Sudan

Wir brauchen jetzt Wasser

Vier Monate Regen und acht Monate Trockenheit – das Klima im Sudan ist unausgewogen. Dank Grundwasser kann die Bevölkerung von Babinga weit weg vom Nil leben. Im Bundesstaat Sennar baut das SRK Wasserpumpen und stellt Werkzeug zur Verfügung. Es fördert die Ausbildung von Freiwilligen, damit die Pumpen fachgerecht unterhalten werden.

In Babinga sind an diesem Samstag Freiwillige des Sudanesischen Roten Halbmondes (SRCS) in der prallen Sonne daran, einen Brunnen zu flicken. Bei über 40 Grad im Schatten machen sich viele fleissige Hände am Bohrloch und an der Mechanik der Pumpe zu schaffen. Die Männer erledigen den Teil der Arbeit, der Kraft braucht: Das Bohrloch in der Tiefe ausbessern, defekte Teile der Pumpe ersetzen und eingerostete Schrauben lösen. Die Frauen in der Gruppe übernehmen nach der schweisstreibenden Vorarbeit den Feinschliff.

«Als wir Wasser fanden, wussten wir, dass es an der Pumpe liegt und es sich lohnt, sie zu reparieren.»

Seit sieben Jahren gibt der Brunnen kein Wasser mehr. Einige Tage zuvor prüften die Freiwilligen, ob im Bohrloch noch Wasser ist. «Wir fanden Wasser», erzählt uns Abaker Alhaj, einer der Freiwilligen. «Da wussten wir, dass etwas an der Handpumpekaputt sein muss und es sich lohnt, den Brunnen zu flicken. Nach knapp zwei Stunden ist der Brunnen repariert.

Von zu viel und zu wenig Wasser

Das Wasser fliesst wieder klar und sauber in Babinga. Das Dorf liegt weitab der Lebensader des Sudans, dem Nil. Der etwas näher gelegene Dinder-Fluss, der dem Nationalpark südlich von Babinga seinen Namen gibt, führt nur saisonal Wasser. Das Wasser beschäftigt in dieser Savannenlandschaft die Menschen tagtäglich. Die meiste Zeit ist es trocken. Die Regenzeit jedoch überflutet wochenlang das flache Land. Das lässt den Boden schlammig und glitschig werden. Doch die viermonatige Regensaison ergrünt das Land und sichert die Ernte. Hier in Sennar, im Südosten Sudans, leben viele sudanesische Familien von der Land und Viehwirtschaft. Das Land ist weit, die Dörfer verstreut. Sennar ist einer von 18 Bundesstaaten im Sudan und mit fast 38 000 km2 fast so gross wie die Schweiz. Die Landschaft ist – von den grünen Ufern entlang des Blauen Nils abgesehen – geprägt von Hochgras und Akazienbäumen. Immer wieder sieht man Viehherden, Schafe, Ziegen und Kühe.

Die Tiere wandern begleitet von den Hirten die Felder ab, gehen von Wasserstelle zu Wasserstelle. Jetzt, gegen Ende der Trockenzeit, ist die Landschaft in einen beigebraunen Ton getaucht.

Von Dorf zu Dorf

Das Modell der Brunnen mit den Handpumpen ist im ganzen Sudan das gleiche. «Während des Kurses des SRCS lernten wir, wie diese Handpumpen funktionieren, und vor allem wie wir sie reparieren können», erzählt Abaker Alhaj. Das notwendige Werkzeug stellt ihnen das SRK bzw. der SRCS zur Verfügung.

«Unseren Kindern geht es viel besser, seit wir gutes Trinkwasser haben. Wir alle sind gesünder.»

«So was haben wir nicht und könnten es uns auch kaum leisten», sagt der Freiwillige sichtlich dankbar. Er erklärt uns, weshalb er an seinen freien Tagen mit anderen Freiwilligen von Dorf zu Dorf geht, um Brunnen zu reparieren: «Der SRCS hat in meinem Dorf den Brunnen repariert. Seit dem müssen unsere Frauen nicht mehr Kilometer weit gehen, um bei Hitze oder Regen Wasser zu holen. Ihr Leben ist seither weniger beschwerlich.» Ausserdem sei das Grundwasser, das sie hochpumpen, sauber. «Unseren Kindern geht es viel besser, seit wir gutes Trinkwasser haben. Wir alle sind gesünder. Wasser ist lebenswichtig.»

Heute gibt Abaker Alhaj sein Knowhow, das er beim Kurs des SRCS erwerben konnte, weiter. Je mehr Menschen wissen, wie eine Handpumpe zu flicken ist, umso besser, sagt der Freiwillige, denn «wenn ein Brunnen versiegt, weil vielleicht ein Dichtungsring kaputt ist, muss er so schnell wie möglich repariert werden. Wir können nicht wochenlang warten, bis jemand vorbeikommt, den wir dann auch noch teuer bezahlen müssen. Wir brauchen sofort Wasser, für uns und für unsere Tiere. Jetzt können wir uns selber helfen.» Der Stolz, etwas so Wichtiges aus eigener Kraft für seine Gemeinschaft tun zu können, ist der ganzen Gruppe ins Gesicht geschrieben.

Mehr Zeit für Bildung

Im Nachbardorf Hilat For hat der SRCS mit Unterstützung des SRK vor zwei Jahren einen neuen Brunnen gebaut und ein weiteres Bohrloch repariert. Unterhalten werden die Brunnen von Wasserkomitees. «Die Mitglieder aus der Gemeinde werden gewählt. Sie sind fortan zuständig für die Pflege und den Unterhalt der Brunnen», erklärt Ibrahim Alnor, Projektkoordinator beim SRCS. «Sie schauen auch, dass der Brunnen und die Umgebung sauber bleiben, denn Hygiene ist sehr wichtig.» In dieser Gegend gibt es glücklicherweise Grundwasser, wodurch auch hier die Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben. Die drei Bohrlöcher im Ort versorgen 106 Familien mit Wasser. Für Aisha Mohamed Anur ist der Brunnen im Dorf eine grosse Errungenschaft. Die Vierzehnjährige holt morgens und abends Wasser für ihre grosse Familie. «Bei uns sind traditionell die Mädchen und Frauen fürs Wasserholen zuständig», sagt sie.«Weil wir einen Brunnen im Dorfhaben, muss ich dafür nicht mehr so weit gehen und habe mehr Zeit für die Schule, die Hausaufgaben und sogar für mich.»