Beirut

Helfen in den Trümmern Beiruts

Für Hunderttausende Menschen waren die Explosionen vom 4. August 2020 im Hafen Beiruts ein traumatisierender Schock: Sie verloren Angehörige, wurden verletzt oder ihr Zuhause wurde unbewohnbar. Sechs Monate später erzählt Yussef Baalbaki (links) dem SRK-Landeskoordinator Jyri Rantanen, wie er als Rotkreuz-Freiwilliger pausenlos im Einsatz stand.

Yussef Baalbaki ist seit der Explosion fast pausenlos im Einsatz. «In den ersten Tagen transportierte ich Blutprodukte aus den Blutspendezentren des Roten Kreuzes, denn diese wurden dringend gebraucht», berichtet der Rotkreuz-Freiwillige. Als Teil des Logistik-Teams des Roten Kreuzes installierte er anschliessend mit dem Zivilschutz Lichtmasten am Hafen, damit die Rettungskräfte auch in der Nacht arbeiten konnten. Zudem kümmerte er sich um die Entgegennahme von Hilfsgütern. Schliesslich war er Teil des Teams, das von Haus zu Haus ging, um die individuellen Schäden abzuklären, und heute engagiert er sich im Bargeld-Projekt. «Es ist unglaublich anstrengend, in einer solchen Situation über so lange Zeit zu arbeiten. Viele Menschen haben extrem viel verloren. Ich bin froh, dass wir ihnen ein wenig helfen können, damit sie den Mut nicht verlieren. Das gibt mir die nötige Energie, um weiterzumachen.» 

Unglaublich anstrengende Einsätze 

Pamela Saab erinnert sich an den Moment, der am 4. August alles veränderte. Die Rotkreuz-Mitarbeiterin war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen, als sie – 20 km ausserhalb der Hauptstadt - die gewaltige Detonation hörte und spürte. Sie wusste sofort, dass etwas Schlimmes geschehen war. «Mein erster Gedanke war, dass es ein Erdbeben oder ein Bombenanschlag war. Ich wollte sofort helfen. Aber gleichzeitig hatte ich auch Angst», erinnert sie sich an die aufwühlenden ersten Stunden.

«Die Telefonleitungen waren überlastet. Wir mussten schnell ein Team zusammenstellen, um die vielen Anfragen zu beantworten.»

Pamela Saab, Rotkreuz-Mitarbeiterin in Beirut

Zusammen mit Kollegen vom Roten Kreuz fuhr sie zurück nach Beirut: «Der Anblick der zerstörten Stadt war ein Schock», berichtet sie. Im Büro des Roten Kreuzes lagen überall Glassplitter und Trümmer, die Fensterscheiben waren zerborsten und auch sonst war vieles zerstört. Pamela Saab übernahm sofort den Aufbau einer Hotline, die sie dann zwei Monate lang koordinierte. «Die Telefonleitungen waren überlastet. Wir mussten innert Kürze ein Team zusammenstellen, um die vielen Anfragen zu beantworten. Viele riefen auch an, weil sie helfen wollten, das war in dieser Situation in Trost.»  

Die ersten zwei Wochen hat sie ununterbrochen gearbeitet. Sie hat kaum gegessen und geschlafen, alle verstörenden Gedanken verdrängt. Dann, als sie einmal kurz durchschnaufen konnte, kamen die Emotionen hoch: «Ich brach in Tränen aus und alles brach aus mir heraus», berichtet sie. All die Eindrücke, die verzweifelten Menschen, die Freunde, die alles verloren hatten, aber auch der Gedanke daran, was passiert wäre, wenn sie an diesem Abend eine Stunde länger im Büro geblieben wäre – alles kam hoch. Danach habe sie sich rasch wieder gefangen und weitergearbeitet. Immer dort, wo es sie am dringendsten brauchte. Pamela Saab ist dankbar, in dieser Situation helfen zu können. «Ich bin froh, dass ich beim Roten Kreuz arbeite und dazu betragen kann, dass sehr vielen Menschen geholfen wird. Das ist meine Passion, ich liebe meine Arbeit», sagt die 23-Jährige.