Flüchtlinge in Bangladesch

Medizinische Hilfe ist dringend nötig

Der Zustrom von Menschen, die aus Myanmar nach Bangladesch fliehen, reisst nicht ab. Die Zustände in den Camps sind prekär. Mitarbeitende des Roten Kreuz und Roten Halbmonds arbeiten rund um die Uhr – so auch die SRK-Gesundheitsdelegierte Sabine Hediger im Feldspital nahe von Cox’s Bazar.

Im Feldspital des Roten Kreuzes im Süden von Bangladesch wurden in den ersten Stunden nach der Eröffnung bereits Dutzende Patienten behandelt. Das Bedürfnis nach medizinischer Versorgung ist sehr gross. Ein acht Monate alter Knabe war der erste, der im Operationssaal an der Lunge operiert wurde. «Er war sehr tapfer, braucht aber noch einige Pflege bevor er hoffentlich wieder ganz gesund wird», berichtet Sabine Hediger, die den Knaben während und nach der Operation betreute. Die Pflegefachfrau des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) ist Teil des internationalen Rotkreuz-Teams, welches das 60-Betten-Feldspital betreibt. Ausser einem Operationssaal umfasst dieses ein Ambulatorium, eine Intensivstation, Geburts- und Kinderabteilungen sowie ein Labor und eine Isolationseinheit. Es ist das einzige Spital das in der Region, die von der Flüchtlingskrise betroffen ist, Operationen durchführen kann.

Entkräftet und ausgetrocknet

Schon während des Aufbaus des Spitals, der gut zwei Wochen dauerte, konnte Sabine Hediger Patienten behandelt. Einmal wurde sie in ein improvisiertes Camp nahe der Grenze zu Myanmar gerufen, in dem innerhalb von 48 Stunden 21 000 Menschen eingetroffen waren. «Nach einem 11-tägigen Fussmarsch waren sie am Ende ihrer Kräfte. Viele waren ausgetrocknet und hatten tagelang nichts gegessen. Wir haben zahlreiche Kinder mit Durchfall und Fieber behandelt», erzählt die Schweizer Gesundheitsfachfrau. Ein kleines Mädchen habe die Strapazen nicht überlebt und sei nach der Ankunft in den Armen seiner Mutter gestorben. 

Hygienische Situation ist prekär

Die Situation im Süden von Bangladesch gehört zu den grössten und komplexesten Krisen in Asien der letzten Jahrzehnte. Seit Ende August haben rund 537 000 Menschen in Bangladesch Zuflucht gesucht, um der Gewalt in den nördlichen Gebieten des Rakhine-Staates in Myanmar zu entkommen. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. Die Neuankömmlinge leben unter schwierigsten Bedingungen meist in improvisierten Camps. Vor allem die hygienischen Verhältnisse sind prekär und die Gefahr von Durchfall- und Choleraepidemien ist akut. 

SRK mit Fachpersonen vor Ort

Freiwillige des Roten Halbmondes von Bangladesch stehen seit Beginn der Krise im Einsatz. Sie führen Hygienekampagnen durch und verteilen Trinkwasser und andere Hilfsgüter. Unterstützt werden sie von der Rotkreuz- und Rothalbmondföderation, die die internationale Hilfe koordiniert. Auch das SRK beteiligt sich sowohl finanziell als auch personell daran. Durch sein langjähriges Engagement in andern Regionen von Bangladesch ist es mit seinen lokalen Partnern eng verbunden. Ausser der erfahrenen Pflegefachfrau Sabine Hediger hat das SRK auch Spezialisten für Notunterkünfte, Logistik und Bargeldprojekte entsandt. Sie unterstützen die Nothilfe für die geflüchteten Menschen und klären ab, welche Art von Unterstützung in den kommenden Monaten am sinnvollsten ist. 

Für die Hilfe zugunsten der in Bangladesch gestrandeten Menschen aus Myanmar setzt das SRK mit Unterstützung des Bundes vorerst 500 000 Franken ein.