Steigende Zahlen Beratungsdienst humanitäre Visa 2016

Viele Anfragen für eine legale Einreise in die Schweiz

Der Beratungsdienst humanitäre Visa konnte durch seine tägliche Vernetzungsarbeit die Bekanntheit erhöhen. Die Zahl der Klientinnen und Klienten verdoppelte sich seit 2015. Dank des Beratungsdienstes wurden im Jahr 2016 211 humanitäre Visa bewilligt – dies mehrheitlich an besonders verletzliche Personen wie Frauen, Minderjährige oder ältere Menschen.

Der Beratungsdienst humanitäre Visa Syrien erreichte 2016 insgesamt 3‘033 Personen, was einen Anstieg im Vergleich zu 2015 darstellt (2‘060 Personen). Innerhalb weniger Tage erhielten wir 665 Anfragen, dies hauptsächlich aufgrund der Verbreitung unserer Anschrift via soziale Medien.

Im Vorjahr wohnten die Klientinnen und Klienten hauptsächlich in der Schweiz, im 2016 kamen mehr als die Hälfte aus dem Ausland. Zudem verdoppelte sich die Zahl der Klientinnen und Klienten seit 2015 (von 499 zu 1‘174). Dies lässt auf die grössere Bekanntheit des Beratungsdienstes in den Herkunftsländern schliessen.

Vermehrt Anfragen zum humanitären Visum aus anderen Ländern
Im Jahr 2016 berieten wir Personen aus 19 unterschiedlichen Herkunftsländern. Nebst Anfragen zu Syrien erhielten wir vor allem solche aus Eritrea, Afghanistan und dem Irak. Weitere Herkunftsländer waren Ägypten, Sudan, Jemen und Libyen. Bei den Anfragen aus Eritrea kontaktierten uns vermehrt Personen mit einer vorläufigen Aufnahme. Sie konnten ihre minderjährigen Kinder aufgrund ihres Status nicht über den regulären Familiennachzug in die Schweiz holen. Bei Personen aus Eritrea, die uns kontaktierten, haben wir keine Kenntnis von erteilten humanitären Visa. Wir konnten allerdings Kontakt zum UNHCR und zum IKRK im Sudan herstellen. Damit erreichten wir eine bessere Unterstützung für eritreische Kinder, die im Sudan gestrandet waren.

Vernetzung des SRK mit anderen Institutionen
Der Beratungsdienst verstärkte die Vernetzung mit anderen Institutionen, sei dies für die Triage, für Informationen oder für die Übernahme von Fällen. Bei 95 Klientinnen und Klienten fand die Vernetzung über Rotkreuz-Kantonalverbände statt. Auch SRK-intern sind wir stark vernetzt und arbeiten eng mit dem Suchdienst SRK und dem Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK zusammen. Zudem wenden sich auch Sozialdienste und Rechtsberatungsstellen weiterhin in spezifischen Fällen an uns.

Erfolge im 2016
Unser Beratungsdienst hat Kenntnis von 211 bewilligten humanitären Visa. Wir werden allerdings nicht immer von den Klientinnen und Klienten kontaktiert, wenn ein Visum bewilligt wurde. In den uns bekannten Fällen stammten 203 Personen aus Syrien, 88 davon waren humanitäre Visa im Rahmen von Syrien II*, 5 aus dem Irak und 3 aus Afghanistan. Der Anteil der bewilligten Visa für Frauen war leicht erhöht (55%). Zudem waren knapp zwei Drittel minderjährig oder über 65 Jahre alt. Dies zeigt, dass der Anteil von besonders verletzlichen Personen, die ein Visum erhielten, erhöht ist.

Im Berichtsjahr wurde der vertrauliche Dialog mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) weitergeführt und diesem besonders prekäre Fälle zur Vorabklärung vorgelegt. Wir reichten 40 Vorabklärungen ein. Davon wurden 22 positiv beurteilt. Dies bewirkte, dass von 129 betroffenen Personen 66 ein humanitäres Visum für die Schweiz erhielten.

Das SEM erteilte für Syrien im Jahr 2016 insgesamt 436 humanitäre Visa. Die Mehrheit davon auf der Botschaft in Beirut, knapp ein Viertel in Istanbul und den Rest in Athen, Amman, Kuwait und Abu Dhabi. Dies bedeutet, dass das SRK in knapp der Hälfte der Fälle Kontakt zu den Personen hatte, die schliesslich ein Visum erhielten. Tendenziell war der Anteil sogar noch höher, da das SRK eben nicht bei allen erteilten Visa informiert wird.

Zusätzlich zur Beratungsarbeit hat das SRK seine Advocacy-Arbeit weitergeführt: Es nahm bei einem Webinar** zu humanitären Visa auf EU-Ebene teil und hat weitere Organisationen zu humanitären Visa beraten.

Kostenübernahme Einreise über SEM
Im Berichtsjahr organisierte das SRK für 168 Personen die Einreise in die Schweiz; dies mit der Unterstützung der Partnerorganisation IOM (Internationale Organisation für Migration) und der Kostenübernahme durch das SEM. Das SRK finanzierte im aktuellen Berichtsjahr für 15 Personen die Einreise in die Schweiz. Im Jahr 2015 finanzierte das SRK noch 282 Einreisen und das SEM 38. Die Tatsache, dass das SEM in den allermeisten Fällen die Einreise in die Schweiz finanzierte, ist hauptsächlich auf den vertraulichen Dialog zurückzuführen.

UNHCR-Resettlement ***
Der Beratungsdienst etablierte seinen Dialog mit dem UNHCR weiter. Zudem konnte er Einzelfälle melden, in denen Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort abgeklärt werden sollten oder ob in einzelnen Fällen die Möglichkeit für Resettlement offen stünde.

Relocation****
Der Beratungsdienst stand auch betreffend das Relocation-Programm der Schweiz im engen Kontakt mit dem SEM. Gemäss dem Bundesratsbeschluss vom 18. September 2015 soll die Schweiz 1‘500 Personen aus Italien und Griechenland aufnehmen. Zudem wies der Beratungsdienst bei fünf Familien aus Syrien, die in Griechenland registriert sind, die griechischen Behörden auf die familiären Bindungen in die Schweiz hin.

*Personen aus Syrien mit vorläufiger Aufnahme (F-Ausweis) können seit 6. März 2015 nach Beschluss des Bundesrates Mitglieder der Kernfamilie (Ehegatten und minderjährige Kinder) mit einem humanitären Visum in die Schweiz nachziehen, wenn die Familie durch die Flucht getrennt wurde.

**Ein Webinar ist ein Seminar, das über das World Wide Web gehalten wird.

***Resettlement bezeichnet die dauerhafte Neuansiedlung besonders verletzlicher Personen, die beim UNO Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) registriert und als Flüchtlinge anerkannt sind in einem zur Aufnahme bereiten Drittstaat, der ihnen vollen Flüchtlingsschutz gewährt.

****Relocation bezeichnet die Umverteilung von Personen, die schon in einem EU-Land registriert wurden und ein Asylgesuch gestellt haben, in einen anderen europäischen Staat. Dies soll in angespannten Zeiten der Entlastung derjenigen EU-Länder dienen, die an der EU-Aussengrenze mit sehr hohen Gesuchseingängen konfrontiert sind.