Paraguay

Prävention und Aufklärung fördern die Gesundheit

Das SRK verbessert die Gesundheit in benachteiligten Regionen Paraguays. Es arbeitet dabei mit Basisorganisationen zusammen und bezieht die Bevölkerung und insbesondere Jugendliche mit ein.

Das südamerikanische Binnenland ist fast zehnmal so gross wie die Schweiz, hat aber nur eine Bevölkerung von knapp 7 Millionen Einwohner. Agrar- und Viehwirtschaft dominieren die Wirtschaft. Der grosse Teil des nutzbaren Landes gehört einigen wenigen Grossgrundbesitzern, was das Leben für Kleinbauern schwer macht. Diese Struktur fördert die extrem ungleiche Verteilung von Vermögen und Einkommen. Die ländliche Armut ist trotz beträchtlicher jährlicher Wachstumsraten der Exportlandwirtschaft immer noch gross. Hinzu kommt die Vergiftung von Böden und Wasser durch den massiven Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden. Das gefährdet die Gesundheit vieler selbstversorgender Kleinbauernfamilien und indigener Gemeinschaften.

Gesundheitsversorgung, Prävention und Aufklärung

Fast zwei Drittel der Menschen haben kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die Müttersterblichkeit ist vor allem auf dem Land noch immer sehr hoch, viele Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Infektionskrankheiten sind stark verbreitet, auch sexuell übertragbare. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt in mehreren Departementen Paraguays Unidades de Salud de la Familia, staatliche Gesundheitszentren, die je rund 4000 Menschen erreichen. Damit leistet es einen Beitrag zur Prävention sowie Aufklärung und an die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung. Begünstigte sind das ärmste Drittel der Bevölkerung, oft in abseits gelegenen Dörfern.

Freiwillige Gesundheitspromotoren

Die nicht-staatliche Partnerorganisation Tesãi Reka Paraguay sorgt mit Aufklärungskampagnen in den Dörfern dafür, dass die Familien die bestehenden Angebote kennen, nutzen, sich für sie einsetzen und dadurch ihre Grundrechte einfordern. Eine wichtige Funktion haben dabei freiwillige Gesundheitspromotoren, die von Tesãi Reka ausgebildet werden. Sie klären an Workshops in Schulen und Dörfern die Bevölkerung auf, informieren zu Recht, Gleichberechtigung, Familienplanung, Gesundheit und Hygiene. Auch über Tabus wie Sexualität oder häusliche Gewalt wird gesprochen. Jugendliche werden als Freiwillige ausgebildet, damit sie ihr Wissen an Gleichaltrige weitergeben. Untereinander können heikle Themen ungezwungener angesprochen werden.

Gegen Diskriminierung

Im Grossraum der Hauptstadt Asunción unterstützt das SRK die auf HIV/Aids spezialisierte Organisation Fundación Vencer in ihrer Arbeit mit Jugendlichen. Diese werden für das Thema sensibilisiert und lernen beispielsweise an Workshops in der Schule, wie man sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Jugendliche werden auch in der Stadt als Freiwillige ausgebildet, um andere Jugendliche aufzuklären. Vencer begleitet zudem Menschen, die mit HIV leben und stellt sicher, dass sie Zugang zu antiretroviralen Medikamenten haben. Daneben kämpft Vencer in der Öffentlichkeit gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung Betroffener.

Katastrophenbereitschaft und Nothilfe

Vor allem die Kleinbauern und indigene Familien auf dem Land, die von ihren bescheidenen Ernteerträgen leben, leiden regelmässig unter Naturkatastrophen. Die Wetterextreme in Paraguay haben in den letzten Jahrzenten zugenommen, es kommt vermehrt zu Dürren und Überschwemmungen. Das SRK stärkt zusammen mit dem Paraguayischen Roten Kreuz die Bevölkerung im Umgang mit Risiken, Prävention und Folgen wiederkehrender Naturkatastrophen. Immer wieder leistet das SRK auch Nothilfe.

Stärkung der Partner

Das SRK bildet Mitarbeitende seiner Partnerorganisationen in Administration und Projektplanung weiter und unterstützt die Organisationsentwicklung. Es fördert die finanzielle Unabhängigkeit der Bauern- und Partnerorganisationen sowie deren Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden. Durch aktive Teilnahme an politischen Prozessen und jahrelanger Lobbyarbeit haben sie sich als Referenz in Gesundheitsthemen etabliert. Heute ist dank Tesãi Reka und Vencer das Recht auf eine Gesundheitsversorgung in der Verfassung verankert.