Dementia Care – Entlastungsangebot des SRK

Den Alltag aufrechterhalten

Drei Töchter kümmern sich um ihren dementen Vater. Zum Glück können sie sich auf das Entlastungsangebot Dementia Care verlassen. Die drei Schwestern schätzen diese Dienstleistung des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) sehr.

A PROPOS
Dementia Care in Ihrem Kanton
Mit Dementia Care bietet das SRK Angehörigen von demenzkranken Menschen Entlastung an, zu einem möglichst sozialverträglichen Tarif. Je nach Kanton können die Bezeichnung dieses Entlastungsangebots und die verfügbaren Leistungen unterschiedlich sein. Wünschen Sie genaue Angaben zur Dienstleistung und zum Stundenansatz in Ihrer Region? Ihr Rotkreuz-Kantonalverband berät Sie gerne. Auf der Internetplattform pflege-entlastung.ch finden Sie eine Übersicht und Tipps für den Umgang mit pflegebedürftigen Personen.
Dementia Care des SRK wird von Johnson & Johnson unterstützt.

Von Célia Francillon

«Zeigen Sie die Fotos auf keinen Fall meiner Frau!», sagt Marcel Schrenk* lachend. In gepflegter Kleidung sitzt er neben Yvette Dousse, der Pflegehelferin des Roten Kreuzes, auf dem Sofa. Humorvoll lässt er sich auf das Fotoshooting ein. Vor den Aufnahmen hat er darauf bestanden, sich noch zu rasieren. Freundlich und energiegeladen wie er ist, wirkt der 81-Jährige um einige Jahre jünger. Er unterhält sich bestens mit Yvette Dousse. Die beiden scherzen fröhlich miteinander und verstehen sich sichtlich gut. Doch hin und wieder schweift der Blick von Marcel Schrenk ab und seine Augen schauen ins Leere. Er weiss plötzlich nicht mehr, warum er hier ist und was er kurz davor getan oder gesagt hat. In solchen Momenten unterstützt ihn Yvette Dousse geduldig und kompetent. Behutsam und unermüdlich ruft sie ihm in Erinnerung, was nötig ist, damit er den Faden wieder findet und sich nicht komplett verliert.

Wenn der Vater Hilfe braucht

Marcel Schrenk war früher selbstständiger Unternehmer. Als er vor einigen Jahren an Demenz erkrankte, konnte er auf die Unterstützung seiner Frau Edith zählen. Sie lehnte jede externe Unterstützung ab und liess sich nur von ihren drei Töchtern und ihren Enkelkindern unter die Arme greifen. Doch am 30. September 2015 gerät das Leben der Freiburger Familie aus den Fugen. Bei einem Sturz bricht sich Edith Schrenk den Oberschenkelhals. Nach einigen Wochen im Spital muss sie mehrere Monate im Heim verbringen. Es ist klar, dass ihr Ehemann nicht alleine zu Hause bleiben kann. Nun ist es an den Töchtern, ihren Vater durch den Alltag zu begleiten: Die 49-jährige Nadia, die 50-jährige Corinne und die 52-jährige Nicole übernehmen den Haushalt, die Planung der Mahlzeiten, organisieren die Arztbesuche und erledigen vieles mehr. Ein grosses Pensum, das die drei Familienfrauen in ihren eigenen ausgelasteten Alltag mit Familie einbauen müssen. «Das erfordert viel Organisation und Koordination. Wir machen das aus Liebe zu unserem Vater, aber auch aus Pflichtgefühl. Es ist manchmal sehr anstrengend», halten die drei Töchter übereinstimmend fest. Zu sehen, wie sich der Gesundheitszustand ihres Vaters zusehends verschlechtert, ist für sie auch emotional belastend. Nun kümmern sich die Töchter um den Vater – ein Rollentausch, der sie traurig stimmt und nicht immer einfach zu akzeptieren ist.

Entlastung durch das Rote Kreuz

Doch die drei Schwestern sind ein eingeschworenes Trio und lassen sich nicht unterkriegen. Nach dem Unfall ihrer Mutter wenden sie sich an das Freiburgische Rote Kreuz. Dort werden sie verständnisvoll beraten und wirksam unterstützt. «Wir fühlten uns auf Anhieb verstanden – als ob uns die zuständige Mitarbeiterin schon vorher gekannt hätte», erklären die drei. «Erleichtert stellten wir fest, dass es Menschen gibt, die uns helfen. Und vor allem hatten wir nicht das Gefühl, dass wir für unser Vorgehen verurteilt werden.»

«Wir befürchteten, Papa werde zu Hause keine fremde Person akzeptieren. Doch die Pflegehelferinnen sind gut ausgebildet und sehr taktvoll.»

Das Freiburgische Rote Kreuz schickt umgehend eine Pflegehelferin SRK zu Herrn Schrenk. Die drei Schwestern sind begeistert, wie professionell und einfühlsam Yvette Dousse ihren Vater betreut: «Wir mussten ihr nur einmal zeigen, wo sich alles befindet, und ihr erklären, was Papas kleine Rituale sind. Schon war ihr alles klar.» Yvette Dousse betreut Marcel Schrenk nach wie vor zweimal pro Woche und freut sich immer, ihn zu sehen. «Wir bedauern nur, dass wir uns nicht schon früher an das Rote Kreuz gewandt haben. Wir befürchteten, Papa werde zu Hause keine fremde Person akzeptieren. Doch die Rotkreuz-Pflegehelferinnen sind gut ausgebildet und sehr taktvoll.»
Im Wohnzimmer wird noch immer gescherzt und gelacht. Der Fototermin ist fast zu Ende. Da es bald Mittag ist, bereitet Yvette Dousse nun das Essen zu für sich und Marcel Schrenk. In einigen Wochen wird seine Ehefrau endlich nach Hause zurückkehren. Möglicherweise muss dann die Unterstützung zu Hause neu organisiert werden. Doch die drei Schwestern sind zuversichtlich, dass sie den Alltag mit der Hilfe des Roten Kreuzes meistern werden. So kann das Leben fast wie vorher weitergehen.

*Name geändert