Gesund gross werden

Wasser und Hygiene in Laos

Bay Peteda und ihre fünfjährige Tochter Kiu nutzen die Wasserstelle neben ihrem Haus. Es ist eine von sechs, die das SRK im Dorf für 62 Familien erstellt hat. Besonders bei den Müttern ist die Erleichterung gross. Sie mussten früher um das Leben ihrer Kinder bangen und das Wasser vom Fluss herbei tragen.

Eine Stunde mit dem Schiff den Fluss hinunter, danach zwei Stunden zu Fuss in der sengenden Hitze: Der Weg von der nächst grösseren Ortschaft Nong Khiew nach Houay Khen führt tief ins ländliche Laos. Wir kommen vorbei an Tabakfeldern und Kautschukplantagen, trockenen Reisfeldern und Schmetterlingsschwärmen. Nur der Blick in die Höhe stört das ländliche Idyll: Grosse, kohlschwarze Flächen klaffen wie offene Wunden an den steilen Berghängen – Spuren der Brandrodungen, mit denen die Kleinbauern das knappe Land in unwegsamem Gebiet für die Selbstversorgung ausweiten. Die brachiale Methode hat in Laos Tradition. Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass die Zerstörung des Baumbestandes zu Erosion und schliesslich zum Versiegen von Quellen führt, wird sie weiter angewendet. Denn die Bauern haben meist keine Alternative, das Überleben ihrer Familien zu sichern.

«Uns geht es viel besser als vor zwei Jahren.»

Ein Dorf wie aus alter Zeit

Weit hinten im Tal treffen wir endlich in Houay Khen ein. Ein Dorf wie aus einem andern Jahrhundert: Holzhäuser auf Pfählen, meist mit Stroh oder Bambus bedeckt, ein paar gackernde Hühner und träge Hunde, die von uns unbeeindruckt im Schatten dösen. Sofort strömen auch die Menschen herbei. Besuch gibt es selten in diesem abgelegenen Dorf, das auf keiner Karte zu finden ist.

Dorfchef Bounchan Pehetsonda heisst uns mit stolzem Lächeln willkommen. «Uns geht es viel besser als noch vor ein, zwei Jahren», erklärt er, nachdem wir uns auf der Reismatte im Halbrund niedergelassen und ausführlich begrüsst haben. «Zwar haben wir noch immer keine Strasse, was für die Versorgung ein riesiges Problem darstellt, und auch auf Elektrizität müssen wir wohl noch lange warten. Doch das Wichtigste ist: Unsere Kinder werden nur noch selten krank und das Dorf ist viel sauberer geworden.» 

Durchfall gefährdet das Leben der Kinder

Der Grund für diese Verbesserungen seien die Wasserversorgung und die Latrinen, die mit Hilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes errichtet wurden. Endlich verfügt das Dorf jetzt über sauberes Trinkwasser und Brunnen in der Nähe der Häuser. Zuvor hatten sich die Menschen mit Flusswasser versorgt, das vom Vieh, aber auch wegen dem Fehlen sanitärer Anlagen gefährlich verschmutzt war.

Durchfallerkrankungen waren weit verbreitet. Sie schwächten die Menschen und für die Kinder, die noch kaum über körperliche Reserven verfügen, sind sie eine tödliche Gefahr. Verschmutztes Trinkwasser ist denn auch einer der Hauptgründe, weshalb im Landesdurchschnitt noch immer drei von 50 Kindern sterben, bevor sie fünfjährig sind. Im ländlichen Laos, wo die Gesundheits- und Wasserversorgung im Vergleich zu den Städten viel schlechter ist, sind es sogar deutlich mehr.

Sechs Wasserstellen für 60 Häuser

Zusammen mit dem Dorfchef besichtigen wird die Gemeinde mit ihren gut 60 Häusern. Das abschüssige Gelände ist auffallend sauber. Kein Tierkot weit und breit und auch kein Abfall – schliesslich gibt es hier auch noch kaum Konsumgüter. Sechs Wasserstellen wurden innerhalb weniger Monate errichtet, ganz oben im Dorf steht das Reservoir. Eine Wasserleitung führt von der 3 Kilometer entfernten Quelle ins Dorf und versorgt die Wasserstellen mit Trinkwasser.

«Wir haben schon vor den Bauarbeiten vom Roten Kreuz erfahren, wie wichtig die Hygiene im Alltag ist und was jeder von uns dazu beitragen kann», sagt Bounchan Pehetsonda. Allerdings, räumt er ein, habe sich die Benutzung der Latrinen noch nicht wunschgemäss durchgesetzt und es sei gut, dass das Rote Kreuz weiterhin Sensibilisierungsarbeit leiste: «Erst rund zwei Drittel der Bewohner benutzen die Toiletten regelmässig. Manche Männer finden es nach wie vor praktischer, in den umliegenden Wäldern ihre Geschäfte zu verrichten.»

«Ich freue mich jeden Tag»

An einer der Wasserstellen treffen wir Bay Peteda und ihre fünfjährige Tochter Kiu. Die Mutter von zwei Kindern wohnt zusammen mit dem Ehemann und den Schwiegereltern zu sechst im bescheidenen Holzhaus gleich neben der Wasserstelle. «Ich freue mich jeden Tag über das frische Wasser gleich nebenan», sagt sie. Früher habe sie bis zu sechsmal pro Tag beim 20 Minuten entfernten Fluss Wasser geholt. Jetzt sei alles viel einfacher, sagt Bay Peteda, dreht energisch den Wasserhahn auf und lässt das Becken mit der schmutzigen Wäsche halbvoll laufen. Mit geübten, raschen Handgriffen schrubbt sie die Kleidungsstücke und wringt sie aus. Die kleine Tochter wäscht sich derweil genüsslich die Haare und lässt das kühle Nass über Kopf und Schulter rinnen. Wasser – nicht nur Lebenselixier, sondern auch Quelle von Erfrischung und Vergnügen.