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Eine Chance für Gracia

Trotz Fortschritten bei der Bekämpfung von Aids wachsen in Afrika noch immer Hunderttausende Kinder wegen der Krankheit ohne Eltern auf. So die sechsjährige Gracia in Togo, die nur dank der Unterstützung des SRK die Schule besuchen kann.

Gracias Augen leuchten, als ihr der Rotkreuzmitarbeiter Lucien Lokou ihr Schulmaterial überreicht. Stolz hält sie die farbigen Stifte, Hefte, einen Rucksack und Stoff für die Schuluniform im Arm. In zwei Wochen kommt die Sechsjährige die zweite Klasse. Auf die Frage, ob sie sich auf den Schulbeginn freue, nickt das Mädchen. Viel reden mag Gracia nicht, aber ihre leuchtenden Augen verraten, dass sie den Start des neuen Schuljahres kaum erwarten kann.

Das Schulmaterial hätte sich ihre Grossmutter, Yolo Abiba (52), nicht leisten können. Sie lebt mit ihrer Enkelin in der Ortschaft Blitta in Togo, 300 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lomé. Im westafrikanischen Kleinstaat sind über vier Prozent der Bevölkerung – mehr als eine Viertelmillion Menschen – mit HIV infiziert. Mit dem knappen Einkommen, das Yolo mit dem Verkauf von Gemüse erzielt, kann sie für sich und Gracia gerade das Nötigste zum Überleben kaufen.

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stellt Gracia und anderen von Aids betroffenen Kindern nicht nur das Schulmaterial zur Verfügung, sondern zahlt auch das Schulgeld, das ab der sechsten Klasse fällig wird. «Es ist ein grosses Geschenk, dass die Kleine die Möglichkeit hat, die Schule zu besuchen. Ich wünsche ihr eine gute Zukunft, sie hat schon so viel durchmachen müssen», sagt die Grossmutter.

Damit spricht sie Gracias traurige Vergangenheit an: Ihre Eltern sind beide HIV positiv und leben weit entfernt in der Stadt, wo sie die nötigen Medikamente bekommen. Freiwillige des Roten Kreuzes unterstützen sie bei der Therapie und haben sie auch informiert, wie sie eine Übertragung der Krankheit auf ihre Mitmenschen – insbesondere auf Gracia – verhindern können.

Yolo und Gracia teilen sich einen einfachen Raum in einer Lehmhütte, in dem ein Bett mit einem Moskitonetz, ein kleiner Sandsteinofen und ein Tischchen stehen. Wasser und Elektrizität gibt es nicht. Gracia packt mit an und hilft ihrer Grossmutter beim Wasser holen oder Essen zubereiten.

Auch bei der Ernährung werden die Beiden unterstützt: In regelmässigen Abständen verteilt das Rote Kreuz Pakete mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln an die Verletzlichsten. «Ich weiss nicht, wo ich ohne das Rote Kreuz wäre. Ich bin so dankbar für diese Unterstützung», sagt Yolo und tätschelt Gracia dabei liebevoll die Schulter.

Das SRK führt in der Région Centrale zusammen mit dem lokalen Roten Kreuz und den Gesundheitsbehörden ein Programm zum Aufbau der Gesundheitsversorgung von 320 000 Menschen durch. Der Bekämpfung von Aids kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Bei der Prävention wird der Akzent auf Abstinenz, Treue und/oder die Verwendung von Kondomen gelegt. Die Bevölkerung wird motiviert, sich auf HIV testen zu lassen.

Parallel zu öffentlichen Präventionsveranstaltungen schulen und sensibilisieren jugendliche Rotkreuz-Freiwillige Gleichaltrige rund um Fragen zu Aids und Sexualität. Um ihre Perspektiven zu verbessern, werden Kinder wie Gracia, deren Eltern an Aids erkrankt sind, gezielt unterstützt.