Erdbeben Nepal

34 Babys in dreieinhalb Wochen

Die SRK-Hebamme Marlies Vincenz hat im Erdbebengebiet von Nepal einen knapp einmonatigen Einsatz in einem Rotkreuz-Feldspital geleistet. 34 gesunde Babys kamen zur Welt – eine befriedigende Erfahrung.

«Es ist unglaublich, wie stark die Frauen sind», stellt Marlies Vincenz fest. «Nach der Geburt stehen sie einfach wieder auf und gehen nach Hause.» Einmal ist ihr eine Patientin aber beinahe unter den Händen gestorben. Die junge Frau war nach einem Abort mit starken Blutungen ins Feldspital gekommen – ohne dass sie vorher überhaupt realisiert hatte, dass sie schwanger war. In der Schweiz hätte sie in dieser Lage eine Bluttransfusion erhalten, aber in den Bergen von Chautara gab es das nicht. Glücklicherweise stabilisierte sich ihr Zustand nach mehreren Infusionen.

Marlies Vincenz gehört seit vielen Jahren zum Nothilfe-Pool des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Sie hat bereits in Kamerun, Haiti und Pakistan Einsätze als Hebamme geleistet. In Nepal verstärkte sie das Team des Norwegischen Roten Kreuzes, das in Chautara ein Feldspital betreibt. Dieses ist nötig, um die medizinische Grundversorgung sicher zu stellen. Denn das örtliche Spital wurde beim verheerenden Erdbeben im April stark beschädigt und kann nicht mehr gebraucht werden. Als die Bündner Hebamme knapp zwei Monate nach der Katastrophe dort eintraf, waren nur noch wenige Patienten wegen Verletzungen in Behandlung, die direkt auf das Erdbeben zurückzuführen sind. 

Erschwerter Start ins Leben

Eine besondere Schwierigkeit in diesen Zeiten: Viele Familien glauben, dass Babys unter einem schlechten Stern stehen, wenn sie während einer Katastrophe geboren werden. «Das hat die Geburten manchmal erschwert. Die Frauen waren besorgt.» Zudem sind die Lebensumstände extrem schwierig. «Viele erzählten mir, dass sie in einem Zelt lebten, weil ihr Haus beim Erdbeben zerstört wurde», berichtet Marlies Vincenz. Umso dankbarer waren die Mütter, dass sie vom Roten Kreuz eine erste Ausstattung mit Windeln, einem Frottiertuch, Seife und Baby-Kleidchen erhielten. Für Marlies Vincenz war es ein befriedigender Einsatz. «34 Kinder in dreieinhalb Wochen – das ist eine schöne Bilanz», meint sie.

Rotkreuz-Kliniken ersetzen zerstörte Spitäler

Die Internationale Rotkreuz-Föderation betreibt in Nepal derzeit sechs Feldspitäler und 12 mobile Kliniken. Sie hilft damit, die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten, nachdem beim Erdbeben im April und Nachbeben im Mai auch zahlreiche Gesundheitseinrichtungen zerstört wurden. Das SRK unterstützt die Kliniken mit Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal.