Weltflüchtlingstag 2018

Für eine menschenwürdige Behandlung und eine wirksame Integration

Ein Aufruf von Annemarie Huber-Hotz, Präsidentin Schweizerisches Rotes Kreuz, und Elhadj As Sy, Generalsekretär Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

Tag für Tag gibt das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge bekannt, wie viele Menschen beim Versuch ertrunken sind, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hin und wieder rütteln einige Bilder unser Gewissen auf, doch meist löst der Verlust dieser Menschenleben nur Gleichgültigkeit aus.

In allen Ländern der Welt setzt sich die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung für Menschen in Not und Elend ein: Für Opfer von Naturkatastrophen, Kriegsversehrte, Kinder mit Behinderung, pflegebedürftige Betagte oder Familien in finanzieller Not.

Viele Menschen, die ihr Land verlassen, befinden sich in einer Notlage. Ungeachtet der Gründe, die sie zur Flucht bewogen haben, sind sie von ihren Familien getrennt, erschöpft und verängstigt. In ihren Zufluchtsländern werden sie nicht erwartet, sondern ausgegrenzt.

Die Staaten müssen ihre Politik gegenüber besonders gefährdeten Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten entsprechend ihren materiellen und gesellschaftlichen Aufnahme- und Integrationskapazitäten festlegen. Dabei müssen sie sich an das Völkerrecht und die Gesetzgebung des Aufnahmelandes halten, welche die Rechte und die Würde aller Menschen schützen.

Würdige Behandlung gewährleisten

Wir haben die Pflicht, allen Menschen unabhängig von ihrer Situation eine würdige Behandlung zu gewährleisten. Dies erfordert einen effektiven Zugang zum Asylverfahren und die Einhaltung des Non-Refoulement-Prinzips. Weiter muss neben dem Recht auf Familienleben, der Zugang zu einer angemessenen Grundversorgung und Unterkunft gewährleistet werden. Schliesslich ist sicherzustellen, dass die Inhaftierung aus migrationsbedingten Gründen nur als letztes Mittel zur Anwendung gelangt – bei Kindern sollten die Staaten davon absehen.

Auf eine menschenwürdige Behandlung und einen korrekten Verwaltungsentscheid muss eine wirksame Integration folgen. Voraussetzung dafür ist ein angemessenes Gleichgewicht von Rechten und Pflichten. Dazu gehören das Recht auf Bildung, Arbeit, eine menschenwürdige Unterkunft und die Inanspruchnahme von sozialmedizinischen Leistungen sowie die Aufgabe, die Sprache des Gastlandes zu erlernen und die Pflicht sich an dessen Gesetze und Gepflogenheiten zu halten. Damit diese Integration gelingen kann, muss die gesamte Gesellschaft einen Beitrag leisten.

Ein weltweites Phänomen

Die Migration ist keine vorübergehende, auf Europa beschränkte Krise, sondern ein anhaltendes, weltweites Phänomen. Europa kommt bei der Koordination der Migrationspolitik der verschiedenen Länder eine zentrale Rolle zu. Zugleich müssen wir auf globaler Ebene unsere Kreativität als Gesellschaft unter Beweis stellen und uns unermüdlich für die Achtung der Menschenwürde und die Wahrung des Völkerrechts einsetzen.

Anlässlich des heutigen Weltflüchtlingstags rufen wir zu einer nachhaltigen und verantwortungsbewussten Migrationspolitik auf.

Annemarie Huber-Hotz, Präsidentin Schweizerisches Rotes Kreuz
Elhadj As Sy, Generalsekretär Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften