, dass die Frauen meist nur ein einziges Kleidungsstück besitzen und keinerlei Utensilien haben, um die Monatsblutung zu bewältigen. Deshalb verteilt das Rote Kreuz Hilfspakete speziell für Frauen. Ein Kopftuch, Kleider, eine Taschenlampe, eine waschbare Menstruationsbinde und Unterwäsche ermöglichen Sicherheit und Hygiene. Ein Mindestmass an Würde im Flüchtlingscamp, wo es an Privatsphäre mangelt.

Nachhaltig gegen ein Tabu

Bis 2017 war Alexandra Machado SRK-Delegierte in Malawi und hat dort in Projekten Menstruationshygiene in Schulen umgesetzt. Dazu wurde die Gestaltung von Toiletten unter die Lupe genommen und in Müttergruppen der Umgang mit Menstruation diskutiert. Spezielle Menstruationsräume in Schulen haben sich nicht bewährt – sie wurden kaum genutzt. Deshalb klärt das SRK nun ab, welche Lösungen praxistauglich wären.

Das Malawische Rote Kreuz und das SRK haben in Malawi 400 Schülerinnen und Schüler zu ihren Kenntnissen, Einstellungen und der persönlichen Hygienepraxis befragt. Die Erkenntnisse der Studie will das SRK dafür nutzen, dass in Malawi kein Mädchen aufgrund der Periode der Schule fernbleiben muss. 

Menstruationshygiene ist für das SRK ein wichtiges Thema und wird in den Ländern Laos, Bangladesch, Malawi und Nepal als Teil von Wasser- und Hygiene-Projekten weiterhin aktiv angegangen. «Es ist weit mehr als ein Gesundheitsthema», betont Expertin Alexandra Machado: «Menstruationshygiene tangiert die Würde von Mädchen und Frauen, ihr Selbstbewusstsein und letztlich ihr Recht, eine Schule zu besuchen und einer Arbeit nachzugehen. Unser Engagement ist nötig, damit Frauen im Menstruationsalter aktiv an der Gesellschaft teilnehmen können.»