Zugang zu Gesundheit

Bolivien: Was bleibt nach dem SRK-Engagement?

Eine Kurzfassung zu den Ergebnissen der Nachhaltigkeits-Studie bezüglich den SRK-Gesundheitsprojekten in Bolivien.

Die bolivianische Provinz Tomina liegt zwischen Anden und Tiefland auf über 2000 Meter Höhe im Departement Chuquisaca. Während 12 Jahren (1998–2010) unterstützte das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) die lokale Bauerngewerkschaft darin, den Zugang der Bevölkerung zu Gesundheit zu verbessern. Bildung, Einkommen schaffende Massnahmen und Stärkung der Bauerngewerkschaft, um die Rechte der indigenen Bevölkerung besser zu vertreten, waren weitere Schwerpunkte des SRK-Engagements. Was ist aus der Bauerngewerkschaft geworden? Kann die Bevölkerung ihre Rechte weiterhin einfordern?

Durch seine Unterstützung hat das SRK massgeblich dazu beigetragen, dass die Bauerngewerkschaft Projekte umsetzen konnte und in der Region an Einfluss gewann. Seit 2006 ist die Gewerkschaft zudem im Stadtrat des Municipios Tomina vertreten. Dies ermöglicht es bis heute, dass die indigenen Bauern direkt das Politleben und die Verwendung der Budgetgelder der Stadtverwaltung mitbestimmen können. Seit der Wahl wurden drei neue Gesundheitszentren gebaut, zehn wurden neu ausgerüstet und die Zahl der Mitarbeitenden verdreifacht. Die Mitarbeitenden stammen aus der umliegenden Region und sind mit der Kultur, den lokalen Dialekten und Praktiken bestens vertraut.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitszentren und der lokalen Bevölkerung besteht fort. Lokale Gesundheitskomitees unterstützen das Personal bei der Datenerhebung und Erfassen der Bedürfnisse der Bevölkerung sowie bei der Verteilung von Nahrungsmitteln an unterernährte Kinder. Jährlich nimmt die Zahl der behandelten Patienten in den Zentren um 5 Prozent zu, die Anzahl der unterernährten Kinder nahm von 20 Prozent (2006) auf 11 Prozent (2014) ab. Die Stadtverwaltung setzt zudem Subventionen ein, um die Gesundheitskosten für die Bevölkerung möglichst gering zu halten. Auch arme Menschen können sich dadurch eine Behandlung leisten. Die indigenen Gemeinden scheuen sich nicht mehr, ihre Wünsche und Rechte bei den Behörden anzumelden. Sie finden Gehör: Auf ihre Initiative hin wurden Wassersysteme und Schulen gebaut. All diese Errungenschaften beugen zudem wirkungsvoll der Landflucht vor.

Erkenntnisse für weitere Projekte

Die Bauerngewerkschaft hat gelernt, langfristig und überlegt zu planen. Allerdings wird dabei weniger in den direkten Kontakt mit der Landbevölkerung investiert. Besuche in abgelegenen Gebieten sind selten und Trainings finden keine mehr statt. Dies wäre wichtig, um weiterhin die Anliegen der Ärmsten vertreten zu können, sie über neue Gesetze und Rechte zu informieren sowie neue Gewerkschaftsführer der nächsten Generation zu gewinnen.