Honduras

Eine sinnvolle Alternative zur Strasse

In den Armenvierteln der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa wachsen Kinder inmitten von Gewalt und Drogenkriminalität auf. Das Rote Kreuz bietet Kindern und Jugendlichen eine Alternative zur Strasse und schützt sie vor dem Abrutschen in die Kriminalität.

Der kleine Cesar beugt sich eifrig über ein Schulbuch. Mit dem Zeigefinger folgt er den Zeilen und liest stockend vor, was das Kind in der bebilderten Geschichte unternimmt. Die 17-jährige Rosa sitzt daneben, korrigiert ihn wenn nötig, hört zu, lobt.

Für Cesar ist es wichtig, mit Unterstützung von Rosa die Hausaufgaben zu machen. Zuhause ist niemand, denn die Mutter, die ihre vier Kinder im Schulalter alleine grosszieht, ist tagsüber an der Arbeit. Die Wohnung ist eng, es gibt keinen Tisch und kaum Schreibzeug, um zu lernen. Für die Schulbücher, die selber gekauft werden müssen, fehlt das Geld. Ähnlich auch die Siutation von Maria, die im Nebenraum mit anderen Kindern bastelt und spielt.  Die Neunjährige war tagsüber stets auf sich selbst gestellt und ging nicht einmal mehr zu Schule.

Kinder als leichte Beute

Für viele Kinder im Quartier Vista Hermosa ist die Bibliothek eine Art Oase in einem wenig erfreulichen Alltag. Unterstützt vom Roten Kreuz werden nicht nur Bücher ausgeliehen, sondern auch Freizeitbetreuung und Aufgabenhilfe angeboten.  Die jungen Freiwilligen machen ihre Arbeit gerne. «Ich wuchs in ähnlichen Verhältnissen auf wie Cesar und Maria. Weil niemand Zeit hatte, sich um mich zu kümmern, verbrachte ich die Nachmittage oft auf der Strasse und dort lauern viele Gefahren», sagt Rosa.

In den Armenvierteln der honduranischen Hauptstadt treiben Banden ihr Unwesen.  Die mafiaähnlichen Organisationen kontrollieren die Strassen und «kümmern sich» um die Kinder. Doch schon früh wird ihr Vertrauen missbraucht und sie werden zum Transport von Drogen oder Waffen gezwungen. Oft geraten sie in eine verhängnisvolle Abhängigkeit und können sich nicht mehr daraus befreien.

In sechs Armenvierteln von Tegucigalpa unterstützt das SRK Freizeitangebote. Den Kindern wird eine Alternative zur Strasse geboten, damit sie nicht in kriminelle Kreise abrutschen. Jugendlichen, die zum Teil bereits auf die schiefe Bahn geraten sind, wird ein Ausstieg und eine neue Lebensperspektive ermöglicht.

Spielnachmittage im Quartiertreff

Der 14-jährige Ronny hat trotz seiner jungen Jahre schon viel erlebt. Früh wurde er von einer Drogenbande rekrutiert und als Kurier eingesetzt. Einen seiner Freunde sah er im Drogenkrieg sterben. Als er vor einem halben Jahr nach zahlreichen Verwarnungen von der Schule gewiesen wurde, brachte ihn seine verzweifelte Mutter zum Jugendzentrum des Roten Kreuzes.

Am Anfang bockte er und boykottierte den Schreiner-Kurs, mit dem er eine handwerkliche Grundausbildung hätte erwerben können. Mittlerweile liess er sich als Rotkreuz-Freiwilliger ausbilden und führt nun regelmässig in Quartiertreffs Kindernachmittage durch. Oft denkt er dabei an seine Kindheit, die er fast ausschliesslich auf der Strasse verbrachte – und er weiss, wie wichtig es ist, dass die Knaben und Mädchen in der Freizeit liebevoll betreut werden.

«Ich will nie mehr auf die Strasse zurück»

«Ich bin sehr froh, dass ich hier eine sinnvolle Aufgabe gefunden habe und Menschen, mit denen ich über die wichtigen Dinge im Leben reden kann», sagt Ronny. Sein Leben habe sich komplett verändert. «Ich will nie mehr zurück auf die Strasse», sagt er.