10 Jahre nach dem Tsunami

Ein selbstbestimmtes Leben

Am 26. Dezember 2004 hat ein gewaltiger Tsunami die Küstengebiete Südasiens verwüstet. Das SRK hat umfangreiche Nothilfe geleistet, danach in drei Ländern Schulen, Häuser und Gesundheitszentren wieder aufgebaut.

«Schon kurz nach dem Tsunami war klar, dass dies eine neue Dimension von Katastrophe war, die uns lange und intensiv beschäftigen würde», erinnert sich Martin Fuhrer, damals Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim SRK. Die erste Phase der Nothilfe sei logistisch anspruchsvoll gewesen, fast zu viele Akteure waren vor Ort, die Koordination entsprechend schwierig. Doch schon nach wenigen Monaten konnte das SRK in den am stärksten betroffenen Ländern Sri Lanka, Indonesien und Südindien mit dem Wiederaufbau beginnen.

Sturm- und flutsichere Häuser

«Build back better» lautete dabei das Motto. Sämtliche Häuser wurden sturm- und flutsicher gebaut und mit Latrinen ausgestattet. Die Dorfgemeinschaften wurden in erster Hilfe geschult, sie erhielten für den Fall künftiger Katastrophen Schutzunterkünfte und erarbeiteten Evakuierungspläne.

Interview mit Martin Fuhrer, ehemaliger Leiter Internationale Zusammenarbeit des SRK, vor der Schule Inshafuddin in Banda Aceh, Indonesien. Die Schule wurde nach dem Tsunami vom 25.12.2004 vom SRK errichtet. 2014 wird sie von 600 Schülerinnen und Schülern besucht.

© Glückskette

In Sri Lanka errichtete das SRK mehr als 7000 Wohnhäuser, renovierte Kliniken und verbesserte die Gesundheitsversorgung. In Indien erhielten 2000 Fischerfamilien neue Häuser, dazu Trinkwasser, Latrinen und ein Abfallentsorgungssystem. Und im indonesischen Aceh baute das SRK Schulen für 1300 Schülerinnen und Schüler. Zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) renovierte es zudem die Wasserversorgung in der Hauptstadt Banda Aceh, die beim Tsunami zerstört worden war. Insgesamt setzte das SRK für den Wiederaufbau in Sri Lanka, Indonesien und Indien mit Unterstützung der Glückskette rund 100 Millionen Schweizer Franken ein.

«In Aceh pulsiert das Leben»

Unterdessen ist der Wiederaufbau des SRK seit bald fünf Jahren abgeschlossen. Um sich ein Bild von der aktuellen Sitution zu machen, ist Martin Fuhrer kürzlich nach Aceh zurückgekehrt. Er war beeindruckt von der Entwicklung, die die Provinz seit dem Tsunami durchgemacht hat: «In Aceh pulsiert das Leben.» Im persönlichen Gespräch zeige sich, dass alle Menschen in Aceh das Trauma des Tsunami in sich tragen. «Aber sie blicken nach vorn», meint Fuhrer. Die einst abgeschottete, von Konflikten geprägte Provinz, habe unter dem Einfluss der internationalen Hilfe eine Öffnung erlebt, die ihr offensichtlich Aufwind gebe. Beim Besuch der vom SRK errichteten Schulen traf Martin Fuhrer auf junge Menschen voller Wissensdrang und Zukunftspläne. «Die Menschen, die ich in Aceh getroffen habe, sind noch heute dankbar für die Hilfe, die sie nach dem Tsunami erhielten. Sie hat es ihnen ermöglicht, wieder auf die Beine zu kommen. Nicht zuletzt deshalb können sie jetzt ihre Zukunft selber in die Hand nehmen – und damit ist unser wichtigstes Ziel erreicht.»