Syrische Flüchtlinge im Libanon

Soforthilfe für Land und Leute

Gemessen an seiner Bevölkerungszahl, nimmt der Libanon mehr Flüchtlinge auf als jedes andere Land der Welt. Hilfe vor Ort ist dringend nötig. Das SRK unterstützt seit Jahren die syrischen Flüchtlinge im Land und hilft der libanesischen Bevölkerung bei der Bewältigung dieser riesigen Herausforderung.

Aktuell leben im Libanon 1,07 Millionen syrische Flüchtlinge. Registrierte Flüchtlinge. Die Dunkelziffer geht von 1,5 Millionen oder noch mehr aus. Eine gewaltige Zahl für ein kleines Land mit nur 4 Millionen Einwohnern.

Über das ganze Land verteilt, gibt es im Libanon mehr als 1900 improvisierte Zeltlager.

Grosse Camps wie in Jordanien oder der Türkei gibt es im Libanon nicht. Aufgrund der Erfahrungen mit palästinensischen Flüchtlingen, die seit über 60 Jahren zu Hunderttausenden im Land sind, lehnt die Regierung offizielle Flüchtlingslager ab. Die Folge: Mehr als 1900 improvisierte Zeltlager, verteilt über das ganze Land. Mit Blachen und Holzlatten errichten sich die Menschen ihre Unterkünfte auf einem Stück Land selbst. Meist müssen sie dafür beim Landbesitzer auch noch Miete bezahlen. Noch teurer ist es für die Familien, die in Garagen, unfertigen Häusern oder kleinen Zimmern eingemietet sind. Viele syrische Familien sind schon seit Jahren hier. Und werden wohl auch noch lange bleiben.

Effektive Hilfe mit Bargeld

Umso wichtiger ist es, dass die Familien Hilfe vor Ort erhalten. In einigen der improvisierten Zeltlager unterstützt das SRK die monatliche Verteilung von Lebensmittelpaketen an die besonders Bedürftigen. Während den kalten Wintermonaten hat es die Menschen mit Schlafsäcken, Matratzen und Blachen ausgerüstet.

Nun hat das SRK zu Beginn des Jahres im Libanon mit Unterstützung der Glückskette eine neue Art der Direkthilfe lanciert. Die Unterstützung mit Bargeld, 175 US-Dollar pro Monat. Die ohnehin prekären Lebensbedingungen der Flüchtlinge im Libanon verschärfen sich wegen chronischem Geldmangel und führen zu einer Verschuldung aufgrund des langen Aufenthaltes im fremden Land ohne Einkommen. Die Flüchtlingsfamilien können mit Bargeld das bezahlen, was sie besonders dringend brauchen zum Leben: Miete, Medikamente, Heizöl im Winter.

650 besonders schutzbedürftige Familien wurden vom SRK nach strengen Kriterien für das Programm ausgesucht. Es sind in erster Linie kinderreiche Familien, alleinstehende Mütter oder Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen. Sie erhalten eine sogenannte «Cashcard», auf welche jeden Monat 175 US-Dollar geladen werden. Diesen Betrag können die Familien selber abheben und ausgeben.

Bargeldbeiträge an Flüchtlingsfamilien unterstützen auch die lokale Wirtschaft im Libanon.

Die Bargeldbeträge helfen den syrischen Familien, dass sie im Libanon – nahe von ihrer Heimat – bleiben und selbst für ihre dringendsten Bedürfnisse aufkommen können. Es ist ein Stück Selbstbestimmung in einem Leben, das ihnen sonst kaum eine Wahl bietet. Gleichzeitig wird durch den Einsatz von Bargeld auch die lokale Wirtschaft unterstützt. Ein wichtiger Faktor der humanitären Hilfe. Gerade im Libanon, einem politisch unstabilen Land mit maroder Infrastruktur, das durch die zusätzliche Belastung der vielen Flüchtlinge an seine Grenzen kommt.

Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt

Einer dieser Flüchtlinge ist Abdallah Mohammad. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er in einem kleinen Zimmer in der Region Akkar im Norden Libanons, nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Der Syrer leidet unter chronischen Rückenschmerzen. Es ist für ihn daher so gut wie unmöglich, eine Arbeit zu finden. Die meisten Jobs für Flüchtlinge erfordern körperlichen Einsatz, etwa die Arbeit auf dem Bau oder in der Landwirtschaft. Umso grösser seine Erleichterung, dass seine Familie in das Bargeldprogramm vom SRK aufgenommen wurde. Nur so kommt seine sechsköpfige Familie über die Runden und ist auch für Notfälle gewappnet.

Die erste Zahlung kam genau zum richtigen Moment. Einen Tag bevor seine Frau ihr viertes Kind gebar. Abdallah Mohammad konnte mit dem Geld die Spitalkosten bezahlen. «Ich bin unendlich dankbar für diese Unterstützung. Vor vier Jahren haben wir ein Kind kurz nach der Geburt verloren. Ich weiss daher, wie lebenswichtig bei einer Geburt die medizinische Versorgung ist.»

Eine medizinische Versorgung, die im Libanon nicht immer selbstverständlich ist. Das Gesundheitssystem ist grösstenteils privatisiert und teuer.

Lebensrettende Bluttransfusionen

Mit ein Grund, weshalb das SRK im Libanon nicht nur Direkthilfe an Flüchtlinge leistet, sondern auch mehrere Projekte des Libanesischen Roten Kreuzes (LRC) im Gesundheitsbereich unterstützt.

2700 Freiwillige des LRC stellen den Ambulanzdienst des Landes sicher. Sie leisten erste Hilfe bei Unfällen, fahren die Verletzten ins Krankenhaus, sie organisieren Krankentransporte und bringen schwangere Frauen in die Geburtsklinik. Ein Gratisangebot sowohl für die libanesische als auch die syrische Bevölkerung. Im Jahr 2015 allein hat dieser Ambulanzdienst des LRC über 25 000 Syrern eine medizinische Notfallversorgung ermöglicht. Das SRK unterstützt diese lebenswichtige Dienstleistung und finanziert zusätzliche Ambulanzteams, um den erhöhten Bedarf abzudecken.

Wer im Libanon eine Bluttransfusion benötigt, muss das Blut selbst bezahlen.

Auch bei der Verbesserung des Blutspendewesens im Libanon hilft das SRK. Wer im Libanon eine Bluttransfusion benötigt, muss das Blut selbst bezahlen. Das ist teuer, eine Einheit kostet mehr als 100 Dollar. Für viele Menschen, insbesondere viele Flüchtlinge, ist sogar eine Einzige unbezahlbar. Bei den Blutspendezentren des Libanesischen Roten Kreuzes erhält jeder das Blut gratis. Im letzten Jahr waren insgesamt 25 Prozent aller Empfänger von Bluttransfusionen syrische Flüchtlinge. Um diesen lebenswichtigen Service für alle flächendeckend, mit einer guten Qualität und höchster Sicherheit zu garantieren, modernisiert das SRK mehrere Zentren im ganzen Land und hilft bei Kampagnen, um mehr Menschen freiwillig zum Blutspenden zu bewegen. 

Der Libanon und seine Bevölkerung sind in diesen schwierigen Zeiten stark gefordert. Gemeinsam mit seinen Partnern vor Ort, steht das SRK dem Land zur Seite.