Jugendaktion bis zum Weltrotkreuztag 2015

Wenn die Rotkreuzgrundsätze in meinem Alltag auftauchen

Schon am frühen Morgen spürte ich, dass dieser Tag hektisch wird… Aber nie hätte ich gedacht, dass mir die 7 Rotkreuzgrundsätze zu Hilfe kommen und mir doch noch einen guten Tag bescheren würden.

Mein Wecker hat nicht geklingelt! Sofort springe ich aus meinem Bett, ziehe mich rasch um und stürze eilig die Treppe hinunter. Im Gang höre ich die Stimmen meiner Nachbarn Malika und Daniel. Schon seit Wochen sind sie angespannt. Nachdem sie von einem humanitären Einsatz zurückgekommen sind, wollen sie ein Kind adoptieren. Dabei stossen sie auf viele administrative Hürden und noch ist kein Ende in Sicht! Ich hoffe, sie sind ihrem Ziel nähergekommen. Zu meiner Überraschung sehe ich die beiden strahlend mit Samir, 5 Jahre, beim Eingang stehen. Samir hat eine neue liebende Familie gefunden. Zusammen geben sie ein schönes Bild der Menschlichkeit, der Güte und Grosszügigkeit. Das wird mich für den restlichen Tag motivieren.

Bei der Arbeit angekommen, haben wir eine schwierige Entscheidung zu treffen. Wir müssen uns zwischen mehreren Teams entscheiden, um für die nächsten Monaten zusammenzuarbeiten. Unsere Chefin will aber keinen Entscheid auf Grund von irgendwelchen Freundschaften treffen. Um niemanden zu diskriminieren, bleibt sie unparteiisch. Um eine gewisse Neutralität im Konflikt zu behalten, verlangt sie, dass ihr die Teams anonym vorgestellt werden. Somit wird nur auf Grund der gemachten Erfahrungen und der Bedürfnisse der Firma entschieden. Auf diese Weise vertrauen wir, dass die Entscheidung ohne Vorurteile gefällt wird.

Nach Feierabend habe ich Diego versprochen, ihm bei seinem Umzug zu helfen. Er will sein Elternhaus verlassen, um selbstständig und unabhängig zu werden. Obwohl in der neuen Wohnung noch ziemliches Chaos herrscht, freue ich mich für ihn. Ich glaube, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat.

Es bleibt mir keine Zeit, um mich auszuruhen. Schon ist es Zeit für mein wöchentliches Treffen mit Frau Henkel. Wir lesen zusammen, üben ihr Französisch und diskutieren über die verschiedensten Sachen. Heute sprechen wir über die Gleichheit der Menschen und Solidarität. Diese freiwillige Aktivität bereichert uns gegenseitig. Ich stelle mit Freude fest, dass alle auf ihre Weise und nach ihren Möglichkeiten zur Universalität dieser gegenseitigen Hilfe, Austausch und Solidarität beiträgen.

Auf dem Rückweg komme ich an einem Sportplatz vorbei, auf dem eine Mannschaft Basketball trainiert. Der Trainer ist gerade daran, seine Spieler zu motivieren, und erinnert sie, wie wichtig Teamgeist sei. Zurück auf dem Platz und wieder beim Spielen spüre ich die neue Einheit deutlich. Plötzlich spielen sie besser zusammen und treten tatsächlich als eine Mannschaft auf.

Endlich zu Hause. Endlich ist es Zeit, mich hinzusetzen und auf meinen Tag zurückzublicken. Was habe ich alles gelernt? Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Schliesslich stelle ich fest, dass dieser Tag, obwohl er offensichtlich zuerst unter einem schlechten Stern gestanden ist, dennoch zu einem guten Tag geworden ist.

Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität – Grundsätze, die uns schon ein halbes Jahrhundert begleiten und sich im Alltag anwenden lassen. Rotes Kreuz, vielen Dank!