Blutspende in der internationalen Zusammenarbeit

Solidarität gibt Sicherheit

Die freiwillige und solidarische Blutspende, wie wir sie heute in der Schweiz kennen, ist nicht überall selbstverständlich. Mit seiner grossen und langjährigen Erfahrung unterstützt das SRK in mehreren Ländern den Aufbau eines professionellen Blutspendewesens. So auch im Libanon.

A PROPOS
Blutsicherheit beim SRK

Für viele Länder stellt der Aufbau eines professionellen Blutspendedienstes eine grosse Herausforderung dar. Das SRK unterstützt weltweit acht Länder beim Aufbau dieser wichtigen Dienstleistung. Dabei arbeitet es eng mit der jeweiligen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und den staatlichen Gesundheitsbehörden zusammen.
In der Schweiz stellt Blutspende SRK Schweiz gemeinsam mit den regionalen Blutspendediensten die Blutversorgung sicher. Blutspende SRK Schweiz führt zudem das schweizerische Register für Blutstammzellspendende. Schon über 100‘000 Menschen in der Schweiz sind bereit, Blutstammzellen zu spenden, um Menschen mit Blutkrankheiten die Chance auf Heilung zu geben.
Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Solidarität zeigen können: www.blutspende.ch

Der 26-jährige Said Mrad meldet sich im Blutspendezentrum des Libanesischen Roten Kreuzes. Die Grossmutter seines besten Freundes ist im Spital und braucht dringend eine Bluttransfusion. Er will für sie Blut spenden. Im Libanon ist es üblich, dass Angehörige und Freunde im Notfall zu einer Blutspende aufgeboten werden. Denn die Spitäler verfügen nur über knappe Blutbestände.

Die Spitäler im Libanon verfügen nur über knappe Blutbestände.

Auch in den Blutspendezentren des Libanesischen Roten Kreuzes sind die Kühlschränke mit den Blutvorräten meistens so gut wie leer. Der Bedarf ist durch die hohe Zahl syrischer Flüchtlinge im Land in den vergangenen Jahren nochmals um rund 25% angestiegen. Doch anders als wir es in der Schweiz heute kennen, ist die Blutspende als solidarischer Akt für Unbekannte im Libanon (noch) nicht üblich.

Lebensrettende Solidarität

Zu welch dramatischen Situationen dies führen kann, zeigen die Ereignisse vom 12. November 2015. Mehrere Bombenanschläge erschüttern den Süden Beiruts, 44 Menschen werden getötet und mehr als 200 verletzt. Zahlreiche Verletzte sind auf eine überlebenswichtige Bluttransfusion angewiesen. Das Libanesische Rote Kreuz reagiert umgehend: «Spendet Blut!» Über Facebook, Twitter, SMS und andere Kanäle ruft es zum Blutspenden auf. Die Menschen in Beirut folgen dem Aufruf. Mahdi Chehad Mchiek, Techniker bei der Blutbank des LRC in Beirut, erinnert sich: «Sämtliche Fachleute wurden zum Dienst im Zentrum aufgeboten. Als ich eintraf, standen die Spenderinnen und Spender bereits Schlange. Wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet. In sechs Stunden erhielten wir 200 Bluteinheiten.»

In dieser Nacht hat die grosse Solidarität der Bevölkerung viele Menschenleben gerettet. Das Beispiel zeigt aber auch, wie sinnvoll und wichtig es ist, nicht erst in Notsituationen Blut zu spenden, sondern vorsorglich. Nur wenn Blutvorräte vorhanden sind, kann sofort reagiert werden. Mit Unterstützung des SRK führt das Libanesische Rote Kreuz deshalb Aufklärungskampagnen durch, wirbt für freiwillige Blutspenden und organisiert mobile Blutspendeaktionen.

Doch es braucht nicht nur Spender. Neben Fachwissen braucht es geeignete technische Geräte zur Analyse, Aufbereitung und Lagerung des Blutes, rechtliche Rahmenbedingungen und ein funktionierendes Kommunikations- und Transportsystem, damit jederzeit genügend Blut in einwandfreier Qualität zur Verfügung steht. Dies nicht nur in der Stadt, sondern auch in abgelegenen Regionen.

Das SRK nutzt seine internationale Erfahrung in diesem Bereich, um das Libanesische Rote Kreuz beim Aufbau dieser wichtigen Dienstleistung zu unterstützen. Der Programmverantwortliche des SRK, Claudio Zaugg, erklärt: «Wir haben viel in den Aufbau eines umfangreichen Qualitätssicherungssystems investiert, damit die Blutprodukte sicher sind und gemäss internationalen Standards getestet werden. Höchste Qualität und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Blutspendedienste sind die Basis für die freiwillige Blutspende und somit für eine höhere Versorgungssicherheit». Das SRK hilft auch bei der Modernisierung von 12 Blutspendezentren.

Ziel des Projektes «Sicheres Blut für alle» ist es, dass auch im Libanon n der Leitspruch «Spende Blut – Rette Leben» für die Menschen eine Selbstverständlichkeit ist. Für Said Mrad ist er das schon heute. Er spendet bereits zum vierten Mal Blut und sagt: «Wenn jemand mein Blut braucht, bin ich zur Stelle.»