Tag der Menstruation

«Mehr als ein Gesundheitsthema»

Am 28. Mai ist Tag der Menstruation. Am 28.5. deshalb, weil die Periode alle 28 Tage stattfindet und durchschnittlich fünf Tage dauert. Dies gilt für die Hälfte der Weltbevölkerung – und dennoch bleibt das Thema vielerorts ein Tabu. Warum Menstruation im Engagement des Roten Kreuzes so wichtig ist, weiss Alexandra Machado von der IFRC.

Alexandra Machado, Sie arbeiten als Gesundheits- und Hygiene-Expertin bei der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften IFRC. Was tut die Föderation zum Thema Menstruation?

Wir unterstützen und koordinieren Projekte von Partnern und Nationalen Gesellschaften und informieren über das so genannte «Menstrual Hygiene Management». Die Botschaft ist klar: Alle Frauen und Mädchen sollen ihre Periode hygienisch, sicher, geschützt und in Würde bewältigen können. Dazu entwickeln wir Standards und bieten Schulungen an. Das Thema interessiert und wir wollen in einer Arbeitsgruppe die Erfahrungen länderübergreifend austauschen.

Hat die Sensibilisierung für das Thema Menstruation schon Veränderungen bewirkt?

Ja, in der humanitären Arbeit sind Veränderungen sichtbar, Menstruationshygiene setzt sich als Schwerpunkt durch. Verschiedene Nationalgesellschaften haben Projekte gestartet, wie auch das SRK. Mehr Wissen ist aber nach wie vor notwendig. Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung muss Frauen und Mädchen noch aktiver unterstützen. Menstruationshygiene ist nicht nur ein Gesundheitsthema, es tangiert die Würde von Mädchen und Frauen, ihr Selbstbewusstsein und letztlich ihr Recht, eine Schule zu besuchen und einer Arbeit nachzugehen. Unser Engagement ist nötig, damit Frauen im Menstruations-Alter (also etwa ein Viertel der Bevölkerung) aktiv an der Gesellschaft teilnehmen können.

Wo setzt die IFRC Schwerpunkte?

Es gilt der Grundsatz, dass alle Projekte die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen berücksichtigen – in der Nothilfe ebenso wie bei der langfristigen Zusammenarbeit. Wir haben drei Prioritäten: Sanitäre Hilfsmittel, sichere Toiletten und Körperpflege. Konkret heisst das, Binden, Tücher, Abfalleimer, Seife sind verfügbar, Binden können entsorgt werden und Frauen haben eine eigene Toilette.

Tabus zur Monatsblutung halten sich hartnäckig. Wie kann man Einstellungen ändern?

Einstellungen zu Hygiene zu verändern, ist immer schwierig, nicht nur bei der Menstruationshygiene, die nochmals besondere Herausforderungen beinhaltet. Wir haben aber eine besondere Stärke in der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gemeinschaft: unsere Freiwilligen, die direkt in den Gemeinschaften verwurzelt sind. Ihr Wissen zu kulturellen Normen, zu Gefahren und Ungleichheiten unterscheidet uns von anderen Organisationen. Freiwillige mit dem gleichen sozialen Hintergrund sind am besten geeignet, um Frauen und Mädchen während der Menstruation zu unterstützen und zu stärken. Die Freiwilligen geniessen das Vertrauen der Bevölkerung und sprechen Aberglauben und Mythen offen an.

Sie haben für das SRK in Malawi gearbeitet, nun sind Sie Gesundheitsexpertin bei der Rotkreuz-Föderation. Wie beurteilen Sie die Projekte des SRK im Bereich Menstruationshygiene?

Das SRK engagiert sich stark für Menstrual Hygiene Management und integriert das Thema wo immer möglich in seine Wasser- und Hygiene-Programme. Von 2013 bis 2017 war ich SRK-Delegierte in Malawi, wo wir in Gesundheitsprojekten in Schulen auch Menstruation zum Thema gemacht haben. Das Design von Schultoiletten wurde unter die Lupe genommen und die Verfügbarkeit von Binden landesweit untersucht. Es freut mich, dass vom SRK jetzt eine Studie in Auftrag gegeben wurde, um Tabus und Einstellungen zu Menstruation in Malawi noch besser zu verstehen. Die Resultate können in künftige Projekte einfliessen.