Konflikt in Tigray, Äthiopien

Beratungsdienst Humanitäre Visa: Anfragen nehmen zu

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) berät Familien in der Schweiz, die Angehörige in Äthiopien haben. Zudem beteiligt sich das SRK an der koordinierten Nothilfe der internationalen Rotkreuzbewegung und hilft Menschen, die innerhalb Äthiopiens geflüchtet sind.

Der Beratungsdienst Humanitäre Visa erhielt seit dem Ausbruch des Konflikts in der Region Tigray (Äthiopien) im November 2020 immer mehr Anfragen. Vor November 2020 wendeten sich monatlich ein bis sieben Personen an den Beratungsdienst des SRK. Im November waren es 17, im Dezember bereits 29 Personen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind beim Beratungsdienst bereits 47 Anfragen eingegangen.

Humanitäre Visa für besonders gefährdete Menschen

Mit einem humanitären Visum können Menschen, die besonderen Schutz bedürfen, auf legalem und sicherem Weg in die Schweiz einreisen. Das SRK setzt sich seit Jahren für diesen legalen Fluchtweg ein. Leider werden aber Jahr für Jahr weniger humanitäre Visa bewilligt. Im Jahr 2020 bewilligte das Staatssekretariat für Migration 66 humanitäre Visa, im Jahr zuvor waren es 172.

Flüchtlinge in Äthiopien sind auf sich gestellt

In Äthiopien leben viele eritreische Flüchtlinge. Diese geflüchteten Menschen haben noch schlechtere Chancen auf ein humanitäres Visum. Da sie sich bereits in einem Drittland befinden, gehen die Schweizer Behörden grundsätzlich davon aus, dass diese Menschen nicht mehr der persönlichen Bedrohung und Verfolgung in ihrem Heimatland ausgesetzt sind. Der Beratungsdienst erhält vor allem Anfragen von Personen aus Eritrea, die in Flüchtlingslagern in der Region Tigray gelebt haben, bis der Konflikt ausgebrochen ist.

Man nimmt an, dass sich in der Region Tigray ungefähr 96 000 Flüchtlinge aus Eritrea befinden. Hilfsorganisationen können sie nicht erreichen, der Zugang wird ihnen verwehrt. Medien berichten von Angriffen, Entführungen und Zwangsrekrutierungen in den Flüchtlingslagern.

Wie das SRK Angehörigen in der Schweiz hilft

Angehörige in der Schweiz können sich an den Beratungsdienst des SRK wenden. Familien, die ihre Familienangehörigen in Äthiopien nicht mehr erreichen, können den Suchdienst SRK kontaktieren.

Koordinierte Rotkreuz-Hilfe vor Ort

Zudem unterstützt das SRK die umfassende Nothilfe der internationalen Rotkreuzbewegung. In und um Tigray, in anderen Regionen Äthiopiens sowie im Sudan und in Djibouti werden die Menschen unterstützt, die vor Gewalt flüchten mussten. Das SRK engagiert sich zusammen mit dem Äthiopischen Roten Kreuz und hilft intern vertriebenen Menschen mit Bargeld und psychologischer Hilfe. Es konzentriert sich dabei auf den Süden das Landes.

Ein Ende der Konflikte ist nicht in Sicht. Es ist daher äusserst wichtig, dass alle Betroffenen die nötige Hilfe erhalten – vor Ort und auch hier in der Schweiz.