Indonesien

Menschen auf Sulawesi benötigen weiterhin Hilfe

Vor einem Monat haben ein schweres Erdbeben und ein Tsunami Not und Zerstörung über die indonesische Insel Sulawesi gebracht. Seither leistet das Rote Kreuz Nothilfe. Viele Menschen sind noch lange auf Unterstützung angewiesen. So auch die 17-jährige Eliza.

Der 28. September begann wie ein ganz normaler Freitagabend. Eliza stand unter der Dusche und stellte sich auf eine ruhige Nacht zu Hause ein. Plötzlich fing ihr ganzes Haus zu beben an.

«Ich konnte nicht aus dem Badezimmer, weil alles so heftig zitterte. Als ich endlich rauskam, fand ich meine Mutter im Wohnzimmer und half ihr nach draussen.»

Mehrere Erdbeben erschütterten an diesem Abend die indonesische Insel Sulawesi und lösten einen Tsunami aus. Vier Wochen nach der Katastrophe lassen die Opferzahlen das Ausmass des Leids und der Zerstörung nur erahnen: 2000 Tote, über 10 000 Verletzte und 87 000 obdachlose Menschen.

Eliza flüchtete mit ihrer Mutter auf die Strasse. Die Situation war chaotisch. Die junge Frau hielt einen vorbeifahrenden Motorradfahrer an und flehte ihn an, ihre Mutter in Sicherheit zu bringen.

«Ich sagte ihm: ‚Rette meine Mutter!‘ Ich bin noch jung. Ich konnte rennen. Aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, meine Mutter zu verlieren.»

Eliza blieb allein zurück. Nur kurze Zeit später traf sie auf ihren Lehrer und er brachte sie an einen sicheren Ort. An Schlafen war jedoch nicht zu denken: «Ich weinte die ganze Nacht und dachte, ich würde meine Mutter nie wieder sehen».

Auf der Suche nach Vermissten

Fast 400 Menschen haben sich in den Tagen seit der Katastrophe auf der Suche nach Angehörigen an das Rote Kreuz gewandt. Mit dessen Unterstützung hat auch Andi Satar seine Eltern wiedergefunden. Während über einer Woche hatte der junge Mann kein Lebenszeichen von seiner Mutter und seinem Vater erhalten. Trotzdem gab er die Hoffnung nie auf und beteiligte sich als Rotkreuz-Freiwilliger an der Suche nach vermissten Personen.

Nach einer kurzen Nacht erreichte die 17-jährige Eliza die positive Nachricht: Ihre Mutter war wohlauf. Doch nach Hause zu gehen, war für Eliza und ihre Mutter keine Option. Ein Grossteil der Häuser an der Küste im Bezirk Tondo wurde zerstört. Tausende Familien hatten innerhalb weniger Sekunden ihr Zuhause verloren.

Mittlerweile hat das Rote Kreuz für verletzte und kranke Überlebende mehrere Kliniken eingerichtet. Über 4 100 Personen wurden bereits behandelt. Auf psychologische Unterstützung spezialisierte Rotkreuzteams helfen den Betroffenen, die Geschehnisse zu bewältigen. Auch Eliza geht regelmässig an Treffen, an denen über das Erlebte gesprochen wird.

Nächste Bedrohung naht

Mitte Oktober hat nun auch noch der Regen eingesetzt. In den Kliniken des Roten Kreuzes tritt bereits vermehrt Grippe, Durchfall und Husten auf – Krankheiten, die durch das feuchte Wetter begünstigt werden. Die Regenzeit dauert bis April. Auf eine Verbesserung der Situation ist also in nächster Zeit nicht zu hoffen.

Derweil bauen die Rotkreuz-Teams ihre Hilfe aus. Mitarbeitende und Freiwillige des Indonesischen Roten Kreuzes konzentrieren sich auf medizinische Unterstützung und die Verteilung von Hilfsgütern, sauberem Wasser und Lebensmitteln. Dabei werden sie von internationalen Helfern unterstützt. Das Schweizerische Rote Kreuz hat für die Katastrophenhilfe mit Unterstützung des Bundes 500 000 Franken zur Verfügung gestellt. Ausserdem hat es den Nothilfeexperten Thomas Büeler nach Indonesien entsandt, um die Hilfe vor Ort zu verstärken.