Zehn Jahre Restaurant Fomaz

Integration, die fruchtet

Vor zehn Jahren wird aus dem Wirtshaus Ochsen das Fomaz, in dem Geflüchtete arbeiten, um zu lernen. Zwei Restaurants, die durch das SRK betrieben werden, bereichern die Gastro-Szene von Altdorf.

REZEPT aus dem Fomaz
Kitcha fitfit

Betriebsleiter Sören Wirth gibt uns das Rezept für ein typisch eritreisches Frühstücksgericht. Im Fomaz wird es jedoch gerne zum Mittagessen bestellt.

Rezept für 2 Personen:
Kitcha (Fladenbrot):

200 g Weissmehl, ca. 3 dl Wasser und eine Prise Salz zu einem glatten Teig verühren. 10 Minuten ruhen lassen, dann wie Crèpes portionenweise in einer beschichteten Pfanne ohne Fett beidseitig ausbacken. Beiseite stellen.

Tomatensugo: 1 Knoblauchzehe und eine halbe Zwiebel fein hacken und in etwas Sonnenblumenöl anschwitzen. 2 Tomaten gewürfelt und 1 TL *Berbere beigeben. 10 Minuten köcheln lassen, dann mit Salz abschmecken.

Spinat: 1 Knoblauchzehe und die andere Zwiebelhälfte fein hacken. Ebenfalls in etwas Sonnenblumenöl anschwitzen. Ca. 200 g Blattspinat (frisch oder aufgetaut) beigeben und mit 30 ml Weisswein ablöschen. 10 Minuten köcheln lassen und mit Salz sowie Pfeffer abschmecken.

Kitcha fitfit fertigstellen: Das Fladenbrot in mundgerechte Stücke schneiden und in 20 g geschmolzener Butter anschwitzen. Das Tomatensugo und den Spinat beigeben, alles vermischen und sofort warm servieren.

*Berbere ist eine pikante Gewürzmischung aus Äthiopien und Eritrea. Man findet sie auf Märkten oder in spezialisierten Geschäften.

Die Farbe auf den alten Holzbänken wurde abgeschliffen. Der Linoleumboden im alten Wirtshaus durch Parkett ersetzt. Statt Chicken-Nuggets aus der Tiefkühltruhe gibt es ab dem 17. Januar 2011 eine ehrliche, frische Küche mit Gerichten aus aller Welt. SRK-Mitarbeiter Kurt Strehler, 62, Leiter des SRK Asyl- und Flüchtlingsdiensts Uri, erinnert sich mit Freude: «Wir eröffneten vor zehn Jahren an meinem Geburtstag. Weil wir den etwas heruntergekommenen Ochsen mit Asylsuchenden selber renovierten, dauerten die Arbeiten länger.» Es habe sich aber gelohnt und den Besitzer so überzeugt, dass er mehr ans Material beisteuerte als geplant.

Einjähriger Gastrokurs

Jeweils fünf bis sechs vorläufig Aufgenommene oder anerkannte Flüchtlinge absolvieren im Fomaz einen einjährigen Gastrokurs. Wer sich eignet und eine Ausbildung in der Gastronomie anstrebt, macht danach den Anfang einer Berufslehre während weiteren zwei Jahren in der grösseren Schützenmatt. Der Partnerbetrieb des Fomaz wird als erstes Restaurant, das einen Integrationsauftrag erfüllt, im Gault Millau und im Guide Bleu gerühmt.

Erreicht hat dies Küchenchef Sören Wirth, 28, der mittlerweile als Betriebsleiter beide Restaurants führt: «Es ist normal, dass in der Gastronomie Menschen aus verschiedensten Ländern zusammenarbeiten. Trotzdem brauche ich Fachpersonal in der Küche und im Service, das über eine hohe Sozialkompetenz verfügt, um Menschen auszubilden, für die noch alles neu ist.» Denn die jungen Menschen, die erst anfangen, Deutsch zu lernen, erfahren im Fomaz auch vieles über das Leben in der Schweiz.

Vorurteile abbauen

Kurt Strehler bestätigt das und fügt hinzu: «Die Idee ist entstanden, weil Betriebe im ersten Arbeitsmarkt stets praktische Erfahrung verlangten. Diese können sie bei uns sammeln. Umso besser, dass es uns auch gelingt, Vorurteile abzubauen.» Dies geschehe durch den direkten Kontakt mit der Bevölkerung wie von selber. Sören Wirth, den sein Chef Kurt Strehler als «wahren Glücksfall» bezeichnet, hat zudem anlässlich des Flüchtlingstags in Altdorf ein Streetfood-Festival organisiert. «Im ersten Jahr wurden wir von der Nachfrage überrumpelt und waren zu früh ausverkauft. Eine Stammkundin hat am diesjährigen Festival gefragt, wann wir denn einen Betrieb in Luzern eröffnen würden. Sie komme nur um zu essen nach Altdorf.»

https://fomaz.ch/