Griechenland

Hilfe für Menschen im Niemandsland

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt in Griechenland die Nothilfe für Flüchtlinge. Sabine Hediger vom SRK arbeitet als Pflegefachfrau und Hebamme im Durchgangslager in Idomeni nahe der Grenze zu Mazedonien. Sie berichtet von ihrem vierwöchigen Einsatz im Niemandsland zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Vor bald drei Wochen bin ich mit dem Kleinbus des Roten Kreuzes erstmals zum Camp gefahren. Schon einige Kilometer vor dem Ziel fiel mir auf, wie die Strassenränder und Felder übersät waren mit Abfall. Wir sahen Bauern, die diesen Abfall einfach umpflügten. Im Durchgangslager dann jeden Tag unzählige Menschen, die ununterbrochen hier eintreffen. 

Als unmittelbar nach den Terroranschlägen in Paris Mitte November die Grenze zu Mazedonien geschlossen wurde, geriet die Situation im Camp eine Zeitlang ausser Kontrolle. Dutzende Busse waren blockiert, das Lager war komplett überfüllt, es fehlte an allem. Wenige Tage danach wurde die Grenze wieder geöffnet – allerdings nur für Staatangehörige aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Alle andern müssen hier bleiben – vor allem Iraner, Marokkaner aber auch Menschen aus Bangladesch, Nepal oder Pakistan. Sie stehen unter grossem Stress, viele sind verzweifelt. Nach der langen und gefährlichen Odyssee wissen sie nicht, wie es weitergehen soll. 

Immer wieder kommt es daher an der griechisch-mazedonischen Grenze zu Demonstrationen. Acht Männer haben sich vorige Woche gegenseitig den Mund zugenäht und traten in den Hungerstreik. Einer von ihnen erlitt einen Schwächeanfall und wurde zu uns ins Behandlungszelt gebracht. Wir konnten ihn überreden, den Faden im Mund entfernen zu lassen und etwas zu trinken. Danach liess er sich ins Spital bringen.

 Mobile Gesundheitsversorgung 

Das Rote Kreuz in Idomeni  
Der griechische Grenzübergang Idomeni liegt nördlich von Thessaloniki an der Grenze zu Mazedonien. Es ist einer der Hauptübergänge der Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Norden. Das Hellenische Rote Kreuz verteilt Hilfsgüter wie Nahrungsmitteln, Hygieneartikel, Baby Kits sowie Kleidung im Durchgangslager und betreut Flüchtlinge. Das Norwegische Rote Kreuz unterhält zudem eine mobile Klinik für die erste Hilfe und die medizinische Grundversorgung.
 

Wer weiterreisen kann, bleibt nur wenige Stunden im Camp von Idomeni. Hier arbeite ich in einer mobilen Rotkreuz-Klinik, die vom Norwegischen Roten Kreuz geleiteten wird. Im Camp erhalten die Menschen etwas zu essen, ruhen sich aus oder ergreifen die Gelegenheit, sich zu duschen. Manche sind nach der strapaziösen Reise gesundheitlich angeschlagen und lassen sich in unserem Zelt behandeln. Drei Sitzbänke vor dem Eingang dienen als Warteraum. Alles geht der Reihe nach, ausgenommen Notfälle. Fünf Personen können gleichzeitig behandelt werden. Mehr schaffen wir mit unseren personellen Ressourcen nicht. Unterstützt wird unser internationales Team von Freiwilligen des Griechischen Roten Kreuzes.

Wie in einem Bienenhaus

Es geht zu und her wie in einem Bienenhaus. Übersetzt wird mit Hilfe von anderen Mitreisenden, welche etwas Englisch sprechen oder schlicht mit Händen und Füssen. Ich behandle Augenentzündungen, Verletzungen an den Füssen, Rückenschmerzen, eiternde Wunden. Viele sind erkältet und haben Husten. Ich berate auch Schwangere, die wissen wollen, wie es ihrem Baby geht. 280 Menschen haben wir kürzlich innerhalb von 8 Stunden in unserem Zelt behandelt!

Die Situation ist trist. Wir tun was wir können und doch bleibt oft ein Gefühl der Ohnmacht. Vor ein paar Tagen gab es zumindest einen kleinen Lichtblick. Eine Gruppe von Clowns besuchte unser Camp und zauberte für einen kleinen Moment ein Lächeln auf die Gesichter der verzweifelten Menschen.