Rotkreuz-Hilfe für Menschen auf der Flucht

Griechenland: «Die Not ein wenig lindern»

Immer noch treffen in Griechenland täglich hunderte Menschen ein. Die SRK-Logistikerin Danièle Wyss berichtet, wie das Rote Kreuz unter schwierigen Umständen auf der Insel Lesbos dazu beiträgt, die Not der Flüchtlinge ein wenig zu lindern.

Danièle Wyss, Lesbos

Als Logistikdelegierte des SRK bin ich seit Anfang Februar auf der griechischen Insel Lesbos im Einsatz. Meine Aufgabe ist es, unsere Partnerorganisation, das Griechischen Rote Kreuz, bei der Nothilfe zu unterstützen. Die logistischen Herausforderungen bei der Versorgung der Flüchtlinge mit dem Nötigsten sind enorm. Hunderttausende Menschen sind seit letztem Sommer via Griechenland nach Europa gelangt. Seit die Balkanroute geschlossen ist, sind zehntausende Menschen hier gestrandet. Wie es weitergeht, nachdem die EU mit der Türkei ein Rücknahmeabkommen geschlossen hat, ist nicht abzusehen. Es treffen weiterhin sehr viele Menschen hier ein. 

Hilfsgüter verteilen in Camps

Auf der Insel Lesbos, wo ich stationiert bin und wo der Grossteil der Menschen eintrifft, führen wir an sechs Tagen pro Woche Hilfsgüterverteilungen durch, abwechslungsweise in zwei verschiedenen Camps. Parallel rekrutiert der lokale Migrations-Beauftragte des Griechischen Roten Kreuzes laufend neue freiwillige Helfer und Helferinnen, die bei den Verteilungen und den Patrouillen nachts am Strand eigesetzt werden. Der Migrations-Beauftragte konnte dank der Unterstützung durch das SRK angestellt werden. Daneben sind ausser mir derzeit noch zwei weitere SRK-Logistik-Fachpersonen in Griechenland im Einsatz.

Neue Herausforderungen

Durch die Schliessung der Grenzen Richtung Westeuropa haben sich die humanitären Herausforderungen verändert. Vorher waren die Flüchtlingsfamilien auf einer Durchreise, bei der sie kaum länger als 24 Stunden an einem Ort blieben. Nun sind viele gestrandet und müssen über längere Zeit versorgt werden. Wir geben den Familien einen Seesack mit Trockenfrüchten, Nüssen, Thunfisch-Büchsen, Crackers sowie Wasser und Hygieneartikel. Zudem erhalten sie warme Decken und je nach Bedarf auch Babyartikel. Insgesamt sind auf Lesbos rund 250 Hilfsorganisationen und -gruppen aktiv, manche von ihnen geben den Menschen auch warme Mahlzeiten, Kleider oder Schuhe. 

Überfüllte Boote

Seit die NATO involviert ist und auf dem Mittelmeer patrouilliert, werden vermehrt Boote auf See abgefangen und die Menschen direkt zur Registrierung nach Mytilini gebracht, den Hauptort von Lesbos. Gleichzeitig ist die Zahl jener zurückgegangen, die im Norden der Insel eintreffen, wo die türkische Küste nur rund acht Kilometer entfernt ist und man sie an klaren Tagen von blossem Auge sieht. Die meisten Boote, die in Lesbos eintreffen, sind hoffnungslos überfüllt, manche nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel. Vermehrt treffen seit einiger Zeit Frauen und Kinder ohne männliche Begleiter ein.

Gemeinsam sind wir stark

Es belastet mich als Helferin, abends schlafen zu gehen im Wissen darum, unter welch misslichen Bedingungen viele Männer, Frauen und Kinder die Nacht verbringen müssen. Oft frage ich mich, was ich eigentlich tun kann, für diese Menschen. Ich kann höchstens ihre Not ein wenig lindern. Ermutigend ist, dass wir so viele sind. Nicht nur in Griechenland arbeiten wir Hand in Hand. Auf den gesamten Migrationsrouten steht das Rote Kreuz den Menschen bei. Es leistet medizinische Hilfe, verteilt Hilfsgüter, unterstützt die Zusammenführung von Familien, die sich unterwegs verloren haben, und setzt sich unermüdlich für den Schutz und die Würde der Menschen ein. Es ist gut, Teil dieses Netzwerkes zu sein.