Marketing und Kommunikation im Ausland

In die Unabhängigkeit begleiten

Das Departement Marketing und Kommunikation des SRK begleitet Rotkreuzgesellschaften im Ausland, die ein eigenes Fundraising einführen wollen, zum Beispiel in Weissrussland. Wo gute Programme, eine starke Rotkreuzgesellschaft und Geldquellen vorhanden sind, ist mehr finanzielle Unabhängigkeit möglich. Lukas Sallmann, Leiter Marketing und Kommunikation, erläutert diesen innovativen Ansatz.

Lukas Sallmann, wieso unterstützt das SRK Fundraising im Ausland?

Dies ist eine moderne Form der Entwicklungszusammenarbeit. Wir begleiten geeignete Rotkreuzgesellschaften - derzeit in Georgien, Kasachstan, Litauen und Weissrussland - die bereit sind für diesen Entwicklungsschritt und koordinieren das Marketing eng mit dem Departement Internationale Zusammenarbeit des SRK. Die Anforderungen sind hoch: Was das Rote Kreuz in seinem Land für die Bevölkerung leistet, muss bedarfsgerecht sein. Es braucht eine lokale Rotkreuz-Organisation, die bereits gut aufgebaut ist. Schliesslich geht es nur in Ländern, in denen wir das Potenzial sehen, lokal Finanzierungsquellen zu finden.

Mittelbeschaffung im eigenen Land ist heute eher möglich. Was hat sich geändert?

Noch nie zuvor gab es so viele Länder mit einer starken Mittelschicht. Gleichzeitig gerieten mehr und mehr Geberländer in eine Wirtschaftskrise und mussten für die eigene Bevölkerung schauen. Die finanzielle Abhängigkeit vom Ausland kann für manche Rotkreuzgesellschaft zur existenziellen Gefahr werden. Der Druck nimmt zu, selber Finanzen zu generieren. Für eine gesunde Finanzierung ist der richtige Mix entscheidend und der ist in jedem Land anders. Wir helfen dabei, die richtige Strategie zu finden.

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Der erste Schritt ist immer eine Marktstudie, die von uns finanziert wird. Sie zeigt das Potenzial auf und analysiert die politische, ökonomische, steuerliche Ausgangslage. Ist die Markstudie gut, ist es ein Leichtes, daraus eine Fundraising-Strategie abzuleiten. Unser Beitrag kann dann heissen, eine Website des Partners zu hosten, Online-Spenden-Tools zu installieren oder eine Agentur zu vermitteln. Wir investieren nicht nur Knowhow, sondern auch finanziell, damit die Partner selber zu Experten werden und Autonomie gewinnen.

Wieso könnte es gerade in Weissrussland klappen?

Die Rotkreuz-Angebote sind bekannt und die Vermögensverhältnisse im Land sind recht ausgeglichen. Mit kreativen Ideen kann man den bisherigen Mitgliederbeitrag erhöhen und Spendende mit Potenzial persönlich ansprechen. Die Zusammenarbeit vor Ort ist toll und sehr dynamisch. Eine Herausforderung ist es, strategisches Fachwissen im Team zu verankern. Mittelfristig sollen die Mittel selber beschafft werden können, deshalb lohnt sich unsere Unterstützung. Was wir jetzt ins Marketing investieren, können wir bei der Entwicklungszusammenarbeit einsparen und in andere Länder lenken, wo unsere Hilfe weiterhin dringend gebraucht wird.

Begleitung von Rotkreuzgesellschaften bei der Organisationsentwicklung und beim Fundraising ist eine Spezialität des SRK?

Ja, wir engagieren uns hier sehr stark und haben dies auch in unserer Strategie verankert. Der entscheidende Vorteil ist, dass wir Fundraising nicht isoliert betrachten. Die Experten der Internationalen Zusammenarbeit prüfen für uns die Rotkreuzorganisation, denn wenn gute Programme fehlen, macht Fundraising keinen Sinn, ebenso wenig, wenn das Geld am Ende in die falschen Taschen wandert. Für eine nachhaltige Entwicklung muss man die verschiedenen Pfeiler parallel stärken. Möglicherweise muss das Programm optimiert werden, bevor man auf Geldgeber zugeht. Oder es braucht Kommunikation, um das Image einer Rotkreuzgesellschaft zu stärken. Erst wenn alle Voraussetzungen stimmen, ist der Partner für Fundraising bereit.