Menschen auf der Flucht

Hilfe für gestrandete Flüchtlinge in Bosnien

Seit Mai 2018 sind immer mehr Flüchtlinge auf der Balkanroute nach Bosnien und Herzegowina gelangt. Sie versuchen, nach Westen in die EU zu gelangen, viele kommen aber an der Grenze zu Kroatien nicht weiter. Das SRK reagiert auf die verschärfte Situation mit einer Überbrückungshilfe für gestrandete Flüchtlinge in der Grenzregion Bihac.

Über 8000 Menschen auf der Flucht sind dieses Jahr in Bosnien und Herzegowina angekommen, dies sind acht Mal mehr als 2017. Seit Mai steigen die Zahlen stark an und die Situation in den provisorischen Flüchtlingscamps verschärft sich. Die meisten Migrantinnen und Migranten halten sich an der bosnischen Westgrenze auf, von wo sie nach Kroatien und so in die EU gelangen wollen. Die SRK-Delegierte Mihela Hinic hat sich vor Ort ein Bild gemacht: «In Bihac, wo das Rote Kreuz Geflüchtete aus dem Mittleren Osten versorgt, sind die Bedingungen sehr schwierig. Sie schlafen in Unterkünften ohne Türen und Fenster, in Zelten oder unter freiem Himmel.» Die betroffenen Gemeinden in Bosnien sind vom grossen Zustrom überfordert und auf Unterstützung der Rotkreuzgemeinschaft angewiesen. Nun hat das SRK mit Unterstützung des Bundes 150 000 Franken für Nahrungsmittel gesprochen. «Das Rote Kreuz wird auch in den nächsten Monaten die Leute mit Nahrung und Hygieneartikeln unterstützen und psychosoziale Hilfe leisten», betont Mihela Hinic vom SRK.

Gefährliches Minengebiet

Das Rote Kreuz von Bosnien und Herzegowina leistet zusammen mit Freiwilligen Nothilfe, indem es täglich Mahlzeiten verteilt, Unterkünfte errichtet und in ambulanten Gesundheitszentren Verletzte versorgt. Ausserdem informiert es über die Gefahr von Minen im Umland der Flüchtlingscamps. Seit den ethnischen Konflikten 1992-1995 ist das Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina stark vermint und zählt zu den gefährlichsten weltweit.

Täglich versuchen Flüchtende, von Bihac und Velica Kladusa über die Berge nach Kroatien zu gelangen, aber nur wenigen gelingt es. Laut dem Roten Kreuz verletzen sich viele im gebirgigen Gelände oder sie werden von Grenzbeamten gewaltsam gestoppt. «Wir sind sehr besorgt über Berichte von Gewalt gegen Menschen, die versuchen, die Grenze nach Kroatien zu überqueren», sagt der IFRC-Regionalverantwortliche für Europa, Simon Missiri: «Regierungen haben das Recht, Grenzen zu schützen und Migrationsgesetze durchzusetzen, aber auch die Verpflichtung, alle Menschen mit Würde und Respekt zu behandeln, unabhängig von deren Status.»

Bosnien und Herzegowina ist ein Schwerpunktland des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), das hier Programme im Bereich Gesundheit und Aktives Altern betreibt und Winterhilfe für die Ärmsten leistet.