Taifun Haiyan

Weihnachten auf den Philippen

Sechs Wochen nach dem Taifun arbeiten die Menschen fieberhaft, ihre Umgebung wieder notdürftig herzurichten. Hannelore Rücker ist Mitglied der sechsköpfigen Delegation des SRK, die im Moment auf den Philippinen im Einsatz ist. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Bewohner der abgelegenen Insel Palawan Wellblech, Baumaterial und Werkzeuge erhalten.

Weihnachten 2013. Wie so oft in meinem Leben bin ich irgendwo in der Welt - und wie so oft verspreche ich mir, dass ich garantiert das letzte Mal Weihnachten so fern von meiner Familie und meinen Freunden bin.

Seit dem 20. November bin ich auf den Philippinen im Einsatz. Zur Zeit kreisen meine Gedanken um die Fischerfamilien, die wir diese Woche besucht haben. Sie leben auf der Inselgruppe Coron, im Norden der Hauptinsel Palawan.

Nach Weihnachten werden wir dort Werkzeug und Material für Notunterkünfte verteilen und die Familien mit einem kleinen finanziellen Betrag unterstützen. Bis dann werden uns auch die Helfer des Philippinischen Roten Kreuzes wieder unterstützen können. Zur Zeit sind alle, die seit dem Taifun unermüdlich im Einsatz waren, im wohlverdienten Weihnachtsurlaub.

Bei diesen Fischerfamilien auf Coron erinnert nichts, aber auch gar nichts an Weihnachten. Die Menschen sind sehr arm und leben ausschliesslich vom Fischfang. Der verheerende Taifun hat ihre Boote zerschlagen, ihre Hütten schwer beschädigt oder zerstört und ihnen die Lebensgrundlage genommen.

Die Philippinen sind weitgehend katholisch, aber auf den kleinen vorgelagerten Inseln leben viele Menschen, die Weihnachten nicht feiern. Sie versuchen, ihre Boote und Hütten zu reparieren und hoffen, dass das Meer sich bald von den Auswirkungen des Taifuns erholt haben wird. Die Gläubigen dagegen werden eine kurze Pause bei den Aufräumarbeiten einlegen und an Weihnachten in die kleine Dorfkirche gehen, auch wenn das Dach beschädigt ist. 

Nur in den Strassen der grössten Stadt Coron hört man Weihnachtsmusik und bunt glitzernde Weihnachtdekoration erinnert an das bevorstehende Fest. Hier findet Weihnachten statt - wenn auch etwas anders, als im vergangenen Jahr.

Nun werde ich doch sentimental.  Ich werde morgen eine Kerze anzünden, die ich aus der Schweiz mitgebracht habe und an meine Lieben denken.