2 x Weihnachten für Moldawien

Hilfe für vergessene Dörfer

Spendengelder aus der Aktion 2 x Weihnachten werden auch in Moldawien eingesetzt. Viele betagte, einsame Menschen sind während den Wintermonaten auf ausgewogene Mahlzeiten und soziale Kontakte angewiesen. Zudem fördert das SRK die Hilfe zur Selbsthilfe für die auf sich selber gestellte älteste Generation.

Moldawien fehlt eine ganze Generation. Kaum ein Land in Europa hat eine so hohe Abwanderung zu verzeichnen. Berufstätige müssen in Westeuropa nach einer Arbeitsstelle suchen. Im Binnenland zwischen Rumänien und der Ukraine finden sie kaum Arbeit. Zurück bleiben alleinstehende ältere Menschen und Kinder.

Es fehlt eine ganze Generation. In den Dörfern leben fast nur noch alte Menschen und Kinder.

Besonders prekär ist die Situation in kleinen Landgemeinden. Im Norden Moldawiens unterstützt das SRK deshalb in vierzehn Dörfern die zurückgebliebenen Menschen. Ein Besuch im 2200-Seelen-Dorf Echimauti ist wie eine Zeitreise in ein früheres Jahrhundert. Einfache Holzhäuser, Wasser vom Ziehbrunnen, Plumpsklos im Freien und Fuhrwerke als Transportmittel sind hier nach wie vor üblich. Wenn das Dorf wie jetzt tief verschneit ist, sind die abgelegenen Häuser zu Fuss oder mit dem Pferd einfacher zu erreichen als mit dem Auto.

Einsam und hilfsbedürftig

Maria Patic ist eine der wenigen Jungen, die hier geblieben sind und Arbeit haben. Die Mutter von drei Kindern arbeitet als Haushalthilfe. Für alte Menschen ohne soziales Netzwerk erledigt sie Besorgungen und Haushaltarbeiten. Heute besucht Maria Patic die alleinstehende Liuba Girlea. Die 65-Jährige kommt ohne medizinische und soziale Unterstützung nicht über die Runden. «Seit einem Schlaganfall ist Liuba Girlea halbseitig gelähmt», berichtet Maria Patic, während sie den Wohnraum der Patientin aufräumt, Feuer entfacht und den Wasserbehälter frisch auffüllt. Dazu muss sie schwere Wassereimer vom Ziehbrunnen holen, der am Ende der Strasse liegt. Später bringt der Neffe Brennholz. Weitere Unterstützung aus der Familie hat Liuba Girlea nicht.

Gestützt von der Haushalthilfe kann die Rentnerin heute einige Schritte nach draussen wagen, wo ihr Hund durch den Schnee tollt. Trotz tiefen Minustemperaturen ist dieser Moment ein Lichtblick für die gehbehinderte Frau, die den ganzen Winter über im einzigen Zimmer verbringen muss, das mit dem Holzofen beheizt werden kann. Liuba Girlea muss den Holzverbrauch einschränken, damit sie durch den strengen Winter kommt. «Ich mache höchstens einmal am Tag Feuer und bin dankbar, dass ich nicht selber kochen muss», erzählt sie.

Online-Spenden für Suppenküchen

Eine Sozialarbeiterin hat eine gut verpackte, noch warme Mahlzeit in der Suppenküche abgeholt und bringt sie zu Fuss zu der dankbaren Rentnerin. Von Januar bis April erhalten Bedürftige wie Liuba Girlea in verschiedenen Gemeinden eine ausgewogene Mahlzeit. Die Lebensmittel für die Suppenküche werden mit den Geldspenden der Aktion 2 x Weihnachten in Moldawien gekauft. Das fördert die lokale Wirtschaft, Transportkosten entstehen keine und Lebensmittel sind im Vergleich zur Schweiz in Moldawien um ein Vielfaches günstiger. Jeder Spendenfranken ist so gut investiert. Denn viele der betagten Menschen können sich eine ganze Mahlzeit nicht leisten oder sind nicht mehr in der körperlichen Verfassung, um selber zu kochen. Der Mahlzeitendienst beeinflusst die Gesundheit der alleinstehenden Menschen auch positiv, weil der Kontakt zur Sozialarbeiterin, die das Essen bringt, sie für kurze Zeit aus der Einsamkeit holt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zusätzlich zum Mahlzeitendienst und der Unterstützung im Haushalt sorgt das SRK auch für Hilfe zur Selbsthilfe. Freiwillige motivieren isoliert lebende Seniorinnen und Senioren dazu, wieder soziale Kontakte zu pflegen und organisieren Putztage. Auch Bürgermeister Igor Marco hofft auf die Wirkung der Selbsthilfegruppe für ältere Menschen, die durch das Rote Kreuz gefördert wird. Dank den regelmässigen Kontakten ist sichergestellt, dass niemand durch die Maschen fällt und die Winterhilfe tatsächlich bei den Bedürftigsten ankommt. Das SRK setzt auf Eigeninitiative der Gemeinden und unterstützt die Suppenküchen nur, wenn die Gemeinde sich finanziell beteiligt und die Infrastruktur und ein Verteilnetz bereitstellt.

Als dritten Pfeiler unterstützt das SRK lokale Hauspflegedienste. Diplomierte Pflegerinnen betreuen kranke, behinderte oder hochbetagte Menschen zuhause. Seit immer mehr pflegebedürftige Menschen nicht mehr auf ihre Angehörigen zählen können, haben die Hauspflegedienste immer mehr Arbeit. Da jedoch die Kundschaft der Hauspflegedienste meist nur über ein Einkommen verfügt, das nicht einmal fürs Allernötigste reicht, ist die Dienstleistung dringend auf Unterstützung angewiesen.