Weissrussland

Gesund leben in guter Nachbarschaft

Das Rote Kreuz fördert in Weissrussland die Professionalisierung der Hauspflege und verbessert so die Situation betagter, behinderter und kranker Menschen. Die Hauspflege entspricht einem grossen Bedürfnis. Das SRK unterstützt das Weissrussische Rote Kreuz auch beim Fundraising, damit es mit mehr Einnahmen im eigenen Land die Pflegefinanzierung nachhaltig sichern kann.

Die ehemalige Sowjetrepublik Weissrussland ist wirtschaftlich isoliert. Das Land ist geprägt von grosser Abwanderung in die Hauptstadt Minsk, nach Westeuropa und nach Russland. Zurück bleiben ältere Menschen, Kinder und sozial Schwache, für die der Staat alleine nicht aufkommen kann. Im Zuge der Ukraine-Krise hat Weissrussland zudem über 150‘000 Flüchtlinge aufgenommen.

Der Reaktorunfall im Atomkraftwerk von Tschernobyl (Ukraine, 1986) hat 25 Prozent der Landesfläche Weissrusslands auf Jahrhunderte hinaus radioaktiv kontaminiert. In der Folge sind die Krebsraten und die allgemeine Krankheitsanfälligkeit gestiegen. Der allgemein schlechte Gesundheitszustand sowie die Überalterung der Bevölkerung führen zu einem höheren Bedarf an sozial-medizinischen Dienstleistungen.

Neue Finanzierungsmodelle

Durch das staatliche medizinische Versorgungsnetz fallen vor allem alte, behinderte und chronisch kranke Menschen. Mit professioneller Pflege und Hilfe zu Hause tragen das Weissrussische und das Schweizerische Rote Kreuz dazu bei, ihre Situation zu verbessern. Die vom Roten Kreuz geschulten Pflegefachfrauen sind für einsame Menschen oft die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Dank professioneller Pflege können Kranke und Betagte im gewohnten Umfeld wohnen bleiben. Unterstützt werden die Pflegefachfrauen von Rotkreuz-Freiwilligen, die den Begünstigten im Haushalt helfen, Besorgungen erledigen und Kontakte ermöglichen.

Die Heimpflege des Weissrussischen Roten Kreuzes ist gefragt. Leistungsverträge mit der Regierung, kostendeckende Leistungen und Spendenaktionen sind neue Wege, mit denen das Rote Kreuz Weissrussland seine Programme noch stärker selber finanzieren will. Das SRK vermittelt dazu Knowhow in Fundraising und Marketing.

Nachbarschaftshilfe

Senioren sind keine Belastung, sondern eine Bereicherung der Gesellschaft. Diesem Grundsatz folgt das Engagement des Weissrussischen Roten Kreuzes. Selbsthilfegruppen und lokale Netzwerke von Freiwilligen in 48 Städten leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Das Rote Kreuz stärkt Nachbarschaftshilfe und vernetzt die Beteiligten. Die Gruppen lernen, ihre Interessen zu vertreten – auch gegenüber Behörden – und sich für die Anliegen und Rechte älterer Menschen einzusetzen.

Gesundheitsprävention und -förderung

Rotkreuz-Freiwillige führen in Gemeinden und Schulen Informationskampagnen für eine gesündere Lebensweise durch. Weiterbildungen zu Ernährung, Bewegung und Prävention richten sich an Mitarbeitende des Roten Kreuzes ebenso wie ans staatliche Gesundheitspersonal und weitere interessierte Personen – jung wie alt. Das Gesundheitssystem wird dadurch gestärkt und die Öffentlichkeit, Behörden und Entscheidungsträger für diese Themen sensibilisiert.

Kinästhetik: Beweglichkeit

Mit fachlicher Unterstützung des SRK hat das Weissrussische Rote Kreuz Kinästhetik-Trainerinnen ausgebildet. Die Unterstützung der Bewegungskompetenz, Kinästhetik genannt, fördert die Mobilität und dadurch die Unabhängigkeit der Pflege- und Betreuungsbedürftigen. Dies kann ihre Gesundheit erhalten und die soziale Integration unterstützen.

Die Pflegenden können dank der Kinästhetik bei ihrer körperlich oft schweren Arbeit auch ihre eigene Gesundheit besser schonen (z.B. Vorbeugung von Rückenproblemen).

Gemeinsam sind wir stark. Ältere Menschen sind bereit, als Freiwillige des Rote Kreuzes selbst das Schneeschaufeln und Holz hacken für diejenigen zu übernehmen, die diese schwere Arbeit nicht mehr schaffen.

©  Schweizerisches Rotes Kreuz – Internationale Zusammenarbeit