Flüchtlingscamps in Uganda

Zerrissene Familien auf der Flucht

Vor einem Jahr eskalierte wieder die Gewalt im Südsudan. Mehr als eine Million Menschen wurden in die Flucht getrieben, viele von ihnen flohen in die Nachbarländer. In Uganda leben mehr als 122 000 südsudanesische Kriegsflüchtlinge. Das Rote Kreuz unterstützt sie mit sauberem Trinkwasser, stabilen Unterkünften, Hygienemassnahmen und Latrinen.

Die traditionellen, einfachen Lehmhäuser sind mit getrocknetem Blattwerk gedeckt und fügen sich in die Landschaft Ugandas ein. Auf den ersten Blick erkennt man kaum, dass die Streusiedlung im Grenzgebiet zu Südsudan ein Flüchtlingscamp ist. Bei jedem Haus hat es eine Latrine, in der Nähe oft auch einen kleinen Garten mit Mais, Süsskartoffeln oder Gemüse. Ab und zu sieht man auch einen Grabhügel, unter dem ein verstorbener Angehöriger ruht.

Andrea Schmid, Fachspezialistin für Katastrophenhilfe beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK), hat kürzlich zwei Flüchtlingscamps mit insgesamt 96‘000 Bewohnern im Norden von Uganda besucht. Diese Camps wurden vom SRK zusammen mit dem Deutschen und dem Ugandischen Roten Kreuz aufgebaut und werden jetzt von den drei Rotkreuz-Gesellschaften betreut.

Für die notdürftigen Unterkünfte haben wir hier keine Zeltplachen verteilt, sondern Baumaterial, mit dem die Flüchtlinge selber oder mit Hilfe von Rotkreuz-Freiwilligen einfache Häuschen errichteten. So können sie sicherer leben. Die Temperatur im Innern ist angenehmer als in einem Zelt. Zudem wird das lokale Gewerbe unterstützt, da die Ziegeln lokal produziert und eingekauft werden

Andrea Schmid

Fast nur Frauen und Kinder

Der fragile Südsudan
Seit der Südsudan 2011 zu einem eigenständigen Staat wurde, hatte sich die politische Lage ein wenig beruhigt, bis Ende 2013 ein Machtkampf zwischen dem südsudanesischen Präsidenten und dem ehemaligen Vizepräsidenten neue Kämpfe auslöste. Hunderttausende Menschen ergriffen die Flucht. Auch das Gesundheitsprogramm des SRK in Bentiu und Malakal ist davon betroffen und kann nicht weitergeführt werden. Seither unterstützt das SRK südsudanesische Flüchtlinge und Vertriebene in Camps im Land selber sowie in den Nachbarstaaten Sudan, Äthiopien und Uganda.

Es fällt auf, dass es in diesen Camps kaum Männer im erwerbsfähigen Alter gibt. Über 80 Prozent der Erwachsenen sind Frauen, die meisten leben mit mehreren Kindern. Es hat jedoch viele betagte Menschen, die auf sich selbst gestellt sind sowie unbegleitete Kinder, die dank der Solidarität unter den Flüchtlingen oft bei anderen Familien Unterschlupf finden. Die Männer sind zurückgeblieben im Krieg.

Der Alltag in den Camps sei geordnet und ruhig, bestätigt Andrea Schmid. Doch im Gespräch mit den Menschen werde einem bewusst, was sie durchgemacht hätten. Zum Beispiel die 80-jährige Roda. Die betagte Frau musste ihr Dörfchen Hals über Kopf verlassen, nachdem es zu brutalen Übergriffen und Plünderungen kam. Es war nicht das erste Mal, dass die betagte Frau alles zurücklassen musste. Das ganze Leben der Südsudanesin war von Gewalt, Flucht und Entbehrungen geprägt.

Im Chaos der Flucht im vergangenen Januar verlor sie den Kontakt zu ihren Angehörigen. Erst nach mehreren Monaten in Uganda, erfuhr sie, dass ihre acht Enkel allein in einem Flüchtlingscamp in der ugandischen Hauptstadt Kampala gestrandet waren. Ihre Mutter, Rodas Tochter, war auf der Flucht gestorben. Mit Hilfe des Suchdienstes des Roten Kreuzes wurden die Kinder zur Grossmutter gebracht. Diese sorgt nun für sie, so gut wie es eben geht. Dank dem Rotkreuz-Suchdienst hat Roda in einem anderen Flüchtlingscamp ihre Enkelkinder gefunden.

Grosse Hilfsbereitschaft

Wie Roda und ihre Enkel haben viele Menschen in den Camps Traumatisches erlebt und sind im Alltag auf Hilfe angewiesen. Sie erhalten von Freiwilligen des Roten Kreuzes intensive Unterstützung und auch psychologischen Beistand.

Das Ugandische Rote Kreuz hatte keine Probleme, über 100 zusätzliche Rotkreuzfreiwillige zu rekrutieren und auszubilden. «Manche reisen jeden Tag in die Camps, eine mehrstündige Fahrt über holprige Strassen, und unterstützen die Flüchtlinge so gut sie können. Sie helfen ihnen beim Bau ihrer einfachen Häuser und klären sie über Hygienemassnahmen auf, damit keine Epidemien ausbrechen», erzählt die Fachspezialistin des SRK.