Nepal

Eindrücklich, wie die Menschen mit anpacken

Nach zwei verheerenden Erdbeben im April und Mai 2015 unterstützt das SRK den Wiederaufbau im arg betroffenen Distrikt Dolakha im Nordosten Nepals. SRK-Botschafterin und Olympiasiegerin Dominique Gisin hat die Region besucht und dort mit betroffenen Familien gesprochen.

Nepal-Abend mit Dominique Gisin
Am Nepal-Abend «Stein um Stein Zukunft bauen» in der SRK-Sonderausstellung «Weltreise Rotes Kreuz» im Verkehrshaus in Luzern, berichtet Dominique Gisin über ihre Reise nach Nepal. Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

«Es ist eindrücklich, wie die Menschen ihr Schicksal hinnehmen und wie sie mit anpacken. Sie haben alles verloren und rappeln sich wieder auf – ich weiss nicht, ob ich das könnte», meint Dominique Gisin, nachdem sie die Dörfer Lapilang und Suspa im Distrikt Dolakha besucht hat. Hier errichtet das SRK mit Unterstützung der Glückskette vorerst 500 Häuser neu, insgesamt 2000 sind geplant. Beide Dörfer mit je rund 1500 Einwohnern waren beim ersten Erdbeben vom 25. April 2015 teilweise, beim zweiten vom 12. Mai dann vollständig zerstört worden.

Bereits im Sommer hatte das SRK mit der Ausbildung von lokalen Handwerkern in Nepal begonnen. Unterdessen haben in der Region 540 Maurer und Schreiner gelernt, wie man Häuser erdbebensicher wieder aufbaut und in ihren Dörfern die Bevölkerung darüber informiert. Das weitaus meiste Material für den Wiederaufbau kann vor Ort beschafft werden. Dies ist besonders wichtig, weil wegen der anhaltenden Benzinknappheit im Land die Transporte seit Monaten massiv eingeschränkt sind.

Frauen bauen mit

Im Dorf Suspa herrscht bei Dominique Gisins Besuch reger Betrieb. Während die Kinder in der notdürftig errichteten Schulhaus-Baracke Englisch-Vokabeln büffeln, wird draussen auf der Baustelle gehämmert, geschaufelt und gesägt. Die SRK-Botschafterin lässt sich von den Bauarbeitern erklären, durch welche Techniken die Häuser sicherer werden – etwa durch Verstärkung der Ecken, den Einbau von durchgehenden Holzlatten, ein gut verankertes Fundament. Auch einige Frauen bauen mit, sie schleppen Sand und schaufeln Mörtel. «So kann ich gleich lernen, wie ich mein eigenes Haus erdbebensicher wieder aufbauen kann», sagt Sukuntala Thami.

Später führt sie den Besuch aus der Schweiz zum Grundstück, wo einst ihr zweistöckiges Haus stand. Die Steine des komplett zerstörten Gebäudes sind ordentlich aufgeschichtet. Mit dem Wellblech des kaputten Daches hat die Familie eine Notunterkunft gezimmert, in der sie nun auf engstem Raum lebt «Wir konnten uns gerade noch in Sicherheit bringen, als das Haus einstürzte», berichtet die dreifache Mutter. Wo denn ihr Mann sei, fragt Dominique Gisin. Er arbeite in Kathmandu und schicke manchmal etwas Geld, sagt die 38-Jährige. Gesehen habe sie ihn seit über einem Jahr nicht mehr.

Aufklärung im Dorf

Vor der Schulbaracke hat sich unterdessen eine Gruppe von etwa 40 Menschen versammelt. Die Frauen sitzen auf Strohmatten am Boden, die Männer dahinter auf einer Mauer. Rotkreuz-Freiwillige befestigen Plakate an der Hauswand und erklären den Dorfbewohnern, worauf sie achten müssen, um sich besser vor Katastrophen zu schützen. Stabiles Bauen ist wichtig, aber auch andere Gefahren müssen berücksichtigt werden, wie Steinschlag, Erdrutsche oder drohende Überschwemmungen. Die Menschen diskutieren engagiert, stellen Fragen, machen Vorschläge. «Jetzt nach dem Erdbeben sind alle bereit, ihr Verhalten zu ändern, damit niemals wieder eine so schlimme Katastrophe passiert», sagt SRK-Mitarbeiter Suprim Joshi, der die Schulungen in den Dörfern koordiniert.

«Am richtigen Ort»

Auf der Rückfahrt nach Kathmandu ist Dominique Gisin nachdenklich. So viel Leid, so viel Lebensmut. Dass die Menschen in dieser schwierigen Situation vom Roten Kreuz unterstützt werden – durch Wissensvermittlung nicht nur kurz- sondern auch längerfristig – das leuchtet der ehemaligen Skirennfahrerin und Abfahrt-Olympiasiegerin ein. «Die Arbeit ist gut durchdacht und hilft jenen, die es auch wirklich brauchen», sagt sie. «Als Botschafterin für das SRK bin ich am richtigen Ort und hoffe, dass noch mehr Menschen in der Schweiz das Rote Kreuz unterstützen.»