Bangladesch

Vom Feldspital zum Gesundheitszentrum

Anderthalb Jahre lang wurden im Feldspital im Flüchtlingslager der Menschen aus Myanmar Verletzte gepflegt und Risikogeburten begleitet – auch von Delegierten des Schweizerischen Roten Kreuzes. Das Spital ist nun dem Roten Halbmond Bangladeschs übergeben worden. Doch die Hilfe des SRK geht weiter.

Es ist eine der grössten humanitären Krisen in Südasien seit Jahrzehnten: Innerhalb von rund 15 Monaten sind Hunderttausende vor der Gewalt im Staat Rakhine in Myanmar nach Bangladesch geflohen – und hier gestrandet. Mittlerweile lebt über eine Million Menschen in riesigen Flüchtlingslagern nahe der Stadt Cox’s Bazar. Ob eine Rückkehr nach Myanmar jemals möglich sein wird ist unklar, doch auch in Bangladesch sind die Perspektiven schlecht.

Die Rotkreuzbewegung war von Anfang an Teil der Hilfsoperation. Die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) hat kurz nach Beginn der Krise ein Feldspital eröffnet, um die von ihrer Flucht entkräfteten und traumatisierten Menschen zu behandeln. 18 verschiedene Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften haben Delegierte in dieses Spital geschickt, geführt wurde es vom Norwegischen und Finnischen Roten Kreuz. Auch das Schweizerische Rote Kreuz hat aus seinem Nothilfe-Pool Spezialisten nach Bangladesch geschickt. 24 Expertinnen und Experten haben insgesamt 31 mehrwöchige Einsätze geleistet. Neben den Logistik-Fachleuten waren es vor allem Gesundheitsfachleute, die im Feldspital in Cox’s Bazar tätig waren. Zirka 52‘000 Menschen haben das Spital aufgesucht, es wurden rund 2700 Operationen durchgeführt und über 600 Babys wurden geboren.

Täglich neue Patienten und Patientinnen

SRK-Pflegefachfrau Manuela Bieri leistete sogar zwei Einsätze. «Es gab Zeiten, in denen ich abends noch mit dem Mikrofon am Ohr eingeschlafen bin und morgens gleich weitergearbeitet habe», berichtet sie vom ersten Einsatz, kurz nach Ausbruch der Krise, als täglich geschwächte und traumatisierte Menschen in Cox’s Bazar eintrafen.

Inzwischen habe sich die Situation zumindest in Bezug auf den Gesundheitszustand der Menschen etwas beruhigt: «Beim zweiten Einsatz ein Jahr später war ich stärker damit beschäftigt, die lokalen Pflegefachleute auszubilden, als selber Pflege zu leisten.»

SRK bleibt weiterhin präsent

Das Feldspital ist nun dem Roten Halbmond Bangladeschs übergeben worden und wird in ein erweitertes Gesundheitszentrum umgewandelt. Doch das SRK bleibt auch weiterhin präsent. Zusammen mit dem Roten Halbmond und der Regierung Bangladeschs betreibt es aktuell drei selbst errichtete Gesundheitszentren in Cox’s Bazar, zwei weitere sind in Planung. Unterstützt wird das SRK dabei von der Glückskette und der Deza. Die Gesundheitszentren sind multifunktional, sie stellen eine medizinische Grundversorgung sicher und bieten niederschwellige psychologische Hilfe, die vor allem von Frauen beansprucht wird.

Im Rahmen seiner langfristigen Entwicklungsprogramme ist das SRK schon seit bald 40 Jahren in dem südasiatischen Land tätig und dadurch gut vernetzt. Auch das Engagement in Cox’s Bazar ist auf mehrere Jahre ausgerichtet. Zusammen mit den bereits geleisteten Einsätzen wird das SRK insgesamt Projekte im Umfang von über vier Millionen Franken umsetzen.